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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 30 Zwischen den Vertrauenserweisen für die maßgeblichen Institutionen der deutschen Demokratie besteht ein en­ger Zusammenhang. So geht das Vertrauen in den Bun­destag bzw. die Bundesregierung zu je über 80 Prozent mit dem Vertrauen auch in das jeweils andere der beiden Organe einher. Auch ansonsten bedeutet Vertrauen in eines der fünf Organe zu mindestens 50 Prozent auch Vertrauen in die anderen einzige Ausnahme: Aus der großen Gruppe derer, die ihr Vertrauen in das Bundes­verfassungsgericht setzen, vertrauen nur 41 Prozent auch der EU-Kommission. Institutionenvertrauen und Soziodemografie 2019 war in der Altersgruppe unter 35 das Vertrauen in alle Institutionen außer in die Medien deutlich überpro­portional. Nun sind ausgerechnet Letztere eine von nur noch zwei Institutionen, denen die Jüngsten überdurch­schnittlich vertrauen(um drei Punkte), die zweite ist die erstmals erfasste EU-Kommission(um 6,5 Punkte). INSTITUTIONENVERTRAUEN DER JÜNGEREN GESUNKEN Regierung, Parlament und Verfassungsgericht vertrauen hingegen die über 65-Jährigen überdurchschnittlich(um 3,5 bis fünf Punkte). Ursachen des Vertrauensschwunds bei den Jüngeren könnten unter anderem das bei ihnen besonders ungünstige Verhältnis zwischen eigenen Ent­behrungen und eigenem Krankheitsrisiko in der Corona­zeit und die unzureichende Erfüllung der Klimaziele sei­tens der Politik sein. Bei der EU-Kommission liegt das Ver­trauen der Frauen um sechs Punkte über, bei den Medien um sieben Punkte unter dem der Männer. Bezieht man Bildung, Schichtzugehörigkeit und Einkom­men mit ein, weisen die niedrigeren Statusgruppen jeweils ein sehr ähnliches allgemeines Institutionenvertrauen auf (um die 14 Prozent). Die statushöchsten Gruppen zeigen jeweils Werte von über 30 Prozent. Sie vertrauen dabei jeweils mehrheitlich Regierung und Parlament, nur beim Verfassungsgericht tun das auch die statusniederen, bei EU-Kommission und Medien weder die einen noch die anderen. WER PROFITIERT, TRAUT DEN INSTITUTIONEN MEHR Wie die Präferenz für die repräsentative Demokratie ist das Vertrauen in deren maßgebliche Institutionen im Os­ten mit 15 Prozent hohem und 34 geringem Vertrauen am schwächsten ausgeprägt, im Norden ist dies fast um­gekehrt. Dort kommen Bundestag und-regierung auf über 50 Prozent Vertrauen. Wer der politischen Elite misstraut, setzt auch nicht auf die politischen Institutionen Starkes politisches Interesse geht zu 29 Prozent mit ho­hem Institutionenvertrauen einher, bei nur wenig oder gar keinem politischen Interesse sind es nur sechs Pro­zent. Nur eine_r von acht quasipopulistisch eingestellten Befragten weist großes Institutionenvertrauen auf. Perso­nen, die solche Einstellungen nicht hegen, vertrauen den demokratierelevanten Institutionen mit knapper Aus­nahme der EU-Kommission(48 Prozent) mehrheitlich, Bundestag und Bundesregierung sogar zu rund zwei Drit­teln und dem Bundesverfassungsgericht zu 86 Prozent. Die Vertrauenden-Anteile unter den quasipopulistisch Eingestellten bleiben dahinter im Schnitt um rund 25 Pro­Abbildung 19 VERTRAUEN IN POLITISCHE KERNINSTITUTIONEN nach Demokratiezufriedenheit(in%) 100 90 80 70 73 60 50 40 30 20 10 14 0 Bundesregierung 90 71,3 52,6 49,7 15,3 14 Bundestag Bundesverfassungs­gericht Europäische Kommission 59,9 18,3 Medien n= 2.335–2.451 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 Demokratiezufriedene Demokratieunzufriedene