14 keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzen können. Der Kreml hat die gewünschte Zwei-Drittel-Mehrheit in der Staatsduma und kann bei Bedarf, trotz wiederholter gegenteiliger Bekundungen des Präsidenten, auch die Verfassung ändern. Ebenfalls hat der Kreml bei der Nachfolgefrage der Präsidentschaft 2008 völlige Gestaltungsfreiheit. Selbst die im Mai 2003 angeklungene politische Reform des Präsidialsystems wäre denkbar. Für den Kreml sind somit die Grundlagen eines programmatischen Kampfes vorerst entfallen. Das alte Feindbild ist abhanden gekommen. Die KPRF kann nicht mehr als Gegner herhalten, Jabloko und die Union der Rechten Kräfte sind nicht mehr im Parlament vertreten und der namhafteste Repräsentant der Oligarchie, Chodorkowski, sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Die verbliebenen oligarchischen Gruppen haben ihren zugewiesenen Platz in der korporatistischen HerrschaftsFES-Analyse: Russland ordnung akzeptiert und bedienen sich der verfügbaren Instrumente und Institutionen zur Durchsetzung ihrer Interessen. Damit endete für jeden sichtbar die Jelzin-Ära. Das Russland Putins kann Gestalt annehmen. Und erstmals in der zehnjährigen Transformationsperiode müssen der Kreml und seine Partei der Macht nun die volle und alleinige politische Verantwortung für die Geschicke des Landes übernehmen. Denn die vormaligen Gegner in den Parlamenten, in den Regionen und in den wirtschaftlichen Interessengruppen sind ausgeschaltet oder integriert worden. Mit andern Worten, die administrative Reform, die erfolgreiche Bekämpfung der Korruption und die Stärkung der Rechtstaatlichkeit, also die Kernstücke des Putinschen Modernisierungsprojektes, setzt man eine kontinuierliche und krisenfreie wirtschaftliche Entwicklung einmal voraus, werden zur Messlatte der zweiten Amtsperiode. Regierungsumbildung Wer aber, eingedenk der emotionalisierten Debatte um die autoritäre Transformation der jungen russischen Demokratie, nun drastische und radikale Folgeschritte als erste Amtshandlungen in der neuen Putin-Ära erwartete, sah sich enttäuscht. Allenfalls brachte die Entlassung von Michael Kasyanow, wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl, und die Ernennung des nahezu unbekannten Michael Fradkow zum Premierminister, der zuletzt die Russische Föderation bei der Europäischen Union repräsentierte, den Adrenalinspiegel von ausländischen Medien und oppositionellen Kreisen in Wallung. Denn in den Augen einiger Korrespondenten war der vormals vielgescholtene und als korrupt eingeschätzte Premierminister, das letzte Standbein der alten Jelzin-Familie, Michael Kasyanow, wegen seiner Kritik am Vorgehen des Kreml gegen Chodorkowski quasi über Nacht, ähnlich wie der Chef der Präsidialverwaltung, Alexander Woloschin, zum Paulus der russischen Demokratie transformiert. Kasyanow war seit dem Rücktritt seines Verbündeten im Kontext der Kampagne gegen Chodorkowski ohne Rückhalt in der Kreml-Administration und selbst oligarchische Gruppen rückten von ihm ab. Nicht, dass seine Entlassung überraschend kam, damit hatte man schon seit Anbeginn der Amtszeit Putins gerechnet. Eher verwunderten der Zeitpunkt und der Stil. Zugleich interpretierte man die Entlassung als Auftakt einer repressiven Säuberungswelle gegen mögliche Regimegegner. Weder kam es dazu, noch besteht dazu Grund. Zudem wurde die
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