Entfremdung vom parteipolitischen Mainstream Soziale Verzerrung, wirtschaftliche Krisenwahrnehmung und mangelnde politische Repräsentation wirken als begünstigende Faktoren für die Strategie der Rechtspopulisten. Diese besteht im Kern darin, eine mögliche eigene Regierungsbeteiligung langfristig dadurch vorzubereiten, dass rechte Positionen zunächst im„vorpolitischen Raum“ und schließlich im politischen Mainstream etabliert werden. In Anlehnung an den kommunistischen Theoretiker Antonio Gramsci entwickelte die äußerste Rechte schon in den 1960er Jahren ein eigenes Konzept der„Metapolitik“, dessen Ziel es ist, kulturelle Hegemonie von der politischen Linken zurückzuerobern. Das geschieht etwa durch eigene Medien(hierzu gehören später auch digitale Plattformen) und das Ersetzen stigmatisierter Begriffe durch neue, weniger umstrittene, wobei die Bedeutung dieselbe bleibt(Lewandowsky 2025: 46-52). Beispiele hierfür sind etwa„Remigration“ statt„Abschiebung“ oder„Deportation“, wobei man durchaus zu den ursprünglichen Begriffen zurückkehren kann, wenn die Etablierung im Mainstream einmal vollzogen ist – etwa dann, wenn AfD-Politiker:innen von„Abschiebeoffensive“ sprechen. Ein wichtiger Teil der neurechten Strategie ist es, nicht nur bestimmte Themen nach vorn zu stellen – etwa Migration –, sondern jedes mögliche Thema mit einem Grundkonflikt aufzuladen, der Ressentiments gegen das vermeintlich abgehobene politische Establishment mobilisiert(Kumkar 2025). Die„herrschenden Parteien“ werden dabei nicht, wie in Negativkampagnen üblich, kritisiert, sondern delegitimiert, als unfähig, abgehoben, desinteressiert an den Bedürfnissen der„einfachen Leute“ dargestellt. Dieses populistische Element, das die zeitgenössischen rechtsradikalen Parteien kennzeichnet, funktioniert, weil über das Mittel der „Politikerschelte“ die Krisenwahrnehmung vieler Menschen auf ein Feindbild projiziert wird. Und weil zudem der Großteil der den Rechtspopulisten zugeneigten Wähler:innen Bewertung der Demokratie in Deutschland andere Wähler*innen .2 AfD-Wähler*innen Abb. 3 .15 .1 .05 0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Anmerkung: 0= überhaupt nicht demokratisch; 11= ganz und gar demokratisch. Quelle: eigene Darstellung basierend auf GLES 2025. Parteien im Stresstest 9
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Parteien im Stresstest : empirische Befunde und strategische Überlegungen zum Umgang der Parteien mit dem Rechtspopulismus
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