Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING gierung für die Teilnahme an offiziellen Foren des sozialen Dialogs anerkannt worden sind. Die Forderungen nach Ge­werkschafts-, Arbeits- und Sozialschutzrechten dieser Ver­bände stimmen oftmals überein. Große Diskrepanzen beste­hen jedoch hinsichtlich der Leistung und dem Management der verschiedenen Regierungen sowie der von ihnen gesetz­ten politischen und wirtschaftlichen Prioritäten. Der Amtsantritt von Pedro Castillo weckte in den meisten Ge­werkschaftsverbänden aufgrund seines ländlichen und ge­werkschaftlichen Hintergrunds große Erwartungen. Es wur­den Dialogmechanismen eingerichtet und starker Druck aus­geübt, damit Castillo seine Wahlversprechen einhält, die sozi­alen und wirtschaftlichen Probleme durch wichtige Reformen im Agrarsektor und im Arbeits- und Steuersystem zu lösen. Diese Versprechen wurden jedoch nur zögerlich oder gar nicht umgesetzt, was zu Unzufriedenheit unter den Gewerk­schaftsverbänden und ihren Mitgliedern führte. Die Konfron­tation zwischen Gewerkschafts- und Unternehmensverbän­den bleibt latent, da die Unternehmen die Umsetzung einer Arbeitsmarktreform, die den Einsatz von Outsourcing be­grenzt hätte, blockieren. Darüber hinaus wurde Druck ausge­übt, um die Änderungen des Gesetzes über kollektive Ar­beitsbeziehungen zu begrenzen, die neue Formen der ge­werkschaftlichen Organisation ermöglicht hätten, um besser auf branchenspezifische Verhandlungen reagieren zu können. Der Nationale Rat für Arbeit und Beschäftigungsförderung (CNTPE) des Arbeitsministeriums ist zuständig für die Förde­rung des dreigliedrigen sozialen Dialogs. Allerdings war die­ses Forum aus verschiedenen Gründen nicht dazu geeignet, wichtige arbeitsrechtliche Entscheidungen zu treffen, zumal dessen Entscheidungen nicht bindend sind. Mehrmals zogen sich Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbände aus dem Di­alog zurück, weil sie mit den erörterten Themen nicht einver­standen waren oder die politische Nutzung der Mechanismen für den sozialen Dialog durch die Exekutive missbilligten. Nach dem Amtsantritt von Dina Boluarte haben sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gewerkschafts­verbänden weiter verschärft und der Dialog für ein gemein­sames Vorgehen abgeschwächt. Gewerkschaftsverbände wie die Confederación General de Trabajadores del Perú (CGTP) und die Central Unitaria de Trabajadores del Perú (CUT) führten Proteste für den Rücktritt der derzeitigen Prä­sidentin und die Ausrufung von Neuwahlen an. Die anderen zwei Gewerkschaftsverbände haben es vorgezogen, zu die­sen Forderungen keine klare Haltung zu beziehen. In Peru bestehen zwei Mechanismen für die gewerkschafts­übergreifende Koordinierung: die Nationale Koordinierungs­stelle der Gewerkschaftsverbände und die Gewerkschafts­gruppe für internationale Normen. Während die Koordinie­rungsstelle der Raum für politische Vereinbarungen zwi­schen den Gewerkschaftsverbänden ist, koordiniert die Ge­werkschaftsgruppe den technischen Dialog zur Umsetzung der internationalen Arbeitsnormen und die Stellungnahmen der Gewerkschaften zu den Überwachungsberichten, die jährlich vom Sachverständigenausschuss der Internationalen Arbeitsorganisation(ILO) erstellt werden. Auf der Internatio­nalen Arbeitskonferenz 2023 wurde Peru in die Liste der Län­der aufgenommen, die das Recht auf Vereinigungsfreiheit gemäß den IAO-Übereinkommen 87 und 98 nicht gewähr­leisten. Auch im Jahr 2024 wurde Peru erneut auf diese Liste gesetzt, diesmal wegen der Nichteinhaltung der Überein­kommen 169 bezüglich der Rechte indigener und in Stäm­men lebender Völker. Diese nicht erfüllten IAO Übereinkom­men wurde von den Gewerkschaftsdachverbänden für ihre Lobbyarbeit und den sozialen Dialog als vorrangig eingestuft. GEWERKSCHAFTEN IN PERU FAKTEN UND DATEN HISTORISCHE ASPEKTE Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Peru geht auf das Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, als die ersten Arbeitnehmer_innenorganisationen im Land entstanden. Als Ergebnis eines dreitägigen General­streiks wurde am 15. Januar 1919 der Achtstundentag durchgesetzt. Die Verfassung von 1933 sah zudem das Recht zur Gründung von Gewerkschaften als Teil des allge­meinen Vereinigungsrechts vor. Zwischen 1945 und 1948 erlebte die Gewerkschaftsbewe­gung ihren größten Aufschwung. Die Zahl der registrierten Gewerkschaftsorganisationen verdoppelte sich, während gewerkschaftliche Instrumente wie Forderungskataloge, Ta­rifverhandlungen und Streiks weiter ausgebaut wurden. In den 1960er-Jahren erlebte die peruanische Gewerkschafts­bewegung ein weiteres Wachstum und wurde zu einem wichtigen Akteur in der peruanischen Politik. Ein Meilen­stein in der Gesetzgebung, der darauf abzielte, die Vereini­gungsfreiheit auf breiter Ebene zu gewährleisten, wurde 1979 in der Verfassung verankert. Jahrzehnte später begann hingegen eine starke Unterdrü­ckung der Gewerkschaften und ihrer Führungspersönlichkei­ten. In den 1990er-Jahren schwächte die Regierung von Al­berto Fujimori die gewerkschaftliche Organisation erheblich und führte eine tiefgreifende Arbeitsreform durch, mit der die Schutzvorschriften und Kapazitäten der Arbeitsgerichts­barkeit radikal verringert wurden; der Staat übernahm immer weniger eine schützende Funktion. Seit dieser Zeit sind Ar­beitsrechte einer der Hauptkonfliktbereiche zwischen Ge­werkschaften, Arbeitgeber_innen und dem Staat. Zudem ha­ben das geltende Arbeitsrecht und die Veränderungen der letzten 30 Jahre die Flexibilisierung der Arbeit im öffentli­chen und privaten Sektor begünstigt. Die Befristung und In­stabilität der Arbeitsverhältnisse wirkt sich bis zum heutigen Tag direkt auf die Wachstumsmöglichkeiten und Machtres­sourcen der Gewerkschaften aus. Nichtsdestotrotz bleibt die Gewerkschaftsbewegung eine wichtige soziale Kraft in Peru. GEWERKSCHAFTSLANDSCHAFT Sowohl die hohe Informalität der Arbeit als auch die Instabi­lität der Arbeitsverhältnisse sind Gründe für einen niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. In den 1990er-Jah­3