Anne Krins Gemeinschaftliche Wohnprojekte Immer mehr Menschen in Großstädten, aber auch in Mittel- und Kleinstädten entdecken gemeinschaftliche Wohnprojekte für sich. Auch Kommunen setzen zunehmend auf diese Wohnform, da sie Antworten auf drängende gesellschaftliche Herausforderungen bietet. Denn Gemeinschaftliche Wohnprojekte schaffen langfristig bezahlbaren Wohnraum, bieten Lösungsansätze für den demografischen Wandel und bringen neues Leben in Ortskerne. Sie verbinden individuelle Bedürfnisse mit gemeinschaftlichem Engagement und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und sozialen Entwicklung von Städten und Gemeinden. Gemeinschaftliche Wohnprojekte – Mehr als Wohnen Gemeinschaftliche Wohnprojekte werden von den Wohnenden selbst initiiert. In Selbstorganisation verwirklichen sie ihre Vorstellungen vom Wohnen und Zusammenleben. Sie bündeln Ideen und Ressourcen, um bestimmte Bereiche des Lebens räumlich und zeitlich miteinander zu teilen. Ein Wohnprojekt umzusetzen, ist ein komplexer Prozess mit vielen Beteiligten. Auf dem Weg von der ersten Idee bis zum Bezug müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Ist das Grundstück bzw. die Immobilie gefunden, werden Expert_innen für das Planen und Bauen des Gebäudes beauftragt. Als Partnerin wird eine finanzierende Bank benötigt. Gegebenenfalls werden Förderungen für sozialen Wohnungsbau oder ökologisches Bauen in Anspruch genommen. Für diese gilt es, Rahmenbedingungen einzuhalten und umzusetzen. Weitere Verpflichtungen können aus dem Erwerb des Grundstückes oder Gebäudes kommen. Dabei gilt es, das ursprüngliche Konzept, das Ziel der Gruppe weiterhin im Auge zu behalten. Da die Bauwilligen selbst das Projekt bewohnen werden, investieren sie gezielt in bauliche Qualitäten und behalten gleichzeitig die Betriebs- und Erhaltungskosten im Blick. So entstehen häufig nachhaltige Architekturen mit innovativen Energie- und Mobilitätskonzepten. Auch das spätere Zusammenleben wird von Anfang an mitgedacht: Flexible oder geteilte Räume wie Gemeinschaftsräume, Gärten oder Gästeappartements können bereits in der Planungsphase integriert werden. Ein ausgezeichnetes Beispiel ist das Gebäude„San Riemo“ der Kooperative Grossstadt eG in München Riem. Hier ermöglichen sogenannte„Treppenzimmer“ besonders flexible und anpassbare Grundrisse. Seit der Fertigstellung im Jahr 2020 hat sich das Konzept bewährt: Mindestens ein Zimmer konnte bereits die Wohnungszugehörigkeit wechseln. Während eine Familie das Zimmer nicht mehr benötigte, konnte der Nachbarhaushalt das zusätzliche Zimmer aufgrund von Nachwuchs gut gebrauchen. Solche Ansätze zeigen, dass einzelne Bewohner_innen oft mehr Wohnqualität genießen können, wenn sie zugunsten gemeinschaftlich effektiver Flächennutzungen auf individuelle Wohnfläche verzichten. Das reduziert die Versiegelung, fördert flächensparendes Bauen und schafft bezahlbaren Wohnraum, der gleichzeitig zukunftsfähig und nachhaltig ist. Impuls für die Kommune Durch den intensiven Planungsprozess setzen sich die Beteiligten mit dem Ort an sich auseinander und strahlen positiv in die Nachbarschaft aus. Sie werden zu wichtigen Impulsgeber_innen für die Entwicklung von Neubaugebieten oder die Revitalisierung von Ortskernen. Denn einheimische Initiativen bringen sich aus Überzeugung in die Ortsentwicklung ein und leisten ihren Beitrag zu einem funktionierenden Miteinander in der Gemeinde. Sie befördern kleinteilige gewerbliche, soziale und kulturelle Nutzungen und zeichnen sich durch eine gemischte Bewohner_innenstruktur aus. Familien, Paare, Senior_innen und Singles leben unter einem Dach – alle für sich und doch gemeinsam. In München zeigen Neubaugebiete wie der Prinz-EugenPark, der Domagkpark oder der Ackermannbogen, wie lebendige Nachbarschaften entstehen können. Besonders der Prinz-Eugen-Park beeindruckt mit seiner aktiven Gemeinschaft, die von der Quartiersgenossenschaft GeQo eG unterstützt wird. Diese wird von den Bewohner_innen selbst getragen und stärkt das nachbarschaftliche Leben vor Ort. Auch im ländlichen Raum gibt es inspirierende Beispiele: Die Sanierung und Erweiterung des denkmalgeschützten „Alten Pfarrhofs“ in Windach durch die MARO eG zeigt, wie historische Bausubstanz modern genutzt werden kann. Ebenso setzt die Baugemeinschaft„Quartier“ in Garmisch Maßstäbe für gemeinschaftliches und nachhaltiges Wohnen. Solche Projekte sind Beispiele dafür, wie Gemeinschaft und Vielfalt eine lebendige Ortsentwicklung ermöglichen. Gemeinschaftliche Wohnprojekte 13
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Schaffung von bezahlbarem Wohnraum : Perspektiven und Lösungsstrategien für Kommunen
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