FES-Analyse: Jemen tischen Boykott des Wahlergebnisses kann die finanziell angeschlagene Partei sich nicht leisten. Auch die ISLAH, von 1994–97 Koalitionspartner der Kongresspartei, musste eine weitere Reduzierung ihrer Abgeordnetenzahl(von 53 auf 46) hinnehmen. Hatte die Partei mit ihrer sozialpolitischen Plattform bisher als Auffangbecken für fundamentalistische Islamisten und jemenitische Afghanistan-Veteranen eine wichtige Rolle im innenpolitischen Integrationsprozess gespielt, erfuhr sie im Rahmen der Maßnahmen im Kampf gegen den Internationalen Terrorismus eine weitere Marginalisierung. Kontinuität im Reformprozess Erwartungsgemäß erteilte Präsident Saleh dem seit April 2001 amtierenden Premierminister Abdul Kader Bagammal erneut den Auftrag, die Regierung zu bilden. Im neuen 35-köpfigen Kabinett sind noch 16 Minister der alten Regierung vertreten. In den wichtigen Geschäftsbereichen – Außen, Innen, Wirtschaft, Planung, Finanzen, Information und Innere Sicherheit – fanden keine Wechsel statt. Die 17 neuen Minister sind überwiegend reformorientierte Technokraten. Mit Amat Al-Alim Al-Suswah ist im Ministerium für Menschenrechte eine Frau im Kabinett vertreten, als Parlamentspräsident wurde Sheikh Al Ahmar in seinem Amt bestätigt. In seiner Regierungserklärung vom 7. Juni nannte Premierminister Bagammal folgende Schwerpunkte der Regierungsarbeit: Fortsetzung des Reformprozesses in den Bereichen wirtschaftliche Liberalisierung, rechenschaftspflichtige Haushaltsführung, Straffung der öffentlichen Verwaltung und des Justizwesens; Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit; Anwerben von Investitionen; Verbesserung des Erziehungswesens und dessen Einbeziehung in den Entwicklungsprozess sowie die Festigung der inneren Sicherheit und Stabilität. 5 Die Regierung betreibt eine insgesamt marktfreundliche und sozial orientierte Reformpolitik. Mit dem politischen Willen und entsprechenden Gesetzen zur Dezentralisierung hat der Jemen wichtige und richtige Schritte mit Bezug zu den Millenium Development Goals(internationale Entwicklungsziele) unternommen. Zugleich ist für sie die Festigung der inneren Sicherheit die grundlegende Prämisse für ihre Politik. Ohne politische Stabilität werden das hohe Engagement der internationalen Geber nicht zu halten und direkte Investitionen nicht anzuwerben sein. Massive Geldtransfers sind von Nöten, um die ehrgeizigen entwicklungspolitischen Ziele umzusetzen und vor allem Armut und Arbeitslosigkeit merklich zu senken. Die Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen, die Einforderung von verantwortungsbewusstem und transparentem Management, die Reform des Justizsektors sowie effiziente lokale Verwaltungsbehörden sind zudem Voraussetzungen für die angestrebten Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation WTO. Die jemenitische Bevölkerung ist sehr jung, zwei Drittel der Jemeniten sind unter 25 Jahre alt. Durch eine Verbesserung des Erziehungswesen und der Berufsausbildung soll die Jugend eine Perspektive für eine Zukunft im eigenen Land erhalten, und durch bedarfsorientierte Ausbildungsprogramme soll der Bevölkerung die Möglichkeit zur Mitgestaltung bei der Verwaltung der knappen Ressourcen geboten werden. Obwohl die jemenitische Verfassung Frauen wesentliche Rechte garantiert, wird das Entwicklungspotential von Frauen bisher wenig ausgeschöpft. Der Zugang von Frauen und Mädchen zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen ist durch Armut, fehlende Einrichtungen und traditionelle Vorstellungen stark eingeschränkt. Dennoch verfügen Frauen im Jemen über mehr Freiheiten als in anderen Ländern der arabischen Halbinsel.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten