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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 31 zentpunkte zurück, bei den für das populistische Narrativ einer vom Volkswillen abgelösten politischen Elite zentra­len Organen Bundesregierung und Bundestag sogar um 35 bzw. 39 Punkte. Auch die politische Effektivität hängt mit dem Institutio­nenvertrauen zusammen. Unter denjenigen, die politi­sche Probleme gut zu verstehen bzw. Verantwortung leicht zuzuordnen finden, ist großes Institutionenvertrau­en um zehn bzw. 14 Punkte häufiger anzutreffen als in den Gegengruppen. Scheint die Zusammensetzung der Regierung(auch jenseits der politischen Ränder) einen Unterschied zu machen, misst der Vorsprung sogar über 23 Punkte. Bundesregierung und Bundestag genießen das Vertrauen von über 56 Prozent derer, die einen Unter­schied zwischen verschiedenen Regierungen ausmachen, aber nur von 26 Prozent derer, die das nicht können. Die­jenigen, die auch jenseits der Wahl genügend Partizipati­onsmöglichkeiten für die Bevölkerung wahrnehmen, ver­trauen den Institutionen zu 39 Prozent; diejenigen, die zu wenig Beteiligungschancen monieren, nur zu 16 Prozent. Auch zwischen diesen beiden Gruppen differiert das Ver­trauen in Bundestag(63 vs. 34 Prozent) und Bundesregie­rung(60 vs. 35 Prozent) besonders stark. Wer vertraut Wissenschaft, Gewerkschaften und Arbeitgeber_innenverbänden? Beim Vertrauen in die Wissenschaft bzw. Universitäten und Forschungseinrichtungen gibt es über die verschie­denen soziodemografischen Gruppen hinweg nur gerin­ge Unterschiede. Wenig überraschend ist, dass der for­male Bildungsgrad die größten Differenzen mit sich bringt: Hochgebildete und damit häufig selbst wissen­schaftlich sozialisierte Befragte vertrauen der Wissen­schaft zu 88, Niedriggebildetenur zu 73 Prozent. Von allen sozialen Gruppen vertrauen den Gewerkschaf­ten wenig verwunderlich ihre eigenen Mitglieder mit Ab­stand am meisten(71 Prozent, nur drei Prozent gar nicht). Umso mehr verwundert der Befund, dass das Vertrauen in Gewerkschaften über die Altersklassen hinweg stetig von 61 Prozent bei den unter 35-Jährigen bis hinunter zu 37 Prozent bei den über 65-Jährigen absinkt, sind doch die Mitglieder vorwiegend älter(vgl. Lesch/Hellmich 2017). mit je rund sieben Punkten zwischen niedrigster und höchster Statusgruppe vergleichsweise gering aus. Ähnlich gering sind die Spannweiten des Vertrauens in Arbeitgeber_innenverbände nach Haushaltseinkommen, Erwerbsstatus und Bildungsgrad. Ausreißer_innen nach oben sind Angehörige der oberen Schichten(45 Prozent) und Personen mit Migrationshintergrund(41 Prozent). Betrachtet man das Alter, trennen 15 Prozentpunkte die unter 35-Jährigen(46 Prozent) und die über 50-Jährigen (31 Prozent). Institutionenvertrauen rückläufig und ungleich verteilt Auch wenn einige Änderungen bezüglich der abgefrag­ten Institutionen die Vergleichbarkeit erschweren, ist in der Tendenz doch ein Rückgang des Vertrauens auszu­machen. Während Bundestag, Gewerkschaften sowie (bei identischer Item-Formulierung wie 2019) Medien und Wissenschaft leicht an Vertrauen verloren haben und das Bundesverfassungsgericht(gegenüber Ende 2020) sogar recht stark, konnte die Bundesregierung zwar zu­legen, aber nur um zwei Punkte. Besonders ausgeprägt ist der Vertrauensverlust bei den 2019 noch deutlich ver­trauensseligsten Jüngeren. Außerdem finden sich starke Kontraste zwischen statushöheren und-niederen Grup­pen, Ost und West sowie Demokratiezufriedenen und -unzufriedenen. Bezieht man die parteipolitischen Präfe­renzen mit ein, setzt sich nun mit Blick auf die Kerninsti­tutionen sowie die Wissenschaft nicht mehr nur die An­hänger_innenschaft der AfD als mit Abstand am wenigs­ten vertrauende ab, sondern zusätzlich die der Grünen als mit Abstand am meisten vertrauende. PROBLEME DER DEUTSCHEN DEMOKRATIE Um den Gründen des mangelnden Vertrauens in die re­präsentativen Institutionen auf der Inputseite nachzuspü­ren, haben wir den Befragten wie 2019 Aussagen vorge­legt, die durch politikwissenschaftliche Forschung abge­stützte Problemlagen auf den Punkt bringen. Die Befrag­ten sollten angeben, ob es sich bei den beschriebenen Phänomenen aus ihrer Sicht um ein sehr großes, ein gro­ßes, ein kleines oder gar kein Problem für die Demokratie in Deutschland handele. VERTRAUEN IN GEWERKSCHAFTEN BEI JÜNGEREN HÖHER Teilweise erklärt sich dies durch den im Lauf der Jahrzehn­te gestiegenen Bildungsgrad: Niedriggebildete vertrauen Gewerkschaften nur zu 35 Prozent, unter Befragten mit mittlerer Reife ist es hingegen bereits eine knappe Mehr­heit, unter Hochgebildeten liegt der Wert weitere drei Prozentpunkte darüber. Facharbeiter_innen scheinen ihre Interessen durch Gewerkschaften mithin überwiegend gut vertreten zu sehen, Hilfsarbeiter_innen eher weniger. Anders als beim kontraintuitiven Befund von 2019 ver­trauen Erwerbstätige den Gewerkschaften nun mehr als Nichterwerbstätige(52 gegenüber 41 Prozent). Auch Menschen mit Migrationshintergrund vertrauen den Ge­werkschaften überdurchschnittlich(51 Prozent). Die Dif­ferenzen nach Schicht und Haushaltseinkommen fallen Von acht den Befragten vorgelegten Problemen werden sechs mehrheitlich von diesen auch als solche wahrge­nommen. An der Spitze liegt die Meinung, dass zentrale Wahlversprechen oft nicht umgesetzt werden. Dies sehen 82 Prozent als(sehr) großes Problem, dicht gefolgt von der geringeren Wahlbeteiligung ärmerer Menschen (77 Prozent), den starken soziodemografischen Verzer­rungen zwischen Volk und Volksvertreter_innen(75 Pro­zent), der Schwerfälligkeit der deutschen Demokratie (73 Prozent) und dem starken Einfluss von Interessen­gruppen auf politische Entscheidungen(70 Prozent). Der Anteil derer, die diese Probleme sogar alssehr groß be­zeichnen, beträgt bei den nicht umgesetzten Wahlver­sprechen 35 Prozent, bei der mangelnden deskriptiven Repräsentation 30 Prozent, bei der sozialen Selektivität der Wahlbeteiligung zulasten der Ärmeren, der Schwer­fälligkeit des politischen Systems und dem überborden­den Lobbyeinfluss je 24 Prozent. Gar kein Problem sehen