FES BRIEFING gierung für die Teilnahme an offiziellen Foren des sozialen Dialogs anerkannt worden sind. Die Forderungen nach Gewerkschafts-, Arbeits- und Sozialschutzrechten dieser Verbände stimmen oftmals überein. Große Diskrepanzen bestehen jedoch hinsichtlich der Leistung und dem Management der verschiedenen Regierungen sowie der von ihnen gesetzten politischen und wirtschaftlichen Prioritäten. Der Amtsantritt von Pedro Castillo weckte in den meisten Gewerkschaftsverbänden aufgrund seines ländlichen und gewerkschaftlichen Hintergrunds große Erwartungen. Es wurden Dialogmechanismen eingerichtet und starker Druck ausgeübt, damit Castillo seine Wahlversprechen einhält, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme durch wichtige Reformen im Agrarsektor und im Arbeits- und Steuersystem zu lösen. Diese Versprechen wurden jedoch nur zögerlich oder gar nicht umgesetzt, was zu Unzufriedenheit unter den Gewerkschaftsverbänden und ihren Mitgliedern führte. Die Konfrontation zwischen Gewerkschafts- und Unternehmensverbänden bleibt latent, da die Unternehmen die Umsetzung einer Arbeitsmarktreform, die den Einsatz von Outsourcing begrenzt hätte, blockieren. Darüber hinaus wurde Druck ausgeübt, um die Änderungen des Gesetzes über kollektive Arbeitsbeziehungen zu begrenzen, die neue Formen der gewerkschaftlichen Organisation ermöglicht hätten, um besser auf branchenspezifische Verhandlungen reagieren zu können. Der Nationale Rat für Arbeit und Beschäftigungsförderung (CNTPE) des Arbeitsministeriums ist zuständig für die Förderung des dreigliedrigen sozialen Dialogs. Allerdings war dieses Forum aus verschiedenen Gründen nicht dazu geeignet, wichtige arbeitsrechtliche Entscheidungen zu treffen, zumal dessen Entscheidungen nicht bindend sind. Mehrmals zogen sich Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbände aus dem Dialog zurück, weil sie mit den erörterten Themen nicht einverstanden waren oder die politische Nutzung der Mechanismen für den sozialen Dialog durch die Exekutive missbilligten. Nach dem Amtsantritt von Dina Boluarte haben sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gewerkschaftsverbänden weiter verschärft und der Dialog für ein gemeinsames Vorgehen abgeschwächt. Gewerkschaftsverbände wie die Confederación General de Trabajadores del Perú (CGTP) und die Central Unitaria de Trabajadores del Perú (CUT) führten Proteste für den Rücktritt der derzeitigen Präsidentin und die Ausrufung von Neuwahlen an. Die anderen zwei Gewerkschaftsverbände haben es vorgezogen, zu diesen Forderungen keine klare Haltung zu beziehen. In Peru bestehen zwei Mechanismen für die gewerkschaftsübergreifende Koordinierung: die Nationale Koordinierungsstelle der Gewerkschaftsverbände und die Gewerkschaftsgruppe für internationale Normen. Während die Koordinierungsstelle der Raum für politische Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaftsverbänden ist, koordiniert die Gewerkschaftsgruppe den technischen Dialog zur Umsetzung der internationalen Arbeitsnormen und die Stellungnahmen der Gewerkschaften zu den Überwachungsberichten, die jährlich vom Sachverständigenausschuss der Internationalen Arbeitsorganisation(ILO) erstellt werden. Auf der Internationalen Arbeitskonferenz 2023 wurde Peru in die Liste der Länder aufgenommen, die das Recht auf Vereinigungsfreiheit gemäß den IAO-Übereinkommen 87 und 98 nicht gewährleisten. Auch im Jahr 2024 wurde Peru erneut auf diese Liste gesetzt, diesmal wegen der Nichteinhaltung der Übereinkommen 169 bezüglich der Rechte indigener und in Stämmen lebender Völker. Diese nicht erfüllten IAO Übereinkommen wurde von den Gewerkschaftsdachverbänden für ihre Lobbyarbeit und den sozialen Dialog als vorrangig eingestuft. GEWERKSCHAFTEN IN PERU – FAKTEN UND DATEN HISTORISCHE ASPEKTE Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Peru geht auf das Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, als die ersten Arbeitnehmer_innenorganisationen im Land entstanden. Als Ergebnis eines dreitägigen Generalstreiks wurde am 15. Januar 1919 der Achtstundentag durchgesetzt. Die Verfassung von 1933 sah zudem das Recht zur Gründung von Gewerkschaften als Teil des allgemeinen Vereinigungsrechts vor. Zwischen 1945 und 1948 erlebte die Gewerkschaftsbewegung ihren größten Aufschwung. Die Zahl der registrierten Gewerkschaftsorganisationen verdoppelte sich, während gewerkschaftliche Instrumente wie Forderungskataloge, Tarifverhandlungen und Streiks weiter ausgebaut wurden. In den 1960er-Jahren erlebte die peruanische Gewerkschaftsbewegung ein weiteres Wachstum und wurde zu einem wichtigen Akteur in der peruanischen Politik. Ein Meilenstein in der Gesetzgebung, der darauf abzielte, die Vereinigungsfreiheit auf breiter Ebene zu gewährleisten, wurde 1979 in der Verfassung verankert. Jahrzehnte später begann hingegen eine starke Unterdrückung der Gewerkschaften und ihrer Führungspersönlichkeiten. In den 1990er-Jahren schwächte die Regierung von Alberto Fujimori die gewerkschaftliche Organisation erheblich und führte eine tiefgreifende Arbeitsreform durch, mit der die Schutzvorschriften und Kapazitäten der Arbeitsgerichtsbarkeit radikal verringert wurden; der Staat übernahm immer weniger eine schützende Funktion. Seit dieser Zeit sind Arbeitsrechte einer der Hauptkonfliktbereiche zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeber_innen und dem Staat. Zudem haben das geltende Arbeitsrecht und die Veränderungen der letzten 30 Jahre die Flexibilisierung der Arbeit im öffentlichen und privaten Sektor begünstigt. Die Befristung und Instabilität der Arbeitsverhältnisse wirkt sich bis zum heutigen Tag direkt auf die Wachstumsmöglichkeiten und Machtressourcen der Gewerkschaften aus. Nichtsdestotrotz bleibt die Gewerkschaftsbewegung eine wichtige soziale Kraft in Peru. GEWERKSCHAFTSLANDSCHAFT Sowohl die hohe Informalität der Arbeit als auch die Instabilität der Arbeitsverhältnisse sind Gründe für einen niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. In den 1990er-Jah3
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2025
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