DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 51 die von der Coronakrise oder dem Krieg in der Ukraine profitieren, eine Sonderabgabe zahlen sollten. Etwas mehr als zwei Drittel(69 Prozent) sind der Meinung, dass mehr Homeoffice die gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern erleichtere, etwa in der Kinderbetreuung oder der Pflege. Die Aussage, der Staat müsse die Preise für Grund und Boden stärker regulieren, um der wachsenden sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken, die durch die steigenden Immobilienpreise entsteht, findet mit 69 Prozent ebenfalls große Zustimmung. Einzig die Meinung, Kindertageseinrichtungen sollten auch für Eltern mit hohen Einkommen gebührenfrei sein, wird mehrheitlich abgelehnt: Etwas über zwei Drittel(68 Prozent) stimmen diesem Vorschlag nicht zu, wobei bemerkenswert ist, dass Befragte die Antwortoption„stimme überhaupt nicht zu“ häufiger wählen(37 Prozent) als die Möglichkeit„stimme eher nicht zu“(31 Prozent). Das Thema Wohnen polarisiert am stärksten Am stärksten polarisiert sind die Wähler_innen beim Thema Wohnen. So votieren 78 Prozent der Befragten, die sich selbst der Unter- bzw. Arbeiter_innenschicht zurechnen, für eine stärkere Regulierung der Preise für Grund und Boden, während es von den sich der oberen Mitteloder Oberschicht zuordnenden Befragten nur 50 Prozent tun. Wähler_innen der Linken treten am häufigsten für eine Preisregulierung ein(81 Prozent), Wähler_innen der Unionsparteien und der FDP am seltensten(jeweils 55 Prozent). Die Wähler_innen der anderen Parteien befinden sich mit Werten von 72(Grüne) bis 79 Prozent (Freie Wähler) dazwischen. man die Parteipräferenz mit ein, findet die Forderung interessanterweise bei den FDP-Wähler_innen am meisten Anklang(75 Prozent), obwohl die Partei selbst einer Ausweitung der Homeoffice-Regelungen eher skeptisch gegenübersteht und sie einen entsprechenden Vorstoß von Arbeitsminister Hubertus Heil in der Bundesregierung im August 2022 blockiert hat. Am niedrigsten ist die Zustimmung mit 60 Prozent bei den AfD-Wähler_innen. Gebührenfreie Kitas für alle befürworten mehrheitlich nur die jüngeren Wähler_innen Bei den Kindertageseinrichtungen spielen die sozioökonomischen und parteipolitischen Unterschiede im Antwortverhalten kaum eine Rolle, der entscheidende Faktor ist hier das Alter. Während die 18- bis 34-Jährigen der Gebührenfreiheit für alle knapp mehrheitlich zustimmen (51 Prozent) und eine große Minderheit der 35- bis 49-Jährigen diese ebenfalls befürwortet(40 Prozent), votieren nur 25 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und 19 Prozent der über 65-Jährigen dafür. Die Differenz zwischen „Jungen“ und„Alten“ von 32 Prozentpunkten dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass die jüngeren Alterskohorten Kinder im Kita-Alter haben und von etwaigen Kosten deshalb direkt betroffen sind. Insgesamt unterstreichen die Befragungsergebnisse den Wunsch der Bevölkerung nach einem wirtschafts- und sozialpolitisch aktiveren Staat.„Aktiv“ bezieht sich dabei auf das regulatorische Eingreifen in das Marktgeschehen, das alle Items teilen. Am zweitstärksten sind die Diskrepanzen beim Homeoffice. Während 80 Prozent der sich als„ganz links“ Bezeichnenden dessen Ausweitung überwiegend Positives abgewinnen, ist es bei den sich als„ganz rechts“ Einstufenden nur eine knappe Mehrheit von 51 Prozent. Bezieht BEFRAGUNGSERGEBNISSE ZEIGEN: EIN AKTIVER STAAT WIRD GEWÜNSCHT Abbildung 39 REGULIERUNG VON GRUND UND BODEN nach subjektiver Schichtzuordnung(in%) 100 7 90 15,3 80 70 60 34,1 50 40 30 20 43,6 10 0 Unterschicht/Arbeiter_innenschicht 10,6 21,2 35 33,2 Mittelschicht 22 28,1 28,1 21,8 obere Mittelschicht/Oberschicht n= 2.288 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 stimme eher zu stimme eher nicht zu stimme voll und ganz zu stimme überhaupt nicht zu
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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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