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Die baltischen Staaten vor den Toren von EU und NATO
Entstehung
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FES-Analyse: Estland, Lettland, Litauen Energieträger sicherzustellen. Hierzu und zur Aufrechterhaltung des für das Transitgeschäft wichtigen Volumens weiterexportierter Energie­träger(s.u.) setzt man nicht zuletzt auf die Prä­senz russischer Investoren bei der Privatisierung des Energiesektors. Bei deren Einstieg werden in der Regel auch langfristige Lieferabkommen ab­geschlossen. So akzeptierte man in Litauen im Jahr 2002 bei der Eigentumsumwandlung von Mazeikiu Nafta, der größten Raffinerie im Balti­kum(deren Wirtschaftskraft etwa 10% des litaui­schen BIP entspricht), den Einstieg des russi­schen Ölriesen Jukos. Im Gassektor war Russ­lands Gasprom erfolgreich. Die Firma kam bei der Privatisierung aller großen Gasversorger in den baltischen Staaten(allerdings mit westlichen, v.a. deutschen Interessenten) zum Zuge: bei Eesti Gaas, bei Latvijas Gaze und im Laufe des Jahres 2002 bei Lietuvos Dujos. Elektrizität: Lediglich Estland verfügt mit Öl­schiefervorkommen über große eigene Energie­ressourcen. Ende der 90er Jahre deckte Ölschiefer drei Viertel des Energieverbrauchs Estlands. Die Reserven reichen bei gegenwärtiger Ausbeu­tungsrate über 100 Jahre. Aufgrund der umwelt­belastenden Umwandlung von Ölschiefer inlektrische Energie drängte die EU auf einen Aus­stieg aus der Stromgewinnung durch diesen we­nig ökonomischen Brennstoff. 7 Litauen ist der einzige baltische Standort eines Kernkraftwerks. Das Mitte der 80er Jahre errich­tete Kraftwerk Ignalina erzeugt beinahe drei Vier­tel der im Land verbrauchten Elektrizität, womit Litauen wie kein anderes Land auf der Welt von Atomstrom abhängig ist. Gleichzeitig exportiert Litauen in Ignalina erzeugte Elektrizität. Auf Druck der EU verpflichtete sich die Regierung, den ersten der beiden Reaktoren des Kraftwerks vom Tschernobyl-Typ bis 2005 vom Netz zu nehmen und bis 2009 auch den zweiten Reaktor stillzulegen. Um die Lücke bei der Energiever­sorgung zu schließen, sind erhebliche Investitio­nen zur Modernisierung nicht-nuklearer Kraft­werke sowie des Leitungsnetzes erforderlich. Im Gegensatz zu Estland und Litauen ist Lettland ein Nettoimporteur von Strom aus den beiden Nachbarländern. Die wichtigste Quelle sind Was­serkraftwerke entlang der Daugava, die jedoch nur einige Monate betrieben werden können. Der 1998 von den Stromversorgern aus den bal­tischen Ländern und anderen Ostseeanrainern gegründete BALTREL-Verband(Baltic Ring Electricity Cooperation) soll dazu dienen, die drei Republiken mit den Energiesystemen Westeuro­pas zu vernetzen. Bis 2003 möchte man deswe­gen Estland und Finnland durch ein Kabel auf dem Grund der Ostsee verbinden. Vor der Aufnahme in die NATO und die EU Die Mitgliedschaft in der NATO avancierte für alle drei baltischen Staaten rasch zu einem der vorrangigen, wenn nicht zu dem zentralen Ziel ihrer außen- und sicherheitspolitischen Bemü­hungen. Aus Sicht Tallinns, Rigas und Wilnas ist die Zugehörigkeit zum Nordatlantikbünd­nis die einzige effektive Sicherheitsgarantie und die alleinige wirkliche Rückversicherung vor eventuellen neoexpansionistischen Tenden­zen im Osten. Zwar wird Russland weder in den offiziellen außenpolitischen Dokumenten noch in den Äußerungen der meisten baltischen Politiker explizit als mögliche Bedrohung gesehen, fak­tisch ist indes der Schutz vor problematischen Entwicklungen beim östlichen Nachbarn das zentrale Motiv, Eingang in die Allianz zu erhal­ten.