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Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts
Entstehung
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Friedrich-Ebert-Stiftung, Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts einer unverzeihlichen Verspätung, wie man­che meinen die Schlinge um dieJihad"­Gruppen im Lande enger gezogen, indem sie Maulana Masood Azhar, Hafiz Mohammad Saeed und rund 100 ihrer Anhänger verhaf­tete. Beide sind die Köpfe der aktivsten Gruppen derFreiheitskämpfer für Kasch­mir", der Jaish-e-Mohammad(Kämpfer Mohammeds) und der Lashkar-e-Taiba (Truppe der Gerechten). Die rund einhundert Festgenommenen hielten sich in verschiede­nen Teilen Pakistans auf, und ihre Büros in Städten wie Karatschi, Islamabad, Multan, Bahawalpur, Rahim Yar Khan und Sukkur wurden in den letzten Tagen des alten Jahres geschlossen und versiegelt. Um die beiden Bewegungen ist es danach ruhig geworden, nicht verhaftete Mitglieder sind abgetaucht. Im Zuge der internationalen Anti-Terror­Kampagne nach dem 11. September ver­folgt das Regime die Jihadis in Pakistan so­wie islamistische Parteien. Es tut dies aber erst nach dem Anschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember und den ern­sten Spannungen mit dem großen Nachbar mit der notwendigen Härte. Nun warfen die Jihadis und islamistischen Parteien Mushar­raf vor, von dem für Pakistan seit 53 Jahren geltenden Standpunkt in Bezug auf Kasch­mir abzurücken. Diese Furcht wurde beson­ders durch die Ankündigung des pakistani­schen Außenministers Abdul Sattar genährt, Festgenommene dieser Gruppen könnten an die internationale Koalition gegen den Ter­ror ausgeliefert werden. Der Staatspräsident, General Pervez Mus­harraf, hatte von Anfang seiner Regierungs­zeit an immer wieder erklärt, er werde nicht zulassen, dass Jihadis seinem Regime Pro­bleme machen. Während seiner gesamten Regierungszeit gab es immer wieder wenn auch halbherzige Versuche, islamistischen Gruppen und deren Kämpfern das Handwerk zu legen. Der Innenminister, Moinuddin Haider, beschloss zu Beginn des Jahres 2001, die Jihadi-Gruppen, die Terroristen Unterschlupf gewähren, zu zerschlagen. Ih­nen wurde verboten, Geld für ihre Sache zu sammeln, und man beschlagnahmte Waffen bei ihnen. Öffentliche Auftritte und Pres­seerklärungen von Vertretern dieser Grup­pen wurden untersagt. Nachdem Musharraf nach dem 11. Septem­ber beschlossen hatte, die amerikanischen Aktionen gegen die Taliban in Afghanistan zu unterstützen, begann ein strikteres Vor­gehen gegen die islamistischen Kampfgrup­pen. Als erstes wurde das Büro der relativ kleinen Taliban-nahen Organisation Harkate Jehade Islami in Lahore geschlossen und die Mitarbeiter verhaftet. Dann folgte das Ver­bot der Harkat ul Mujahedin und das Ein­frieren ihrer Bankkonten. Kurz darauf wur­den die Jaish-e-Mohammad und die Lashkar-e-Taiba zu Terroristen erklärt. Ihre Konten wurden dem Zugang verschlossen. Dies hat in der öffentlichen Meinung Paki­stans zu dem Eindruck geführt, dass Präsi­dent Muscharraf den Freiheitskampf der Kaschmirer geschwächt habe. Damit ist er in eine schwierige Position geraten, weil wohl die überwältigende Mehrheit der Bevölke­rung den Kampf und die Kämpfer für ein unabhängiges Kaschmir unterstützt. Deshalb kann es sich der Präsident nicht erlauben, von der alten Position Pakistans abzurücken, die ein Plebiszit der Kaschmirer fordert. Eine immer offene Frage in Pakistan ist die, welche Rolle der militärische Geheimdienst ISI(Inter Services Intelligence) spielt, und wie weit Musharraf ihn im Griff hat. Dieser hat zwar den Chef des ISI ausgewechselt, dennoch besteht der Eindruck fort, dass die­ser Dienst weiterhin durch seine gefestigten internen Strukturen und starke islamistische Kräfte ein Eigenleben führt, das sich jegli­cher Kontrolle entzieht. Der ISI hat die Tali­ban gefördert und personell wie materiell unterstützt und ist auch an den Kämpfen im indischen Kaschmir beteiligt. Musharraf hat es zwar geschafft, das internationale Image seines Landes nach dem 11. September deutlich zu verbessern, muss sich aber wei­terhin Zweifel an seiner Vertrauenswürdig­keit gefallen lassen, solange es ihm nicht gelingt, einerseits den Jihadi-Sumpf trok­kenzulegen und andererseits für Transparenz hinsichtlich des ISI zu sorgen. An der Errei­- 5-