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Wenzel Jaksch (1896-1966) : biografische Schlaglichter auf einen Sozialdemokraten aus Mitteleuropa
Entstehung
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88 Ausblick BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 19 Nach 70 Jahren eines Lebens in politischen Kämpfen und nach über einem hal­ben Jahrhundert auch posthum anhaltender Deutungskonflikte hat Wenzel Jaksch heute den ernsthaften Versuch verdient, aus dem Wust gewollter und versehent­licher Missverständnisse zu historisch fundierten Beurteilungen vorzustoßen. Dieses historische Verstehen soll durchaus nicht alles verzeihen, aber es wird ne­ben der Feststellung von Schwächen und Irrtümern würdigen, was an diesem deutschen Sozialdemokraten aus Südböhmen wahrhaft groß war. Der Christdemokrat Peter-Paul Nahm, der Jaksch seit dem gemeinsamen irken in der hessischen Landespolitik um 1950 gekannt und seither als langjähriger Staatssekretär im Bundesvertriebenenministerium bis zu dessen Tode eng ­begleitet hatte, rühmte in seiner Gedenkrede 1966, der Verstorbene habe»uns« also den Deutschen»echte Demokratie vorgelebt«. 335 Damit meinte der einst selbst vom NS-Regime mit Berufsverbot belegte Journalist und zeitweilige KZ-Häftling, 336 dass der Sozialdemokrat Jaksch»allen Anfängen der Radikalisierung gewehrt und das gute Wort von der patriotischen Mitte gefunden« habe»also Liebe zum eige­nen Volk und Vaterland, ohne Ausartung und ohne Abwertung anderer«. 337 Nahm erblickte in Jaksch»eine Gestalt von tragischer Größe«, einen mutigen Wider­ständigen, der»gegen das Unheil angegangen« sei,»woher und von wem er auch immer es kommen sah«. 338 Jaksch habe sich dem Unheil»entgegengeworfen, bis es ihn schließlich überflutete und in das bittere Boot der Emigration trieb«. 339 Die hier von Nahm verwendete fragwürdige Naturkatastrophenmetapher für die NS-Diktatur und deren Folgen leitet über zum Kernpunkt, der den Aufstieg des Volkssozialisten Jaksch in der Vertriebenenpolitik der deutschen Nachkriegsdemo­kratie erklärt: Denn»nun erst«, nach der Katastrophe von 1945, hatte sich laut 335  P eter Paul Nahm, Gedenkrede zum Tode Wenzel Jakschs, 1.12.1966, in: Archiv für Christlich-­Demokratische Politik St. Augustin, I-518-016/1. Hans-Joachim von Merkatz, Völkerwanderung heute. Zum 70. Geburtstag von Peter Paul Nahm, Bielefeld 1971, S. 10. 337  P eter Paul Nahm, Gedenkrede zum Tode Wenzel Jakschs, 1.12.1966, in: Archiv für Christlich-­Demokratische Politik St. Augustin, I-518-016/1.