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Wenzel Jaksch (1896-1966) : biografische Schlaglichter auf einen Sozialdemokraten aus Mitteleuropa
Entstehung
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Wenzel Jaksch(1896–1966). Biografische Schlaglichter auf einen ­Sozialdemokraten 41 Der Europäer: Nationalitätenföderalismus und wirtschaftliche Integration Im März 1939 mit knapper Not den einmarschierenden Schergen Hitlers aus Prag entkommen, stellte Wenzel Jakschs im Exil verfasste Programmschrift»Was kommt nach Hitler?« letztendlich die Kernfrage: Wie kann man Mittel- und Osteuropa neu und dauerhaft friedlich gestalten? Zum einen in Abgrenzung von der 1938/39 gescheiterten Friedensordnung von Versailles, die nicht nur in der Tschecho­slowakei vermeintliche Nationalstaaten geschaffen hatte, welche eigentlich Viel­völkerstaaten gewesen waren und daher auch als solche hätten organisiert wer­den müssen. Zum anderen in noch schärferer Distanzierung vom damals zwar triumphierenden, aufgrund seiner rücksichtslosen Gewaltorientierung jedoch letztendlich zum Scheitern verurteilten NS-Imperium. Jakschs 1939 formulierte Überzeugung, dass eine gerechte Neuordnung Europas zwischen den Völkern»nur durch einen Kompromiß entschieden werden« kön­ne, der auf Menschenrechten und Völkerrecht basieren müsse, 134 knüpfte an eine Reformüberzeugungen aus zehnjähriger tschechoslowakischer Parlamentsarbeit an. Sie sollte sein weiteres Leben begleiten und kehrte 1963 in Jakschs Forderung wieder, man müsse in Mittelosteuropa nach einer Geschichte wechselnder Do­minanz und Unterdrückung endlich»von der Vorherrschaft zur Partnerschaft« fortschreiten. 135 Das war die Europäisierung der alten habsburgischen Erfahrung, trotz kompromissloser Nationalisten auf allen Seiten immer wieder(wenn auch leider nicht immer) gemäßigte gemeinsame Kompromisse gefunden zu haben Kompromisse, die rechtsstaatlich ausformuliert und gerade deshalb langfristig tragfähig gemacht worden waren. Noch in den 1960er-Jahren gab der Sudeten­deutsche Wenzel Jaksch der Bundesrepublik Deutschland den Rat, man möge im Hinblick auf eine neue Ostpolitik aus dem»Erfahrungsgut der österreichischen Nationalitätenpolitik« lernen. 136 Solche Lernfähigkeit war allerdings von einer Prinz, Wenzel Jaksch Edvard Beneš, 1973, S. 69. Jaksch, Von der Vorherrschaft zur Partnerschaft, 1963. Eva Hahn / Hans Henning Hahn, Die Vertreibung im deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte, Paderborn 2010, S. 108.