Print 
Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall?
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Alexandra Manske Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall? Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall? Von Alexandra Manske Die arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen des Jahres 2007 werfen widersprüchliche oder gar para­doxe Schatten. Einerseits verfestigte sich im Jahresverlauf insbesondere in der Politik eine erleich­terteEs-geht-wieder-aufwärts-Stimmung. Andererseits vermelden kritische Stimmen, dass sich hinter dem beachtlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit eine wenig glanzvolle Realität verberge und dass der wirtschaftliche Aufschwung an vielen Menschen vorbei gehe(etwa Dörre 2007). Offenbar leben wir derzeit in einer Phase des Übergangs und an einem Punkt des gesellschaftlichen Wandels, an dem gänzlich unklar ist, wo die Reise hin geht. Wie so oft versperrt sich die Wirklich­keit einer Berechnung. Als relativ sicher gelten indes jene Diagnosen, die davon ausgehen, dass ein Ausdruck der verschärften Wandlungsdynamik der Arbeitsgesellschaft seit den 1980er Jahren die Zunahme prekärer Lebenslagen seit den 1990er Jahren ist. Dabei ist der Begriffprekär in den letzten zwei, drei Jahren fast zu einem metaphorischen Schlüsselbegriff avanciert, um die Auswei­tung von Unsicherheit und den Abbau des integrativen Sozial- bzw. Wohlfahrtsstaates zu beschrei­ben. Allerdings konzentriert sich die Wissenschaft hier auf dieunteren Etagen der Arbeitsgesell­schaft(Dörre) und damit auf dieTruly Disadvantaged(Wilson 1987). Dafür gibt es zwar gute Gründe, dennoch wird dies den empirischen Verhältnissen nicht gerecht, wie mittlerweile verschie­dene Einzelstudien belegen(vgl. z.B. Betzelt 2006, Manske 2007). So wird im Folgenden ein Blick auf Gefährdungslagen im Schatten der Debatte um prekäre Arbeit geworfen. Ziel ist es, sich der Frage anzunähern, obprekär gleichprekär ist oder ob und wie zwischen sozialstrukturell überformten prekären Soziallagen unterschieden werden sollte. Anhand von eigenständigen empirisch-qualitativen Untersuchungen(vgl. Manske 2007; Manske/Merkel 2007) werde ich Überlegungen zum Zusammenhang von Prekarität und Kreativarbeit anstellen. Doch zunächst wird der Argumentationsrahmen umrissen, aus dem heraus die weiteren Ausführun­gen zu verstehen sind. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 18