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Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts
Entstehung
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Friedrich-Ebert-Stiftung, Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts chung des letzteren wird in Pakistan sehr gezweifelt. Am Samstag, dem 12. Januar, hielt Mushar­raf im nationalen Fernsehen seine mit Span­nung erwartete Rede an die Nation, in der er das Verbot weiterer fünf islamistischer Be­wegungen ankündigte und klar die pakista­nische Stellung zur Kaschmir-Frage bestä­tigte. Der ISI wurde aufgefordert, die nun folgenden Aktionen zu unterstützen und der Polizei Hilfestellung zu leisten. Große Über­raschungen bot die Rede nicht, sie wurde aber in Pakistan gut aufgenommen, da sie klare Positionen unterstrich es waren die richtigen Worte zur rechten Zeit. In den Ta­gen darauf folgte die Verhaftung von mehr als 2000 weiteren Personen. Die Koran­schulen werden noch stärker kontrolliert, und den Mullahs wurde verboten, während der Gebete in den Moscheen politische Re­den zu halten; sie sollen sich strikt auf die Rezitation der heiligen Schriften beschrän­ken. Fernziel ist es, die Koranschulen in das nationale Bildungssystem zu integrieren und dort einen umfassenden Lehrplan einzufüh­ren. Die notwendigen Mittel dafür sind al­lerdings nirgendwo zu sehen. Zu den anhaltenden Spannungen mit Indien sagte Musharraf, sein Land sei uneinge­schränkt und jederzeit verteidigungsbereit. Die Kaschmir-Frage bleibt damit weiterhin ungelöst, und Pakistan möchte sie im Ge­gensatz zu Indien international behandelt sehen. Musharraf fährt fort, Indien seine Hand anzubieten und immer wieder Gesprä­che einzufordern wie zuletzt am Kashmir Day. Indien indessen will weiterhin mehr Taten von Pakistan gegen den Terrorismus sehen und hält den Druck aufrecht. Die Öffentlich­keit in Pakistan diskutiert seitdem noch stär­ker die Frage, wie denn eigentlich Terroris­mus zu definieren sei, und es herrscht die Meinung vor, dass auch Indien sich in Kaschmir des Terrorismus schuldig macht. Außerdem besteht der Verdacht, dass indi­sche Geheimdienste für Störmanöver in Pa­kistan verantwortlich sind. Die interne Lage in Pakistan bleibt ange­spannt. Immer wieder melden sich Jihadis aus dem Untergrund, und selbst in der Hauptstadt Islamabad kommt es zu An­schlägen auf Fahrzeuge ausländischer Ein­richtungen. Die sich derzeit eher verschär­fende Situation in Afghanistan, die nur schwer zu kontrollierende pakistanisch­afghanische Grenze und die Situation der afghanischen Flüchtlinge in Pakistan werden das Land weiter in Atem halten. Derweil stehen in diesem Jahr nationale Wahlen und die Rückkehr zur parlamentarischen Demo­kratie an. Angesichts des Kampfes Pakistans an so vielen Grenzen wird es zu einer von Musharraf, seinen Generälen und dem von ihm geschaffenen National Reconstruction Bureau kontrollierten Guarded Democracy kommen. Nicht so schlecht, wie wohl die Mehrheit in Pakistan meint, denn das Land muss Stabilität demonstrieren, um die Wirt­schaft wieder in Gang zu bringen, und wei­ter daran arbeiten, internationale Reputation und Glaubwürdigkeit zu gewinnen und zu erhalten was man den Parteien nicht unbe­dingt zutraut. Show down ohne Exit Option Zwei Nachrichten über die jüngste indisch­pakistanische Konfrontation haben die Auf­merksamkeit der globalisierten Öffentlich­keit erregt, nämlich der Superlativ, entlang der indisch-pakistanischen Grenze fände die größte Truppenkonzentration seit 1971 statt, und der alarmierende Hinweis, dass beide Seiten über Atomwaffen verfügten. Für In­dien bestätigte sich damit die schon mit den Nukleartests gemachte Erfahrung, dass es drastischer Aktionen bedarf, um internatio­nal ernst genommen zu werden. Ob der Truppenaufmarsch tatsächlich auf diesen psychologischen Effekt abzielte, steht frei­lich dahin- militärisch macht er jedenfalls wenig Sinn. Abgesehen von der Zerstörung längst geräumter Terroristen-Camps gibt es keine operativen Ziele, und für weiterrei­chende Absichten etwa die seit kurzem in der indischen Presse ventilierte Idee von einer Eroberung des pakistanischen Teils von Kaschmir fehlen von der Luftunter­stützung bis zur Logistik alle Voraussetzun­- 6-