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Südkorea : Herausforderungen für das 21. Jahrhundert
Entstehung
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FES Analyse Südkorea: Herausforderungen für das 21. Jahrhundert Peter Gey Oktober 2004 Südkoreas Wirtschaft wird trotz schwacher Binnennachfrage und geringer Investitionstätig keit auch 2004 zulegen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Volksrepublik Chi na zum wichtigsten Abnehmer südkoreanischer Erzeugnisse geworden ist. Doch die Abhän gigkeit von China ist gefährlich, weil jede Krise der chinesischen Wirtschaft sich unmittelbar auf Südkorea auswirken wird. Auch wird es ohne deutliche Fortschritte bei Forschung und Entwicklung sowie Kostensenkungen im Hochtechnologiebereich nur eine Frage der Zeit sein, bis Korea in seinen Handelsbeziehungen mit China erstmals einen Fehlbetrag ausweist. Die Industrialisierung brachte einen enormen sozialen Wandel mit sich. Einerseits haben sich die Institution der Familie und die Stellung der Frau nachhaltig verändert, was die Entwick lung einer neuen Familienpolitik als auch ein neues Genderverhalten erfordert. Auf der ande ren Seite altert die südkoreanische Gesellschaft weltweit am schnellsten, so dass eine dem demographischen Prozess angepasste Arbeits und Unternehmenspolitik vonnöten sein wird. Südkoreas größte Herausforderung ist die Bedrohung aus Nordkorea. Eine militärische Aus einandersetzung wäre verhängnisvoll, aber auch wachsende Flüchtlingsströme oder gar eine Vereinigung mit dem heruntergewirtschafteten Land werden befürchtet. Die Regierung hofft, das Regime Kim Jong Ils für eine Politik wechselseitigen Vertrauens und zum Nutzen beider Teile zu gewinnen. Angesichts der Erfahrung, dass die Annäherung zwischen den bei den deutschen Staaten maßgeblich zum Ende der DDR beitrug, ist Nordkorea hierin äußerst zurückhaltend. Daher hofft Südkorea auf Veränderungen innerhalb der nordkoreanischen Wirtschaft. Die Erfahrungen mit den Wirtschaftsreformen in Mittel und Osteuropa lassen vermuten, dass die jüngsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der nordkoreanischen Füh rung nicht ausreichen, um den Niedergang aufzuhalten. Wachsender Zukunftspessimismus in der Bevölkerung reflektiert diese Bedrohung und Her ausforderungen. Dennoch steuert Südkorea nicht notwendig auf eine Existenzkrise zu. Insti tutionen, Unternehmen und Individuen haben sich in den letzten Jahrzehnten die notwendi gen Fähigkeiten angeeignet, um in der Weltwirtschaft und im sozialen Wandel bestehen zu können. Herausgeber: Hans Mathieu, Redaktion: Nicole Burckhardt, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, 10785 Berlin, Tel.: 030-26935-838, Fax: 26935-860, e-mail: hans.mathieu@fes.de