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Südkorea : Herausforderungen für das 21. Jahrhundert
Entstehung
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10 strömen. Nicht auszuschließen ist auch, dass Nordkorea kurzfristig die Grenze öffnet, um die Versorgungslage zu entspannen und politischen Druck abzubauen. Selbst die vielbeschworene Wiederherstellung der nationalen Einheit stößt bei weiten Teilen der südkoreanischen Bevölke­rung auf Zurückhaltung. Mit Blick auf die hohen Kosten des Aufbaus Ost in Deutschland befürch­tet man, dass eine Wiedervereinigung mit dem verarmten, entindustrialisierten Teilstaat die südkoreanische Wirtschaft überfordern würde. DerSonnenscheinpolitik des früheren süd­koreanischen Präsidenten Kim Dae-Jung(1998­2003) lag daher der Gedanke zugrunde, durch wirtschaftliche Zusammenarbeit und gegensei­tigen Austausch in Kultur, Sport, Umwelt und anderen politisch unverfänglichen Bereichen all­mählich wechselseitiges Vertrauen aufzubauen und die Wirtschaft zum Nutzen beider Teile zu fördern. Obgleich in der knapp 1-seitigen Ab­schlusserklärung, die Kim Dae-Jung und Kim Jong-Il im Laufe ihres historischen Treffens am 15. Juni 2000 in Nordkoreas Hauptstadt Pyong­yang unterzeichneten, nicht weniger als 4-mal die Wiedervereinigung Koreas beschworen wur­de, ging es gerade nicht darum, erste Vorberei­tungen für die künftige Einheit zu treffen. Auch unter Kim Dae-Jungs Nachfolger pflegt die Regierung in öffentlichen Verlautbarungen die herkömmliche Wiedervereinigungsrethorik, ohne damit jedoch mehr zu tun, als ein Ritual einzuhalten. Präsident Roh Moo-Hyun benannte in seiner Antrittsrede vom 25. Februar 2003 die Sonnenscheinpolitik inPolitik für Frieden und Prosperität auf der koreanischen Halbinsel um, bekräftigte aber ansonsten, mit dem Norden wei­terhin den Dialog zu suchen. Im Grunde bleibt ihm auch nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sich der Norden aufVertrauen und Gegen­seitigkeit in den beidseitigen Beziehungen ein­lässt. Die Frage ist: Wie hoch ist die Wahr­scheinlichkeit, dass es auf der koreanischen Halbinsel ähnlich wie seinerzeit zwischen den beiden deutschen Staaten zu einemWandel durch Annäherung kommt? Zwischen der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1972, als der Vertrag über die Grundlagen der künftigen Beziehungen zwi­schen den beiden deutschen Staaten unter­zeichnet wurde, und Nordkorea im Jahre 2000, FES Analyse: Korea als das Treffen der beiden Staatschefs stattfand, liegen wirtschaftlich und politisch gesehen Welten: Anfang der siebziger Jahre war die ostdeut­sche Wirtschaft vergleichsweise fortgeschrit­ten und innerhalb der sozialistischen Staaten­gemeinschaft führend. Nordkorea war bereits lange vor dem Zusammenbruch der sozialisti­schen Regime in Mittel- und Osteuropa wirt­schaftlich am Ende und setzte in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre Hunderttausende oder gar Millionen Menschen dem Hungertod aus. Das politische System der DDR war Anfang der siebziger Jahre ein nach sowjetischen Vor­stellungenordentlicher sozialistischer Staat. Kongresse der herrschenden Partei und Tref­fen sowohl ihres Zentralkomitees als auch ih­res Politbüros fanden regelmäßig statt. Die nordkoreanische Arbeiterpartei hingegen hat­te ihren sechsten und letzten Parteitag im Ok­tober 1980. Ihr siebter Kongress ist weder in Vorbereitung noch absehbar. Das Zentralko­mitee, das für Grundsatz- und Strategieent­scheidungen der Partei zuständig ist, und das Politbüro, das diese Aufgaben zwischen den Sitzungen des Zentralkomitees wahrnimmt, haben seit 1994 nicht mehr getagt. Wie es sich für ein geordnetes sozialistisches Staatswesen gehörte, war Erich Honecker so­wohl Generalsekretär der SED als auch Vor­sitzender des Staatsrats der DDR. Die Stellung Kim Jong-Ils im Staatsgefüge Nordkoreas ist bezeichnenderweise die des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates und Oberbe­fehlshabers der Streitkräfte. Die DDR-Führung konnte sich 1972 des Rückhaltes durch die Sowjetunion und des Warschauer Paktes absolut gewiss sein. Nord­korea hingegen kann sich nicht einmal der materiellen Unterstützung durch China, seines letzten Verbündeten, weiterhin sicher sein, ganz zu schweigen von einem militärischen Ein­greifen der aufstrebenden Weltmacht China zu seinen Gunsten. Dreißig Jahre nach Unterzeichnung des deutsch­deutschen Grundlagenvertrages hat Südkorea es nicht mit einem vergleichsweise stabilen, wohl­habenden Land und einer einigermaßen bere­chenbaren, vertragstreuen Regierung zu tun, wie