Die Entwicklung der Ausgaben für soziale Leistungen setzt sich aus zwei sich unterschiedlich entwickelnden Komponenten zusammen: Einerseits ist ein deutlich über proportionales dauerhaftes Wachstum derjenigen Sozialausgaben, die nicht konjunkturabhängig sind bzw. an Flüchtlingsbewegungen anknüpfen, zu beobachten. Dies betrifft insbesondere die Kinder- und Jugendhilfe, die Eingliederungshilfe, die Hilfe zur Pflege, die Grundsicherung im Alter und die Hilfe zum Lebensunterhalt. Davon zu unterscheiden sind andererseits die kommunalen Ausgaben für soziale Leistungen, die besonders deutlich auf krisenund konjunkturabhängige Sonderentwicklungen reagieren. Dies sind auf kommunaler Ebene insbesondere die Kosten der Unterkunft und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Anstieg der Sozialausgaben ist insbesondere auf die hohe Ausgabendynamik des ersten Blocks, der rund zwei Drittel der kommunalen Ausgaben für soziale Leistungen ausmacht, zurückzuführen. Auch für die kommenden Jahre muss deswegen von einem überproportionalen Wachstum der Ausgaben für soziale Leistungen ausgegangen werden. Die Ausgaben für soziale Leistungen sind in Baden-Würt tembergs Kommunen – trotz eines recht stabilen Arbeitsmarktes – im vergangenen Jahr um 11,9%(bundesweit 11,7%) gestiegen. Haupttreiber waren Kinder- und Jugend hilfe nach SGB VIII, die Ausgaben für Eingliederungshilfen nach dem SGB IX und die Leistungen der Sozialhilfe nach dem SGB XII. Das Wachstum der Personalausgaben ist durch die jüngs ten Tarifabschlüsse geprägt. Zugleich werden die Kommu nen gezwungen, trotz eigener Digitalisierungsanstrengungen ihren Personalkörper so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. 7 Die Personalausgaben der baden-württembergi schen Kommunen sind um 10,2%(bundesweit 8,9%) gestiegen – auch im„Ländle“ ist dies nicht nur eine Folge der Tarifanpassungen, sondern auch eine Folge zusätzlicher Personalbedarfe aufgrund der immer aufwendiger gewordenen Aufgabenanforderungen und Verwaltungsvor schriften. Diese machen mühsam erzielte Digitalisierungs gewinne zunichte. 8 Auf der Einnahmenseite waren die kommunalen Haushalte in Baden-Württemberg mit einem negativen Verlauf kon frontiert: Die Steuereinnahmen sanken um 2,1%(bundes weit plus 1,5%), die Erstattungen und laufende Zuweisun gen vom Land stiegen um 3,7%. Die Schlüsselzuweisungen vom Land stiegen um 4,8%. Unterm Strich stand einer Zu nahme von 2,7%(bundesweit 3,5%) der Einnahmen eine deutlich größere Zunahme um 9,5%(bundesweit 8,8%) der Ausgaben gegenüber. Unterm Strich fällt mit Blick auf die bundesweiten Einnahmen und Ausgaben der Kommunen auf, dass sowohl die Einnahmen wie auch die Ausgaben eine kontinuierliche Steigung zeigen. Die Steuern stiegen von 2015 bis 2023 um 55%, die Personalausgaben um 51% und Sozialausgaben um 42%. An den positiven Finanzierungssalden zeigt sich, dass steigende Ausgaben insofern kein tiefgreifendes Problem darstellen, wenn die Einnahmen mindestens in gleichem Maße steigen. Das Problem entsteht, wenn die Ausgaben dynamischer steigen als die Einnahmen. Die baden-württembergischen Zahlen unterscheiden sich zum Teil erheblich von den bundesweiten Zahlen. Die Steuern stiegen um 56%, die Personalausgaben wie bundes weit um 51%, aber die Sozialausgaben deutlich stärker als der bundesweite Trend um 55%. Die nächste Abbildung zeigt eindeutig, dass der – sich in Baden-Württemberg be reits im Jahr 2023 andeutende – verstärkte Anstieg der So zialausgaben auch bundesweit deutlich an Dynamik gewinnt. Kommunale Einnahmen- und Ausgabendynamik 9 160% Abb. 2 150% 140% 130% --steuern und steuerähnliche Einnahmen -soziale Leistungen ........ Personalausgaben 120% 110% 100% 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Blickwinkel BaWü – Kommunale Finanzkrise 3
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Kommunale Finanzkrise - nun auch flächendeckend in Baden-Württemberg
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