Alexandra Manske Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall? „Niedriglöhnern“(vgl. Heil/Manske 2007) ist die Gruppe der„neuen Kulturunternehmer“(Mandel 2007) besonders betroffen. Im folgenden Abschnitt geht es um diese Gruppe. 4. Risikolage Kreativarbeit Bisweilen werden hochqualifizierte Freelancer dennoch als„Gewinner“ des Strukturwandels von Arbeit bezeichnet, da sie der Kategorie„Wissensarbeiter“ angehören und insofern auf der Seite der Modernisierungsgewinner stehen würden(etwa Dörre 2004). Zunehmend aber setzt sich eine Sichtweise durch, die im Fall der Prekarisierung von Kulturdienstleistern respektive-unternehmern von einer„freiwilligen Flexibilisierung“(Janowitz 2006) oder von einer„Selbst-Prekarisierung“ (Lorey 2007) sprechen. Liegt demnach der Unterschied zwischen sozialstrukturell überformten, prekären Soziallagen darin, dass die Einen gegen ihren Willen prekarisiert werden, während die Anderen freiwillig eine prekäre Existenz wählen? Oberflächlich besehen: ja. Untersuchungen der Autorin in der IT-Branche sowie in der Kreativwirtschaft(vgl. Manske 2007; Manske/Merkel 2007) weisen jedoch darauf hin, dass dieses polare Schema sehr viel mehr Grauzonen hat als zunächst erkennbar sind. So bedarf es einer Differenzierung in verschiedenen Punkten, was z.B. die Art der Arbeit und somit die Arbeitshaltung betrifft. Ebenso verkürzt wäre die Behauptung, dass Kreativarbeiter eine ökonomische Mängellage durch eine wertrationale Arbeitshaltung ausglichen. Einschränkend ist zudem anzumerken, dass es zwar verschiedene Einzelstudien gibt, die sich mit Künstler-Arbeitsmärkten(vgl. Haak/Schmid 2001) oder Kultur-Dienstleistungen beschäftigen(vgl. Gottschall/Betzelt 2001; Betzelt 2006), weitergehende systematische Forschungen zu den Eigenheiten von„Kreativarbeit“ jedoch fehlen(vgl. Manske/Merkel 2007). Hinzu kommt eine bislang unbefriedigende Datenbasis. Da das Einkommen vieler Kreativer unterhalb der statistischen Wahrnehmungsschwelle liegt und zudem die Daten in diesem Bereich hoch aggregiert sind, können bisher vorliegende quantitative Untersuchungen zur Kreativwirtschaft keine validen Aussagen zur wirtschaftlichen Lage von Kreativen machen(vgl. Geppert/Mundelius 2007). Die nachfolgenden Aussagen bieten dagegen einen explorativen Einblick in diese Problematik. Gegenstand ist eine kürzlich abgeschlossene, qualitative Studie über die spezifische Verfassung der Kreativwirtschaft in Berlin. Die befragten Akteure der Kreativwirtschaft sind alle zwischen 1970 und 1975 geboren. Damit gehören sie der„Generation Golf“(Illies) bzw. der„Generation Berlin“(Bude) an. Ihre Wohlstandswww.fes-online-akademie.de Seite 10 von 18
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Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall?
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