8 FES-Analyse: Bolivien Die Entwicklungszusammenarbeit: Bolivien als Herausforderung Wenn Bolivien überhaupt noch finanziellen und politischen Handlungsspielraum hat, dann ist dies der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu verdanken. Dabei handelt es sich jedoch um ein zweischneidiges Schwert, da dieser Handlungsspielraum eben auch die Möglichkeit eröffnet, notwendige Reformen und Anpassungen nicht anzugehen. Bolivien hat seit vielen Jahren ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit. Eine konsequente Politik der Währungsstabilität hat die Effekte der starken Abwertungen Brasiliens und Argentiniens auf die heimische Wirtschaft durchschlagen lassen. Ohne ausländische Hilfe hätte das Defizit der Leistungsbilanz im Jahr 2002, laut einer noch nicht veröffentlichten Untersuchung der Weltbank, nicht bei 4,5% des BIP(US$ 340 Mio.) gelegen, sondern bei mehr als dem Doppelten (702 Mio. US$). Ähnlich verhält es sich mit dem Defizit des öffentlichen Haushaltes, das im Jahr 2002 bei 8,7% des BIP lag, aber ohne die EZ mindestens 10% erreicht hätte. Die externen Finanzierungsleistungen haben zwischen 1998 und 2002 im Durchschnitt 62% des Defizits des öffentlichen Haushalts finanziert, verringerte Einnahmen ausgeglichen und eine höhere interne Kreditaufnahme vermieden. Zwischen 1998 und 2001 lagen die multilateralen und bilateralen Leistungen in einem Verhältnis von 60 zu 40 bei durchschnittlichen jährlichen Gesamtleistungen von 570 Millionen US$. Der durchschnittliche Schuldendienst betrug ca. 250 Millionen US$. Im Jahr 2002 lagen die Gesamt-leistungen bei 784 Mio. US$(10% des BIP) und der Schuldendienst bei 260 Mio. US$. Für das Jahr 2003 ist mit einer Reduzierung des Schuldendienstes aufgrund des Entschuldungsprogramms zu rechnen. Bereits zwischen 2001 und 2002 hat sich die Verschuldung Boliviens um etwa 110 Mio. US$ auf etwa 4,3 Mrd. US$ verringert. Hintergrund sind die Entschuldungsinitiativen HIPC I und HIPC II, die zu einer bedeutenden Verringerung(38%) der bilateralen Schulden beigetragen haben. Ein Großteil des Erlasses ist mit ca. 300 Mio. US$ Deutschland zuzuschreiben, womit praktisch die gesamten bilateralen Schulden liquidiert wurden. Vor allem europäische Länder, mit Ausnahme von Spanien, und Japan haben Schulden in Höhe von 200 Mio. US$ erlassen. Gleichzeitig haben multilaterale Geberorganisationen, allen voran die Weltbank, die Interamerikanische Entwicklungsbank und die Corporación Andina de Fomento (CAF), ihr Engagement um 13% erhöht. Etwa 80% der Schuldenverpflichtungen Boliviens bestehen heute gegenüber multinationalen Gebern. Weltbank, BID und CAF sind mit etwa 62% der Gesamtleistungen im Jahr 2002(485 Millionen US$) die wichtigsten multilateralen Geber in Bolivien. Wichtigster bilateraler Geber sind die USA (45 Mio US$), dicht gefolgt von Deutschland und Holland(43 bzw. 38 Mio. US$). Japan, in den letzten Jahren noch zweitwichtigster Geber, hat im Jahr 2002 sein Engagement um über ein Drittel reduziert(30 Mio. US$). Zwei Drittel der multilateralen Mittel konzentrieren sich auf vier Sektoren: Verkehrsinfrastruktur, ländliche Entwicklung, Institutionenförderung und Wirtschaftsprogramme. Die bilaterale EZ konzentriert sich in einem ähnlichen Verhältnis auf Institutionenförderung, ländliche Entwicklung, alternativen Anbau(alternativ zum Coca-Anbau, fast ausschließlich mit der Unterstützung US-amerikanischer EZ) sowie Bildung. Die EZ hat in Bolivien eine herausragende Rolle bei allen öffentlichen Investitionsleis-
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