Druckschrift 
Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 29 Abbildung 18 VERTRAUEN IN POLITISCHE KERNINSTITUTIONEN nach Parteipräferenz(in%) 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 Bundesregierung Bundestag Bundesverfassungs­gericht Europäische Kommission n= 2.026–2.118 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 SPD CDU/CSU Grüne FDP Medien Die Linke AfD 62 43,9 77,8 39,4 33 5,4 56,7 46,7 71 41,6 36,8 5 85,7 74,2 93,1 76 72,3 24,9 40,6 32,1 58,5 28,1 32,6 6,1 41,1 40,1 66,2 32,5 42,1 12 Auch unter den Nicht- und Ungültig-Wähler_innen ver­trauen den(öffentlich-rechtlichen) Medien nicht einmal ein Sechstel(16,3 Prozent). 2019 war das Vertrauen in Fernsehen und Zeitungen bei den FDP-Anhänger_innen noch am stärksten(73 Prozent). Bei den Grünen lag es damals dagegen nur bei 50 Prozent. Trotz einer gewissen Politisierung auch der Wissenschaft seit der Corona- und Klimakrise(zum BeispielScientists for Future) wird dieser unabhängig von Parteipräferen­zen vergleichsweise breit vertraut. Selbst der AfD-An­hang bekundet mehrheitlich großes Wissenschaftsver­trauen(56 Prozent), 2019 waren es aber noch zehn Punk­te mehr. Die Wähler_innen von SPD, Union, FDP und Lin­ken liegen zudem rund 30 Prozentpunkte darüber, jene der Grünen sogar 40 Prozentpunkte. Unter Letzteren äu­ßern nur drei Prozent wenig und niemand gar kein Ver­trauen in die Wissenschaft. Bei den Gewerkschaften sinkt das Vertrauen grosso modo, je weiter man im politischen Spektrum von links nach rechts geht, von 72 Prozent im Linken-Anhang über 61 Prozent bei Grünen- und 55 Prozent bei SPD-Wähler_ innen bis zu mageren 35 Prozent bei den hier sogar knapp hinter der AfD liegenden Unionsunterstützer_in­nen. Da es in diesem Zusammenhang eigentlich auf die sozioökonomische Verortung ankommen sollte, verwun­dert der recht hohe Wert der FDP-Klientel(47 Prozent). In Bezug auf die Arbeitgeber_innenverbände streut das Ver­trauen relativ wenig. Nicht einmal 15 Prozentpunkte tren­nen hier die Anhänger_innen der Linken(28 Prozent) von jenen der FDP(43 Prozent). Der Anhang von FDP und AfD weist die ähnlichsten Werte für die Arbeitnehmer_innen­und die Arbeitgeber_innenseite auf, jener der Union traut als Einziger den Arbeitgeber_innen mehr als den Gewerk­schaften. NUR UNIONSANHÄNGER_INNEN VERTRAUEN ARBEITGEBER_INNEN MEHR ALS GEWERKSCHAFTEN Institutionenvertrauen und Demokratiezufriedenheit Die repräsentativen Institutionen spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren der Demokratie, weshalb sich erwartungsgemäß ein enger Zusammenhang zwischen Institutionenvertrauen und Demokratiezufriedenheit fin­det. Zieht man zunächst den Index des Institutionenver­trauens heran, zeichnen sich die Demokratiezufriedenen zu 42 Prozent durch ein hohes, die Unzufriedenen hin­gegen zu 44 Prozent durch ein geringes Institutionenver­trauen aus, während nur zwei bzw. fünf Prozent die um­gekehrte Kombination aufweisen. Demokratiezufriedene und Demokratieunzufriedene trennen beim Vertrauen in den Bundestag 56 und beim Vertrauen in die Bundesre­gierung 59 Prozentpunkte eine nochmalige Steigerung gegenüber 2019, als es bereits je rund 50 Punkte waren. Auch in Bezug auf die Medien ist die Differenz zwischen Demokratiezufriedenen und-unzufriedenen um etwa zehn auf 42 Punkte gewachsen. Beim Bundesverfas­sungsgericht beträgt sie 37 Punkte, immerhin vertraut diesem auch eine knappe Mehrheit der Unzufriedenen. Ähnlich ist der Unterschied bezüglich der EU-Kommissi­on, die umgekehrt nicht einmal unter den Demokratie­zufriedenen mehrheitliche Unterstützung genießt (49,7 Prozent). Geringer, aber auch deutlich größer als 2019 sind die Differenzen bei der Wissenschaft(25 Punk­te). Bei Gewerkschaften und Arbeitgeber_innenverbän­den(acht bzw. zwölf Punkte) gibt es kaum Veränderun­gen.