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Industriepolitik braucht Strategiefähigkeit - vor welchen Herausforderungen steht Baden-Württemberg?
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geben sollen und nicht ständig verändert werden sollten. Auf operativer Ebene des Instrumenteneinsatzes hingegen heißt das, wirksame Instrumente beizubehalten und zu ver­stärken oder neue Instrumente einzuführen, wenn strategi­sche Ziele bisher nicht erreicht worden sind(Weber et al. 2021). (5) Rechenschaftspflicht wahrnehmen: Transparente Ziel­setzungen, Wirkungsanalysen und öffentlich nachvollzieh­bare Evaluationsmechanismen schaffen Legitimität und ermöglichen Kurskorrekturen. Ohne Rechenschaftspflicht drohen ineffektive Strukturen und der Verlust öffentlicher Unterstützung(Criscuolo et al. 2022; Rodrik 2009). Analytische Schritte für eine industrie­politische Strategie Wie können nun aber diese fünf Prinzipien auf der Landes­ebene realisiert werden? Denn einerseits stellen Handel, Steuerpolitik oder Regulierung deutsche oder europäische Politikfelder dar. Andererseits fehlt diesen Ebenen oft der Fokus auf die lokalen Herausforderungen und Auswirkun­gen von Industriepolitik, sodass nicht nur die Strategiefä­higkeit auch auf der Landes- und der regionalen Ebene ge­stärkt werden muss, sondern Länderstrategien ebenfalls Teil eines umfassenden industriepolitischen Diskurses in Deutschland und Europa sein müssen. Gerade der Föderalismus der Bundes­republik ermöglicht der Landesebene mit eigenen Budgets und Instrumenten viele Handlungsoptionen für eigene industriepolitische Akzente. Dabei betrifft eine solche Strategiefähigkeit nicht allein Politik und Verwaltung, sondern gleichzeitig die Sozialpartner, die Wissenschaft und die Zivilgesell­schaft, denn auch wenn Politik das Gemeinwohl bei Entschei­dungen im Blick haben muss, braucht es gemeinsame Leit­bilder als Orientierung und konzertierte Aktionen bei Indus­triepolitik. Eine industriepolitische Strategie entwickelt sich besten­falls aus zwei Perspektiven: horizontal und vertikal (Criscuolo et al. 2022). Zum einen betrachtet man mit der horizontalen Perspektive die Industrie als Ganzes, um zu verstehen, wie es um die Leistungsfähigkeit der Unterneh­mensstrukturen, des Arbeitskräftepotenzials, des Ausbil­dungssystems oder des Innovationssystems eines Landes bzw. einer Region bestellt ist. Zum anderen fokussiert sich die vertikale Perspektive auf spezifische Sektoren, Technologien oder Unternehmen, um deren Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft zu ana­lysieren. Betrachtet man zum Beispiel statistisch das Verar­beitende Gewerbe, so lässt sich dieses nach seinen Erzeug­nissen in unterschiedliche Sektoren ordnen, von der Her­stellung pharmazeutischer Erzeugnisse über Gummi- und Kunststoffwaren bis hin zu Metallerzeugnissen. Die jeweili­gen Sektoren sind in unterschiedlicher Weise abhängig vom Zugang zu Ressourcen und Energie sowie vom Absatz in unterschiedliche Märkte. Für beides, die Schaffung not­wendiger Infrastrukturen bis hin zur Mobilisierung interna­tionaler Märkte, braucht es politische Strategien. Darüber hinaus spielen jedoch zusätzlich Technologien eine wichti­ge Rolle in der Industriepolitik, wenn es um Transformatio­nen der Industrie geht. Schlüsseltechnologien stärken sek­torübergreifend Produktionspotenziale, zum Beispiel durch die Automatisierung mittels künstlicher Intelligenz. Außer­dem können einzelne Technologien bestimmte Sektoren grundlegend transformieren, wie batterie-elektrische Fahr­zeuge oder Wärmepumpen. Außerdem können auf der Basis neuer Technologien neue Wertschöpfungszweige ent­stehen wie die Wasserstoffwirtschaft oder die Kreislauf­wirtschaft. Um auf vertikaler Ebene strategiefähig zu werden, müssen die Kernbereiche einer Volkswirtschaft identifiziert werden, die bisher durch ihre Wettbewerbsfähigkeit Wohlstand ge­sichert haben, zum Beispiel durch einen großen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt oder gute Arbeitsplätze. Ausge­hend von diesen Kernbereichen stellt sich aufgrund des transformativen Drucks und der geopolitischen Dynamik die Frage, welche der Kernbereiche auch künftig wichtig bleiben und Zukunftsbereiche werden. Gegebenenfalls können weitere, neue Zukunftsbereiche dazukommen und bestehende Kernbereiche müssen ab­gebaut werden sowie damit verbunde­ne soziale Auswirkungen abgefedert und Arbeitskräfte sozialverträglich hin zu neuen Industrien geleitet werden. Aber abgesehen von Industriestrategien zur Schaffung wettbewerbsfähiger und Wohlstand bringender Wirt­schaftszweige wirft die Abkehr von möglichst freien globa­len Märkten die Diskussion auf, welche industriellen Berei­che strategisch gefördert werden sollten, um die Resilienz der Industrie zu stärken(Gereffi et al. 2025). Welche Berei ­che sollten wir bewahren und ausbauen, nicht weil wir da­mit absehbar international wettbewerbsfähig sein können, sondern um ein notwendiges Maß an Unabhängigkeit von geopolitischen Gegenspielern zu erreichen? Dazu zählt mittlerweile nicht nur China oder Russland, sondern auch die USA unter der Trump-Administration. Zu diesen Resili­enzbereichen , die unsere Unabhängigkeit und Souveränität wahren sollen, kann zum Beispiel die Stahlindustrie, um bestehende Kompetenzen zu erhalten und im Falle eines Ausfalls von Importen die Stahlerzeugung schnell wieder stärken zu können. Allerdings hier und bei den Resilienzbe­reichen allgemein die Fragen: Wie groß muss eine Industrie als Resilienzbereich sein? Welches Kontingent sollte sie Blickwinkel BaWü Industriepolitik braucht Strategiefähigkeit 3