Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING systematische Gewalt anwenden. Insgesamt stellt es für die Gewerkschaften eine herausfordernde und komplizierte Aufgabe dar, Forderungen zu stellen und zu verhandeln. Oftmals blockieren die Unternehmen die Verfahren über Jahre hinweg, sodass die Gewerkschaften gezwungen sind, verschiedene Druckmaßnahmen auszuarbeiten. In den letzten 30 Jahren waren die Tarifverhandlungen nur auf die Betriebsgewerkschaften beschränkt. Der einzige Sektor, in dem derzeit Branchentarifverhandlungen möglich sind, ist das Baugewerbe mit dem Gewerkschaftsverband FTCCP. Die Stra­tegie der Gewerkschaftsverbände besteht allerdings darin, Ta­rifverhandlungen auf Branchen- und Wirtschaftsebene zu er­möglichen, um die Qualität der Arbeit und der Löhne der lohnabhängigen Bevölkerung verbessern zu können. Was den sozialen Dialog betrifft, besteht mit dem CNTPE eine offizielle dreigliedrige Einrichtung zur Behandlung von Ar­beitsfragen. Allerdings werden seine Sitzungen nicht regelmä­ßig abgehalten und aus dem Austausch folgen nur selten rele­vante Entscheidungen. Vielmehr wird der CNTPE vor allem dann in Anspruch genommen, wenn eine der Parteien mit ei­ner Regelung, die sie als schädlich für ihre Interessen ansieht, nicht einverstanden ist. Obwohl die Leistung dieses Forums für den sozialen Dialog nicht positiv bewertet werden kann, wur­de dieses Gremium von der Regierung zur Überwachung der Einhaltung arbeitsrechtlicher Aspekte des Freihandelsabkom­mens zwischen Peru und der Europäischen Union bestimmt. Die Informalität hat in Peru drei Formen angenommen: 1) In­formelle Beschäftigung in formellen Unternehmen; 2) infor­melle Beschäftigung in informellen Unternehmen; und 3) in­formelle Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit. In allen drei Fällen können die Interessen der Beschäftigten nur schwer vertreten werden. Grundsätzlich prangern die Ge­werkschaftsverbände die Informalität am Arbeitsplatz an, allerdings sind sie nicht in der Lage, Maßnahmen zur Vertre­tung des informellen Sektors zu ergreifen. Von der Prekari­tät und Informalität der Arbeit sind in Peru vor allem Frauen und Jugendliche betroffen, denen somit selbst ein Mindest­maß an Arbeitsrechten verwehrt bleibt. Bei der Vertretung von Frauen sind in der Vergangenheit al­lerdings Fortschritte zu verzeichnen. So ist die Zahl der weib­lichen Führungskräfte gestiegen und Sekretariate für Frau­enangelegenheiten oder für die Gleichstellung der Ge­schlechter wurden eingerichtet. Bei der Interessenvertre­tung von jungen Arbeitnehmer_innen wurde hingegen nicht derselbe Erfolg erzielt. So bestehen weiterhin ernsthafte Probleme bei der Gewährleistung des Generationenwech­sels, während die Gewerkschaften gleichzeitig große Mühe haben, sich auf die neuen Interessen der aktuell bestehen­den Vielfalt junger Arbeitnehmer_innen einzustellen. Mobilisierung für arbeits- und sozialpolitische Forderungen ermöglichen. Obwohl die Gewerkschaftsorganisationen als erste Option der Konfliktlösung immer auf den Dialog set­zen, zeigt sich in der Praxis, dass sie nur durch Protestmaß­nahmen wie Demonstrationen oder Streiks gute Ergebnisse bei der Durchsetzung von Arbeitsrechten oder der Verbes­serung von Arbeitsbedingungen erreichen. Im Rahmen ihrer Vertretungsaufgabe haben die Gewerk­schaften den Dialog mit verschiedenen politischen Parteien hauptsächlich der Linken und der Mitte aufgenommen, um ihre Forderungen in die politische Debatte einzubringen. Diese Ansätze sind allerdings vor allem in Wahlperioden zu erkennen. Zudem versuchen viele Politiker_innen, die Nähe zu den Gewerkschaftsorganisationen zu nutzen, um bei Wahlen Stimmen zu gewinnen oder ihre politische Unter­stützung zu vergrößern. Alle Gewerkschaftsorganisationen sind bestrebt, ihre Mit­gliederzahl zu erhöhen angesichts der Vorurteile, die in der peruanischen Gesellschaft gegenüber den Gewerkschaften bestehen, eine schwierige Aufgabe. Die Wahrnehmungen zu verändern und das Image der Gewerkschaften zu verbes­sern, sind daher Schlüsselaspekte für eine erfolgreiche Stra­tegie der Mitgliedergewinnung in nicht gewerkschaftlich or­ganisierten Sektoren. Darüber hinaus ist die Angst vor Ent­lassung und Repressalien durch die Arbeitgeber_innen auf­grund einer Gewerkschaftsmitgliedschaft ein weiterer Fak­tor, den die Gewerkschaften immer wieder als Problem an­prangern. Einige Gewerkschaftsorganisationen diskutieren auch inne­re Reformen als Strategie, um sich in einer globalisierten und zunehmend digitalisierten Realität neu zu erfinden. Infolge­dessen verfolgen einige Gewerkschaften derzeit eine stärker gesellschaftspolitisch und weniger unternehmensbezogen ausgerichtete Gewerkschaftsarbeit. Teil der Strategie, um die Kapazitäten und Unterstützung für die Gewerkschaftsarbeit zu stärken, ist der Aufbau einer en­geren Beziehung der Dach- und Branchenverbände zu den internationalen Gewerkschaftsorganisationen. So haben die Gewerkschaften, die dem CSA/TUCA angeschlossen sind, ihre internationalen Vertreter_innen wiederholt um eine Stellungnahme gebeten, um Rechtsverletzungen anzupran­gern. Die Beziehung des CGTP zum WGB hat sich durch die Teilnahme führender Gewerkschaftsvertreter_innen an in­ternationalen und sektoralen Aktivitäten mittlerweile verste­tigt. Was die globalen Gewerkschaftsverbände betrifft, ist die Präsenz im PSI erwähnenswert, der auch über einen na­tionalen Ausschuss sowie Frauen- und Jugendausschüsse verfügt. Auch UNI Global und IndustriAll unterstützen ihre Mitgliedsorganisationen in Peru. GEWERKSCHAFTEN UND IHR(POLITISCHES) GEWICHT Trotz des Rückgangs der Arbeitnehmer_innenbeteiligung in den Gewerkschaften bilden diese nach wie vor die wichtigs­ten sozialen Basisorganisationen in Peru, da sie die soziale Die Beziehungen zu Gewerkschaftsorganisationen in ande­ren Ländern sind hingegen begrenzt. Sie werden allerdings durch die im Land durchgeführten Kooperationsprojekte gestärkt, in deren Rahmen beispielsweise die Präsenz der belgischen FOS(Solidaritätsorganisation der sozialistischen Bewegung in Flandern) oder der niederländischen Gewerk­7