Die wirtschaftliche Transformation von Rijeka von Nada Denona Bogović Die Makro-Region um die Stadt Rijeka büßte seit 1990 viele ihrer Vorzüge ein und braucht heute eine neue Entwicklungsstrategie Die Entwicklung Rijekas und der mit der Stadt verbundenen Region seit Mitte des 19. Jahrhunderts kann in vier Zeitabschnitte eingeteilt werden. In der ersten Periode, von 1850 bis 1919, verzeichnete Rijeka ein bedeutendes wirtschaftliches und demographisches Wachstum, vor allem dank der Entwicklung von Industrie, Schiffahrt und Handel. In der Zeit der italienischen Okkupation Rijekas zwischen 1921 und 1945 fiel die Stadt wirtschaftlich zurück. In der dritten Periode, der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990, machte Rijeka einen großen Entwicklungssprung. Dies vor allem durch den Ausbau von bedeutenden Produktionsund Transportkapazitäten – der Schiffswerft, des Hafens, der petrochemischen Industrie, aber auch durch die Entwicklung der Universität. Diverse Indikatoren der ökonomischen Entwicklung sowie Messgrößen für die Stärke der lokalen Wirtschaft(Bruttosozialprodukt, Beschäftigung, Arbeitsproduktivität, Investitionen, Bildungsstruktur der Bevölkerung) belegen, dass Rijeka weit über dem nationalen Durchschnitt rangierte. In der vierten Periode, der Zeit nach 1990, sind in der Stadt erneut negative Entwicklungstrends zu verzeichnen. Außer in den Jahren von 1990 bis 1995, die wegen des Krieges in Kroatien und der Privatisierungen der Wirtschaft nicht repräsentativ sind, entwickelte sich die Wirtschaft in Rijeka langsamer als in anderen Teilen Kroatiens. Entwicklungstendenzen der lokalen und regionalen Wirtschaft Eine Studie der Universität Rijeka über die wirtschaftliche Dynamik der Stadt Rijeka in der Zeit von 1995 bis 2010 zeigt, dass die Stadt mit Strukturproblemen konfrontiert ist. Die Wirtschaftsaktivitäten stagnieren oder gehen zurück und die lokalen Potenziale werden nicht adäquat genuzt. Anders als in anderen Teilen Kroatiens kam es zu einer langfristigen Verlangsamung des Wachstums. Während im Jahr 1995 das Pro-Kopf-BSP in Rijeka um 88% höher war als der nationale Durchschnitt, betrug 2009 dieser Vorsprung nur noch 13%. Weitere Indikatoren für diese Periode wie Umsätze, Gewinne, Investitionen, Arbeitsproduktivität und Beschäftigung signalisieren ebenfalls einen Rückgang. Offensichtlich hat die Wirtschaft von Rijeka schon seit geraumer Zeit ernsthafte Entwicklungsprobleme und dies wirkt auf das gesamte Umland zurück. Rijeka ist mit Strukturproblemen konfrontiert, die nur durch ein ausbalanciertes Entwicklungsmodell überwunden werden können Die wichtigste wirtschaftliche Aktivität in Rijeka ist heute der Handel: Seine seit längerer Zeit dominante Rolle in der Wirtschaft der Stadt ist einer der Gründe für ihre Entwicklungsschwäche. Die verfügbare Fläche von Einkaufszentren im Verhältnis zur Zahl der Einwohner ist 13% größer als in Zagreb und 2,5 Mal größer als im kroatischen Durchschnitt. Im Handel ist eine große Zahl von Arbeitskräften mit niedriger Qualifikation beschäftigt; ihr Beitrag zur Wertschöpfung der lokalen Wirtschaft ist relativ gering. Wenn die lokal verfügbaren Potenziale, vor allem die arbeitslosen Personen mit Hochschulausbildung, optimal genutzt werden sollen, kann der Handel nicht die Grundlage einer zukünftigen Entwicklung sein. Die einst so wichtige verarbeitende Industrie in Rijeka ist hinsichtlich ihrer ökonomischen Bedeutung auf den fünften Platz zurückgefallen, weil in den letzten zwei Dekaden viele Unternehmen schlossen und viele Arbeitsplätze verloren gingen. Die Deindustrialisierung wurde durch andere wirtschaftliche Tätigkeiten leider nicht adäquat kompensiert. MATULJI OPATIJA LOVRAN MOŠĆENIČKA DRAGA RIJEKA BAKAR KRALJEVICA DELNICE LOKVE FUŽINE PLOMIN RABAC POROZINA OMIŠALJ MALINSKA Krk CRIKVENICA SELCE NOVI VINODOLSKI KRK CRES BAŠKA SENJ Cres Entwicklungspotenziale der Stadt Rijeka Die Stadt Rijeka braucht einen Entwicklungsschub, der aus einer Entwicklungspolitik resultieren sollte, weil sonst entweder die Stagnation weitergeht oder die Wirtschaft weiter schrumpfen wird. Die Wirtschaftspolitik, die die künftige Entwicklung ermöglichen soll, muss sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene ansetzen. Ein Bereich, der für Rijeka in Zukunft von großer Bedeutung sein könnte, ist der Energiesektor. Investitionen wie das Flüssiggasterminal auf der Insel Krk oder neue Kraftwerke könnten mehrfach positive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft haben. Natürlich sind neben wirtschaftlichen Effekten auch die sozialen und ökologischen Folgen von Investitionsprojekten zu berücksichtigen. Deswegen braucht Rijeka ein ausbalanciertes Entwicklungsmodell, das vor allem die kumulierten und komparativen Vorteile der Stadt und der Region nutzt. Dies sind insbesondere alle Wirtschaftstätigkeiten in Verbindung mit dem Hafen und Gütertransport, dem Schiffbau, aber auch eine mögliche Reindustrialisierung durch Aufbau neuer Produktionskapazitäten, gestützt auf neue umweltverträgliche Technologien und die Beschäftigung von hochausgebildeten Arbeitskräften. Rab Nada Denona Bogović i st ordentliche Professorin an der Ökonomischen Fakultät der Universität in Rijeka 2
Heft
(2013) 18
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