Friedrich-Ebert-Stiftung, Kaschmir: Vehikel des indisch-pakistanischen Konflikts gen. Problematischer ist, dass Indien nach dem Aufbau seiner militärischen Drohkulisse offenbar über keine Exit-Strategie verfügt und deshalb ersatzweise die politische Rhetorik verschärft. So trägt die Äußerung von Premierminister Vajpayee, Indien werde die Line of Control niemals als Kompromiss akzeptieren, wenig zu einer Deeskalation – um die sich mittlerweile besonders die USA bemühen – bei. Die Kosten-Nutzen-Rechnung des militärisch sinnlosen und politisch fruchtlosen show downs ist verheerend. Beide Seiten investieren Milliardensummen, die dringend für Zukunftsprojekte benötigt werden, in eine unbewältigte Vergangenheit. Mehr als der autoritär regierte Feudalstaat Pakistan muss sich allerdings das demokratische Indien sein Verharren in einer den Mustern des Kalten Krieges folgenden Politik vorwerfen lassen. Der zugrunde liegende Irrtum, eine Politik der Stärke führe zur Schwächung des Gegners und folglich zum eigenen Vorteil, scheint der indischen Politik die Erkenntnis zu versagen, dass von einem geschwächten Pakistan Gefahren ausgehen, während nur ein selbstbewusst starkes über Verhandlungsmasse verfügt. Es gibt aber auch Politiker in Indien und Intellektuelle allemal, die in den Kategorien von Win-win- Strategien denken, ohne die Konflikte in einer globalisierten Welt nicht mehr lösbar sind. Der frühere Foreign Secretary J.N. Dixit verpackt diese Einsicht in ein Scenario, nach dem der indisch-pakistanische Konflikt längst durch massive amerikanische Einflussnahme hinter den Kulissen internationalisiert sei. Immerhin verfügen die USA mit ihrer – für die in Afghanistan verfolgten Zwecke überdimensionierten – militärischen Präsenz in der Region über die Mittel, sowohl das pakistanische als auch das indische Nuklearwaffenpotential mit konventionellen Präzisionswaffen auszuschalten. Andererseits fällt auf, dass gegen allen Anschein einer bedrohlichen Lage bisher weder der UN-Sicherheitsrat noch andere internationale Gremien Krisensitzungen veranstaltet haben. Die großen Mächte werden allerdings gewiss dafür sorgen, dass ihre seit längerem auf Zentralasien gerichteten wirtschaftlichen und strategischen Interessen nicht von einem aus dem Ruder laufenden Dauerkonflikt um ein vergleichsweise unbedeutendes Hochgebirgstal beschädigt werden. Nachdem beide Kontrahenten sich offenbar aus ihrer politischen Zwangslage nicht mehr eigenständig befreien können, dürfte letztlich auch der indische Widerstand gegen eine von außen aufgezwungene Vermittlung begrenzt sein. Dass eine solche neben den USA auch von Russland und China unbeschadet deren früheren Klientelverhältnissen unterstützt werden wird, darf im Blick auf die veränderte Weltlage als sicher gelten. Welche Rolle die Europäer dabei spielen können, hängt freilich davon ab, ob sie sich außenpolitisch künftig auch jenseits der Osterweiterung der EU engagieren wollen. Ansprechpartner/in: Roland Feicht, Tel. 0228-883-511, E-Mail: Roland.Feicht@fes.de(verantwortlich) Renate Janßen, Tel: 0228-883-535, E-Mail: Renate.Janssen@fes.de Friedrich-Ebert-Stiftung Internationale Abteilung, Referat Asien und Pazifik Godesberger Allee 149 53170 Bonn Fax: 0228-883-575 - 7-
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten