Instrument in amerikanischer Hand und es liegt deshalb nahe, es auch für einen asymmetrischen Konflikt zu nutzen, wie das in der Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus der Fall ist. Der Krieg in Afghanistan gegen das Taliban-Regime hatte in Amerika Zustimmungsraten, die sich auf der Höhe von 80% bewegten. Das hat es in der Vergangenheit noch nie gegeben, weder im Golfkrieg noch in den späteren Konflikten in Bosnien, im Kosovo oder auch in Somalia. Je näher die Möglichkeit eines Krieges im Irak heranrückte – und das war seit der Rede von Vizepräsident Cheney im Spätsommer dieses Jahres der Fall – desto mehr nahmen die Zustimmungsraten für den Einsatz amerikanischer Streitkräfte ab. Die Umfragen seit der Rede des Präsidenten vor der UNO zum Jahrestag des 11. September zeigen einen deutlichen Rückgang in der Zustimmung für ein militärisches Eingreifen im Irak. Eine Umfrage des Pew Research Center von Ende Oktober dieses Jahres ergab einen Rückgang der Zustimmung zu einem militärischen Einsatz im Irak von 64% im August 2002 auf 55% Ende Oktober. 2 II. Die Grundhaltung der amerikanischen Öffentlichkeit im Konflikt mit dem Irak So sehr das Wahlergebnis vom 5. November auch das Ergebnis eines persönlichen Vertrauensvotums für George W. Bush war, es besteht wenig Bereitschaft in der amerikanischen Öffentlichkeit, die Entscheidung über Krieg und Frieden im Irak allein in seine Hände zu legen. Die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung spricht sich klar dafür aus, dass der Kongress den Präsidenten nur unter der Bedingung dazu ermächtigt, militärische Gewalt anzuwenden, dass die Vereinten Nationen eine solche Intervention unterstützen. In einer Umfrage speziell zu der Frage, wie Amerikaner über den Konflikt mit dem Irak denken, ist ein Forschungsteam des Program on International Policy Attitudes(PIPA) der University of Maryland in Zusammenarbeit mit Knowledge Networks in Menlo Park, California, zu dem Ergebnis gekommen, dass das Thema Irak zwar in den Medien eine dominante Rolle gespielt hat, kurzfristig unterbrochen nur vom Sniper Drama, das Washington im Oktober 2002 über mehrere Wochen in Atem hielt. Für das Wahlverhalten am 5. November aber war die Irak-Frage weniger signifikant. 3 Die Studie hat weiter zutage gefördert, dass die Mehrheit der Amerikaner eine Abrüstung des Irak durch UNWaffeninspektoren gegenüber einem Regimewechsel vorzieht. Diese Auffassung wird auch dann vertreten, wenn gewisse Zweifel darüber verbleiben, ob die UN-Inspektoren in der Lage sein werden, alle Massenvernichtungswaffen des Irak tatsächlich zu entdecken. Die meisten Amerikaner glauben sogar, dass Saddam Hussein bereits die Fähigkeit besitzt, Ziele in den USA mit Massenvernichtungsmitteln zu erreichen. Stellt man jedoch Amerikaner vor die Wahl, ob man der Bedrohung durch den Irak mit Mitteln der Abschreckung entgegentreten oder präventiv vorgehen sollte, spricht sich eine Mehrheit für ein präventives Vorgehen aus. Amerikaner sind also durchaus bereit, zur Abwehr der Bedrohung durch den Irak unter Umständen auch das Risiko eines militärischen Schlages in Kauf zu nehmen. 4 Fragt man nach der Dringlichkeit der irakischen Bedrohung, so zeigt sich eher Gelassenheit im Vergleich zu der Bedrohung durch Al Qaeda. Weniger als die Hälfte der Amerikaner sieht den Irak als sehr ernste Bedrohung an. Die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung sieht in Al Qaeda die größere Bedrohung. 5 2 The Pew Research Center for the People and the Press, Support for Potential Military Action Slips to 55%, October 30, 2002. 3 America on the Conflict with Iraq, The PIPA/Knowledge Networks Poll, 2. Oktober 2002. Principal Investigator: Steven Kull, Research Staff: Clay Ramsay, Stefan Subias, Phillip Warf, Monica Wolford. 4 Ebenda. 5 Ebenda. 3
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten