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Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall?
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Alexandra Manske Paradoxien des arbeitsgesellschaftlichen Wandels: Ist Prekarität überall? Anfangszeit der Industrialisierung bekannten Pauperismus, da ein prekäres Arbeitsverhältnis nicht nur geringe gesellschaftliche Anerkennung erfahre, sondern häufig auchmit einer fragilen Unter­stützung durch die nächste Umgebung kombiniert sei.(Castel 2000: 13, 358). Der dritte Kristalli­sationspunkt bestehe in einemPlatzmangel in der Sozialstruktur(ebd.: 359). Denn ohne die Chance, die eigene Zukunft halbwegs verlässlich planen zu können, seien die Betroffen einer Kultur des Zufalls ausgesetzt, in der sie von der Hand in den Mund leben müssten. 3. Blindstellen der Prekaritäts-Debatte Unter welchen Bedingungen prekäre Lebenslagen nicht nur ein Phänomen marginalisierter Gruppen sind, sondern auch hochqualifizierteKreativarbeiter betreffen und auf diese Weise den Struktur­wandel von Arbeit ein Stück weiter charakterisieren als bis zu diesem Punkt, ist Gegenstand des folgenden Abschnitts. Im Hinblick auf die ungleichheitsträchtigen Effekte des Strukturwandels von Arbeit wäre nämlich wenig gewonnen, wenn man einseitig die gar nicht so neuen Spaltungslinien in den Blick nimmt und sie zwar anders tituliert, ohne gleichermaßen zu untersuchen, ob die Veränderungen in der Or­ganisation der Arbeit und ihrer gesellschaftlichen Einbettung auch jene sozialen Gruppen unter ei­nen sozialen Deklassierungsdruck setzen, die bislang davon ausgenommen zu sein schienen oder als statusinkonsistente Abweichungen klassifiziert wurden. Dass die empirische Ausrichtung auf herkömmliche Unsicherheitsstrukturen Blindstellen hat, er­schließt sich unmittelbar durch einen Blick auf das sozialstrukturelle Profil der sogenannten neuen Selbständigen. Hieran zeigt sich sehr deutlich, dassprekär nicht automatischschlecht qualifi­ziert heißt(Leicht/Philipp 2005). War der Erwerbsstatus des Alleindienstleisters, verstanden als Einpersonenselbständige im Dienstleistungsbereich(Betzelt 2006: 5), bis weit in die 1980er Jahre der Bundesrepublik quasi unbekannt, weiten sich überwiegend nicht sozialversicherungspflichtige, soloselbständige Erwerbsformen seit den 1990er Jahren sprunghaft aus. Sie tragen erheblich dazu bei, dass sich das Gesicht des deutschen Arbeitsmarktes sukzessive verändert und sich Arbeits- und Lebensbedingungen abseits industriegesellschaftlicher Gewissheiten und Regelmäßigkeiten aus­weiten. www.fes-online-akademie.de Seite 6 von 18