10 Wirtschaftskrise(unter 1% Wachstum) fallen ca. 300.000 Menschen unter die Armutslinie. Etwa 100.000 verlieren ihre Arbeit. Auch bei gutem Wachstum(4%) werden 10.000 Menschen arbeitslos und verarmen 30.000. Was sind die Hintergründe? Seit der Kolonialzeit hat sich die bolivianische Wirtschaft auf die Extraktion und den Export von Rohstoffen spezialisiert. Dem spanischen Goldrausch folgte der Silberboom, dann die Zinnära. Parallel gab es kürzere Hochzeiten der Kas-tanien-, Gummi-, Baumwoll-, Soja- und Erdölproduktion sowie des Exports von zahlreichen anderen Mineralien. Die bolivianische Exportstruktur besteht heute – wie in der Vergangenheit – aus nicht oder kaum verarbeiteten Rohstoffen. Seit letztem Jahr steht der stetig steigende Export von Gas an erster Stelle. An zweiter kommen Mineralien, vor allem Zink, Gold, Silber und Zinn, gefolgt von Soja(Sojamehl, Sojatorten), Sojaund Sonnenblumenöl. Diese Produkte stellten im Jahr 2002 etwa drei Viertel der Exporte dar. Nur 12% der Exporte sind verarbeitete Güter. Die Abhängigkeit der bolivianischen Exporteinnahmen von internationalen Rohstoffpreisschwankungen ist immens. Auffallend ist, dass sich die Exporte seit Ende der 70er Jahre nicht wesentlich erhöht haben. Im selben Zeitraum konnten andere Länder Lateinamerikas ihre Exporte verdoppeln und verdreifachen. Auch konnte die Exportstruktur nicht dauerhaft diversifiziert werden. Neue Produkte tauchen zwar auf, können sich aber nicht konsolidieren und verschwinden nach einem kurzen Zeitraum wieder vom Markt. Die Hälfte der Exporte werden von einem Dutzend Firmen getätigt, zählt man noch ein weiteres Dutzend hinzu, kommt man auf zwei Drittel der Exporte. Im Jahr 2001 gingen zwei Drittel der Exporte in vier Länder, wobei Brasilien mit etwas unter einem Viertel vor Kolumbien(15%), Schweiz(14%) FES-Analyse: Bolivien und den USA(13%) zum wichtigsten Handelspartner geworden ist. 56% der Exporte gehen in den Mercosur(27%) und in die Andine Gemeinschaft(29%). Im Jahr 2002 brachen die Exporte nach Argentinien zusammen(-61,5%), während sich der Außenhandel mit Brasilien und dem Andenpakt erhöhte. Die externe Verletzlichkeit der bolivianischen Wirtschaft ist eine Konstante. Dies zeigten die Erhöhung der internationalen Treibstoffpreise im Jahr 2000, die brasilianische Währungskrise und die argentinische Krise: Die Abwertung im Nachbarland hat nicht nur zu einer Flut von billigeren Importen aller möglichen Konsumgüter auf Kosten der bolivianischen Industrie geführt, sondern auch zu einer bedeutenden Reduktion der 200 Millionen US$ an Überweisungen der auf bis zu eine Million geschätzten bolivianischen Migranten in Argentinien. Einige wenige Firmen produzieren ca. 65% der Waren- und Dienstleistungen, stellen aber nur 8% der Beschäftigung, während die Mikrounternehmen, die 80% der Beschäftigung auf sich vereinen, gerade mit 8% an der Wertschöpfung beteiligt sind. Das Wirtschaftswachstum wird in erster Linie von den für – bolivianische Verhältnisse – größeren Firmen angetrieben. Dies ist eine der Erklärungen dafür, wieso in Abwesenheit von Umverteilungsanstrengungen selbst bei Wirtschaftswachstum in Bolivien Armut sich verstetigt und Arbeitslosigkeit steigt. Zahlreiche Hindernisse Seit mehreren Jahren haben die Antidrogenpolitik und die teilweise Ausrottung des für die Kokainproduktion bestimmten Cocaanbaus einen bedeutenden Einkommensausfall erzeugt. Die unterschiedlichen Schätzungen sprechen konservativ von 2–3% des BIP(200–250 Mio. US$), andere gehen von etwa 6% des BIP(bis zu einer halben
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