- 384 • Politische Partizipation von Frauen- Verwirklichung von Geschlechterdemokratie In der Diskussion um gleiche Partizipationschancen von Männern und Frauen hat in der jüngeren Vergangenheit der Begriff der„Geschlechterdemokratie“ wachsende Bedeutung erlangt. Als„normativer“ Begriff, der„die Herstellung demokratischer Verhältnisse zwischen Männern und Frauen zum politischen Ziel deklariert“, erweitert er nach Schambach„den klassisch liberal verstandenen Demokratiebegriff um Elemente partizipatorisch orientierter Theorie-Ansätze“ 3). Danach bedeute Geschlechterdemokratie nicht nur, die Partizipationschancen von Frauen in Politik und Öffentlichkeit zu sichern und zu erhalten. Ebenso müsse es um eine Ressourcenverteilung nach den Prinzipien von Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit gehen, um eine gerechte Neuverteilung und Neubewertung der gesellschaftlichen Arbeit zwischen Frauen und Männern sowie um die Verhinderung gewaltförmiger Strukturen zwischen Frauen und Männern im Bereich der Familie und im öffentlichen Raum. 4) Zur Verwirklichung von Geschlechterdemokratie, sei es notwendig eine Balance zwischen Eigenständigkeit und Integration frauenpolitischer Strategien herzustellen. Einerseits gelte es die Eigenständigkeit dieses Politikbereichs zu bewahren, damit dieser nicht als unwichtig an den Rand gedrängt wird oder sich auflöst in einem„Gesamt“ oder„Ganzen“, anderseits gelte es die Isolierung oder Abkoppelung vom „Mainstream“, d.h. wichtigen gesellschaftspolitischen Debatten entgegenzuwirken. 5) Zur Umsetzung des Leitbildes„Geschlechterdemokratie“ wird auf das oben besprochene Prinzip des Gender-Mainstreaming verwiesen. An Strukturen und Instrumenten werden dabei u.a. genannt: Gender-Beauftragte, Genderbudgets und Gender Audits. Einen anderen Lösungsweg schlägt die Politikwissenschaftlerin Barbara Holland-Cunz ein. Ausgehend von der„Forderung nach einer radikalen Demokratisierung patriarchaler politischer Entscheidungsstrukturen“ und überzeugt von der Notwendigkeit der„Aktualisierung und Weiterentwicklung feministischer politischer Theorie“, insbesondere einer„feministischen Theorie der Demokratie“ systematisiert sie das internationale Spektrum der feministischen Gegenvorschläge von den basisdemokratischen Konzepten der 70er Jahre bis zu den aktuellen radikaldemokratischen Konzepten der 90er Jahre. 6) Dabei kommt sie zu der kritischen Feststellung:„Die schmerzliche Kluft zwischen dem ursprünglich visionären Projekt einer direktdemokratischen, scharf antipatriarchalen Politik und dem heutigen professionellen Einrichten in repräsentativen Demokratien könnte kaum größer sein. In Theorie und Praxis herrscht derzeit weitreichende Unklarheit darüber, welches Modell der Demokratie feministische Theorie und Praxis konstruieren, konkretisieren oder favorisieren sollten“. 7)
Druckschrift
Frauenpolitik : Dokumentation der Arbeit des Referats/Gesprächskreis Frauenpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung 1985 - 2002 ; Bestandsaufnahme und zukünftige Perspektiven
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