FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 48 Grünen-Wähler_innen befürworten Steuererhöhungen für Besserverdienende am stärksten Die Erhöhung von Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen befürworten mehr als zwei Drittel der Befragten, die nach eigenen Angaben bei der Bundestagswahl 2021 die Grünen(76 Prozent), die Linke(70 Prozent) oder die SPD(70 Prozent) gewählt haben. Wie zu erwarten, stimmen Wähler_innen dieser Parteien auch eher für die Aufnahme neuer Schulden(Linke: 14 Prozent; Grüne und SPD: je zwölf Prozent) und deutlich seltener für Ausgabenkürzungen(Grüne: zwölf Prozent; Linke: 16 Prozent; SPD: 18 Prozent). Immer noch mehrheitlich unterstützen die Wähler_innen der Unionsparteien(55 Prozent), der Freien Wähler(52 Prozent), anderer Parteien(51 Prozent) und diejenigen, die nicht bzw. ungültig gewählt haben(52 Prozent), Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen. Größere Diskrepanzen finden sich bei der Ablehnung bzw. Bejahung neuer Schulden: Während die Nicht-/UngültigWähler_innen zu 15 Prozent eine höhere Schuldenaufnahme wünschen, halten das unter den Wähler_innen der Freien Wähler nur sieben Prozent, unter denjenigen der Union zehn Prozent und unter denjenigen sonstiger Parteien neun Prozent für eine gute Idee – deren Präferenz liegt mit Werten zwischen 35 und 40 Prozent Zustimmung eher bei Ausgabenkürzungen. Unter den AfD-Wähler_innen befürworten 50 Prozent Ausgabenkürzungen, 45 Prozent sind dafür, Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen zu erhöhen, und nur fünf Prozent meinen, der Staat solle mehr Schulden aufnehmen. FDP-WÄHLER_INNEN HÄUFIGER FÜR NEUE SCHULDEN ALS WÄHLER_INNEN LINKER PARTEIEN Bemerkenswert ist das Antwortverhalten derjenigen, die angaben, bei der Bundestagswahl 2021 die FDP gewählt zu haben: Diese bejahen mehrheitlich Ausgabenkürzungen(54 Prozent), weniger als ein Drittel(30 Prozent) befürwortet eine Erhöhung der Steuer auf hohe Einkommen und Vermögen. 16 Prozent der FDP-Wähler_innen sind allerdings der Ansicht, der Staat solle mehr Schulden aufnehmen, was ein höherer Wert ist als bei den Wähler_innen der linken Parteien und dem von der FDP hochgehaltenen Mantra der Schuldenbegrenzung widerspricht. Finanzierungspräferenz nach Medienkonsum Deutliche Unterschiede lassen sich unter Einbezug des Medienkonsums feststellen: 61 Prozent der Befragten, die sich vor allem über öffentlich-rechtliche Medien, traditionelle Tages- oder Wochenzeitungen oder deren Internetangebote informieren, sind der Ansicht, der Staat solle die Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen erhöhen; in der Gegengruppe sind es 42 Prozent. Hier meinen 47 Prozent der Befragten, der Staat solle die Ausgaben kürzen, bei denjenigen mit öffentlich-rechtlichem Medienkonsum sind es nur 28 Prozent. Dasselbe Muster zeigt sich unter Einbezug der Vertrauensvariablen. Hohes Vertrauen und eine hohe Demokratiezufriedenheit ziehen eine vermehrte Bereitschaft nach sich, die Aufnahme von Schulden(wenn auch auf niedrigem Niveau) und Steuererhöhungen für hohe Einkommen und Vermögen gutzuheißen. Auch wer meint, künftigen Generationen werde es in Deutschland alles in allem wesentlich oder etwas besser gehen als heute, steht der Schuldenaufnahme positiver gegenüber(18 Prozent) und tritt seltener für Ausgabenkürzungen ein(25 Prozent) als jemand, der glaubt, künftigen Generationen werde es etwas oder wesentlich schlechter gehen(neun bzw. 33 Prozent). KLIMASCHUTZ Des Weiteren wollten wir von den Befragten wissen, wie sie zum Klimaschutz stehen. Am häufigsten stimmen sie der Ansicht zu, dieser dürfe bestehende soziale Ungleichheiten nicht verschärfen(85 Prozent). 76 PROZENT SIND ÜBERZEUGT: KLIMASCHUTZ IST DIE DRÄNGENDSTE AUFGABE DER MENSCHHEIT; 85 PROZENT SAGEN, KLIMASCHUTZ DÜRFE SOZIALE UNGLEICHHEIT NICHT VERSCHÄRFEN 76 Prozent bejahen voll und ganz oder eher, dass der Klimaschutz die wichtigste und drängendste Aufgabe der Menschheit sei, für die wir Einschnitte in anderen Bereichen in Kauf nehmen müssten. Die Aussage, beim Klimaschutz stehe die Industrie eher in der Pflicht als einzelne Verbraucher_innen, findet zu 73 Prozent Zustimmung. Am seltensten, aber immer noch mehrheitlich, wird die Ansicht geteilt, der Klimaschutz dürfe nur so betrieben werden, dass er nicht zu Nachteilen für einzelne Regionen oder Industriezweige führe(59 Prozent). Bei der Priorisierung des Klimaschutzes zeigen sich die größten Unterschiede im Antwortverhalten. Nur 38 Prozent derjenigen, die nach eigenen Angaben bei der Bundestagswahl 2021 die AfD gewählt haben, teilen die Ansicht, dieser sei die drängendste Aufgabe der Menschheit, während es bei den Grünen-Wähler_innen 96 Prozent sind – eine Diskrepanz von 58 Prozentpunkten. Bei den SPD-Wähler_innen stimmen 84 Prozent zu, bei den Linken-Wähler_innen 83 Prozent. Mit Werten zwischen 77(Union) und 66 Prozent(sonstige Parteien) folgen die Wähler_innen der übrigen Parteien. Berücksichtigt man die Vertrauensvariablen, sind Unterschiede im Antwortverhalten weniger beim allgemeinen und Zukunftsvertrauen erkennbar als beim Demokratieverständnis und Vertrauen in die politischen Institutionen. So stimmen diejenigen, die die Bürger_innen in regelmäßigen Volksentscheiden über Gesetze abstimmen lassen möchten, der Aussage deutlich weniger zu(67 Prozent) als jene, die das den gewählten Abgeordneten und Regierungsvertreter_innen überlassen wollen(86 Prozent) – eine Differenz von 19 Prozentpunkten. Dass Klimaschutz nicht auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit gehen sollte, bejahen alle gesellschaftlichen Gruppen Am geringsten sind die Antwortunterschiede beim Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit. Dass beides nicht gegeneinander ausgespielt werden sollte, sehen nicht nur alle Generationen ähnlich, sondern auch die Angehörigen aller sozialen Schichten. Unter denjenigen, die sich der Unter- bzw. Arbeiter_innenschicht zurechnen,
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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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