FES BRIEFING PERU Gewerkschaftsmonitor Oktober 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die politische Situation in Peru ist von Unsicherheit, geschwächten demokratischen Institutionen und sozialen Konflikten geprägt. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung und dem Parlament ist durch die einstelligen Zustimmungswerte deutlich erkennbar. Hinzu kommen weit verbreitete Fälle von Korruption auf allen Regierungsebenen. Seit 2016 erlebt das Land eine politische Instabilität mit unerwarteten Wechseln an der Spitze von Regierung und Parlament sowie einem hohen Maß an Misstrauen gegenüber der politischen Klasse. Allein in den vergangenen sieben Jahren traten sieben Präsident_innen ihr Amt an. In der Folge kam es zu zahlreichen Kabinettsumbildungen, zur Auflösung des alten und zur Bildung eines Übergangskongresses sowie schließlich zur Einsetzung eines neu gewählten Kongresses. Der Amtsantritt von Pedro Castillo von der Partei Perú Libre Ende 2021 als Präsident löste in den Reihen der peruanischen Linken anfangs große Begeisterung und Anziehungskraft aus. Allerdings wurden die vernachlässigten multiethnischen und indigenen Wähler_innen in ländlichen Gebieten, die ihre Hoffnungen in den Lehrer und Gewerkschafter Castillo gesetzt hatten, weitgehend enttäuscht. In den 16 Monaten seiner Regierung konnte diese keines ihrer erklärten Vorhaben einleiten, unter anderem weder die Ausarbeitung einer neuen Verfassung, um die Rolle des Staates zu stärken, noch die Bekämpfung der Korruption, die Reform des Agrarsektors und des Renten- und Steuersystems oder die Bereitstellung von 20 Prozent des BIP für den Bildungs- und Gesundheitssektor. Die ständigen Versuche des überwiegend konservativen Kongresses, Regierungsinitiativen zu blockieren, aber auch die mangelnde Managementfähigkeit und politische Erfahrung von Castillo und seinen Berater_innen sowie die hohe Fluktuation der Minister_innen behinderten ganz erheblich den Fortschritt der Reformpläne. Die letzte Zuspitzung der politischen Dauerkrise Perus war der versuchte Staatsstreich Castillos Ende 2022. Die folgende Amtsübernahme durch seine Vizepräsidentin Dina Boluarte wurde von Protesten und der Forderung nach Neuwahlen begleitet. Streitkräfte und Polizei gingen unverhältnismäßig hart gegen die Protestierenden vor, was zu 68 Toten und Hunderten Verletzten führte. Boluarte weigerte sich, die Verantwortung für diese Vorfälle zu übernehmen, während die Regierung und die meist konservativ geprägten Medien die Demonstrierenden als Kriminelle bezeichneten, die von Terrorgruppen und dem Drogenhandel unterstützt würden. Der Umgang mit dieser Krise brachte die Regierung Boluarte international in Verruf. Derzeit regiert Boluarte unterstützt von einer konservativen Mehrheit der Legislative. Umfragen des Instituts für Peruanische Studien(IEP) vom Januar 2025 zufolge liegen die Zustimmungswerte für die Präsidentin bei sechs Prozent und für das Parlament bei nur noch fünf Prozent. Die autoritär-konservative Ausrichtung des Landes hat unter der Regierung Boluarte enorm zugenommen. Institutionen wie das Verfassungsgericht und die Ombudskommission, die laut Verfassung autonom sind, wurden mit Personen besetzt, die den politischen Interessen des Kongresses oder der Exekutive dienen. Zudem wurden die Mitglieder der Nationalen Justizbehörde abgesetzt und es wurden neue Vorschriften verabschiedet: diese sollen die Wahl des Leiters der Nationalen Wahlkommission dahingehend ändern, sie vor den Wahlen 2026 mit Personen besetzen zu können, die der Regierung genehm sind. Der Zerfall der Rechtsstaatlichkeit und die völlige Missachtung internationaler Vereinbarungen spiegeln sich auch in der kürzlichen Freilassung des ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori aus dem Gefängnis wider, der 2009 aufgrund des Einsatzes von Todesschwadronen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Darüber hinaus wurde im April 2025 die Änderungen zum Gesetz über die Peruanische Agentur für Internationale Zusammenarbeit(APCI) verabschiedet, die unter anderem die Arbeit internationaler Organisationen der Entwicklungszu1
Jahrgang
2025
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