20. Februar 2002 Friedrich-Ebert-Stiftung, Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts von Manfred Haack, Friedrich-Ebert-Stiftung Indien, und Gunter Lehrke, Friedrich-Ebert-Stiftung Pakistan • Der 11. September und seine Folgen haben das politische Koordinatensystem Südasiens grundlegend verändert. • Nach dem Attentat auf das Parlament von Jammu und Kaschmir sieht Indien sich als Opfer des internationalen Terrorismus. • Indien rückt den Anschlag auf das Parlament in Delhi in die Nähe des 11. September und versucht auf diese Weise, die Verschärfung des Konflikts mit Pakistan zu legitimieren. • Sowohl für Indien als auch für Pakistan spiegelt sich in Kaschmir ein Teil der politischen Identität. Es ist Ausdruck der Spannweite des säkularen Föderalismus Indiens bzw. Cornerstone des muslimischen Staates Pakistan. • Kaschmir ist Vehikel eines zum Fundamentalkonflikt aufgetriebenen Gegensatzes. Daher fehlt der politische Wille zur einfachen Konfliktlösung. • Die Verhärtung der indischen Haltung geht auf einen ideologisch motivierten Paradigmenwechsel in der Regierungskoalition von Premierminister Vajpayee zurück. • Die Kosten-Nutzen-Rechnung der militärisch sinnlosen und politisch fruchtlosen Eskalation des Konflikts ist verheerend. • Nachdem beide Kontrahenten sich aus ihrer politischen Zwangslage offenbar nicht mehr eigenständig befreien können, erscheint eine von außen aufgezwungene Vermittlung unvermeidlich. Die Folgen des 11. Septembers Nach dem Attentat auf das World Trade Centre in New York ist es weltweit und besonders in Asien zu politischen Positionswechseln gekommen, die das Koordinatensystem der südasiatischen Politik grundlegend verändert haben. Die indische Regierung hatte mit der umgehend erklärten, in der Öffentlichkeit freilich nicht unumstrittenen Bereitschaft, der amerikanisch geführten Anti-TerrorismusKoalition beizutreten, erfüllt, was sie der strategischen Partnerschaft mit den USA schuldig zu sein glaubte. Parallel zu der ernüchternden Erfahrung, dass konkrete Angebote von Basen, Flugplätzen und Überflugrechten in Washington mit höflichem Desinteresse quittiert wurden, musste die politische Klasse Indiens allerdings mit ansehen, wie es Pakistan mit einem fulminanten Drahtseilakt seines Militärpräsidenten gelang, das Stigma eines rogue state abzuschütteln und zum Schlüsselpartner der amerikanischen Afghanistan-Kampagne aufzusteigen. Pakistan hat in der Situation mehr getan als über den eigenen Schatten zu springen. Musharraf hat sich zum Politikwechsel gegenüber Afghanistan und im eigenen Lande entschlossen – zunächst auch auf die Gefahr hin, sein Land in bürgerkriegsähnliche Zustände zu versetzen. Die Optimisten in Pakistan haben schließlich Recht behalten; eine große Solidaritätswelle für die Taliban hat es - 1-
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