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Alltag als Maßstab : geschlechtergerechte Stadtentwicklung in Baden-Württemberg
Entstehung
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5. Was Kommunen konkret tun können Geschlechtergerechte Stadtentwicklung erfordert nicht in erster Linie neue Sonderprogramme. Entscheidend ist, bei ohnehin anstehenden Investitionen und Planungen die richtigen Fragen zu stellen. Erstens: den Alltag zum Ausgangspunkt machen Bei einem neuen Wohngebiet sollte nicht nur berechnet werden, wie viele Wohneinheiten und Stellplätze entste­hen. Ebenso wichtig ist, wie Kinder zur Schule gelangen, wo ältere Menschen einkaufen können, wie Sorgewege organisiert werden und welche Angebote auch ohne eige­nes Auto erreichbar sind. Zweitens: Ziele früh festlegen Geschlechtergerechte Kriterien sollten bereits in kommu­nalen Leitbildern, Entwicklungskonzepten, Wettbewerben, Ausschreibungen und Förderanträgen enthalten sein. Werden sie erst am Ende eines Planungsprozesses geprüft, sind grundlegende Entscheidungen meist kaum noch ver­änderbar. Drittens: Zuständigkeiten verbinden Mobilität, Wohnen, Wirtschaftsförderung, kommunale Daseinsvorsorge, Klimaanpassung und Freiraumplanung greifen im Alltag ineinander. Kommunale Verwaltungs­strukturen behandeln sie jedoch häufig getrennt. Inte­grierte Arbeitsformen und gemeinsame Zielsetzungen können verhindern, dass beispielsweise neue Wohnungen entstehen, ohne dass Betreuung, Versorgung und Mobilität mitgedacht wurden. Viertens: vielfältige Alltagserfahrungen einbeziehen Die Menschen, deren Perspektiven für eine Planung beson­ders wichtig wären, fehlen häufig in klassischen Beteili­gungsveranstaltungen. Wer kleine Kinder betreut, im Schichtdienst arbeitet, mobilitätseingeschränkt ist oder wenig Vertrauen in politische Verfahren hat, nimmt an einer mehrstündigen Abendveranstaltung möglicherweise nicht teil. Aufsuchende Formate, Ortsbegehungen, Gespräche mit bestehenden Gruppen, Kinderbetreuung und geeignete Veranstaltungszeiten können Beteiligung zugänglicher machen. 6. Fazit: Alltagstaugliche Kommunen sind zukunftsfähige Kommunen Baden-Württemberg steht vor tiefgreifenden Veränderun­gen. Die Gesellschaft wird älter, Ortskerne verlieren Funk­tionen, Wohnraum ist vielerorts knapp, kommunale Haus­halte stehen unter Druck und die Folgen des Klimawandels erhöhen die Anforderungen an öffentliche Räume und Infrastruktur. Gerade unter diesen Bedingungen ist geschlechtergerechte Stadtentwicklung keine weitere Anforderung, die zu den ohnehin vielfältigen Aufgaben der Kommunalpolitik hinzukommt. Sie ist vielmehr eine Voraussetzung dafür, den Wandel sozial gerecht zu gestal­ten und Teilhabe, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Sie hilft Kommunen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und knappe Ressourcen zielgerichteter und zukunftsfähiger ein­zusetzen. Ein sicherer Gehweg nützt nicht nur Frauen, son­dern auch Kindern, älteren Menschen und Personen mit Behinderung. Eine kleinere, barrierearme Wohnung im Ortskern kann einer älteren Bewohnerin den Umzug er­möglichen und zugleich ein Einfamilienhaus für eine Fa­milie frei machen. Ein begrünter Platz mit Sitzgelegen­heiten bietet Schutz vor Hitze und schafft einen Ort der Begegnung. Eine bessere Busverbindung erleichtert Sorge­arbeit, stärkt Teilhabe und kann die Abhängigkeit vom Auto reduzieren. Geschlechtergerechte Stadtentwicklung bedeutet daher nicht, für jede gesellschaftliche Gruppe eine eigene Stadt zu planen. Sie bedeutet, genauer hinzusehen: Wer kann vorhandene Angebote nutzen? Wer ist von anderen abhän­gig? Wer trägt zusätzliche Zeit-, Kosten- oder Sicherheitsri­siken? Und wie können kommunale Entscheidungen so getroffen werden, dass mehr Menschen ihren Alltag selbst­ständig gestalten und gleichberechtigt am gesellschaftli­chen Leben teilhaben können? Eine sozial gerechte und nachhaltige Transformation be­ginnt dort, wo kommunale Politik die Lebensrealitäten der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Alltag ist dafür der beste Maßstab. Denn ob eine Stadt oder Gemeinde gut ge­plant ist, zeigt sich nicht auf dem Lageplan, sondern auf dem Weg zur Kita, zum Einkauf, zur Arbeit, zur Freundin oder zum nächsten Arzttermin. Blickwinkel BaWü Alltag als Maßstab: Geschlechtergerechte Stadtentwicklung in Baden-Württemberg 5