Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING che Foren, auf denen Vertreter_innen der Zivilgesellschaft unter Beobachtung und mit Unterstützung von Akteuren der internationalen Gemeinschaft Themen von dieser Be­deutung mit der venezolanischen Regierung diskutieren können. GEWERKSCHAFTEN UND IHR POLITISCHES GEWICHT Als politische Akteure haben die Gewerkschaften 2025 kein Gewicht mehr. Punktuell kann politisches Gewicht er­langt werden, wenn die Mobilisierung massiv ist. Allerdings sind informelle zivilgesellschaftliche Gruppen und ad-hoc Aktionen derzeit politisch erfolgreicher als die Gewerk­schaften und ihre etablierten, strukturell-verankerten Ver­fahren. Deshalb ist es wichtig, die bestehenden gewerk­schaftlichen Strukturen zu stärken und daran zu arbeiten, dass es in Zukunft geordnete tripartite Verhandlungen gibt. So schwierig die Situation sein mag, so ist der tripartite Di­alog derzeit der vielversprechendste Ansatz, um strukturell Arbeitnehmer_innenrechte zu verbessern: Hier gibt es in­ternationalen Druck und mit den Arbeitgeber_innen einen strategischen Verbündeten, auf den die Regierung nicht verzichten kann, um die wirtschaftliche Lage nicht weiter zu verschlimmern. März marschierten Gewerkschafterinnen besonders aus dem Gesundheitsbereich als eigener Block neben anderen feminis­tischen Gruppierungen. Angesichts der organisatorischen Schwäche und des repressiven Umfelds ist die Vernetzung mit anderen Akteuren der einzige Weg, um weiter relevant zu bleiben und möglicherweise auch eine Chance, sich in Bezug auf Themen, Allianzen und Strategien weiter zu entwickeln. Anja Dargatz, Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Venezuela Inmitten der Pandemie hatten die Gewerkschaftsverbände CTV, ASI, und UNETE zusammen mit anderen Gewerkschaf­ten und dem Arbeitgeberverband FEDECAMERAS im Mai 2020 ein»Manifesto Bipartito« verabschiedet. Darin forder­ten sie u. a. die Umsetzung der Empfehlungen der Untersu­chungskommission der ILO. ASI und FEDECAMERAS führten danach einen Dialog über Themen wie menschenwürdige Arbeitsbedingungen, gute Arbeit, auskömmliche Löhne, die Einhaltung der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und der zivilen und politischen Menschenrechte in Venezuela und die Wiederaufnahme des sozialen Dialogs. 2 Die kleine Gewerkschaft des Krankenhauspersonals in Caracas, Moni­tor Salud, hat in der Covid-19-Pandemie immer wieder auf die schwierige Lage ihrer Mitglieder aufmerksam gemacht und versucht, auch jüngere Menschen für die Gewerk­schaftsarbeit zu gewinnen. Die Dachverbände CTV und ASI haben wie der Arbeitgeber­verband FEDECAMERAS im Foro Cívico mitgearbeitet, einem Zusammenschluss der Zivilgesellschaft, der versucht, abwei­chend von der Linie der großen Oppositionsparteien, Dialog­möglichkeiten mit der Regierung auszuloten. Nach den Präsi­dentschaftswahlen 2024 ist es still um das Foro geworden, aber die Erfahrung zeigt, wie Gewerkschaften, Arbeitge­ber-Vertreter und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten kön­nen. Venezuelas bedeutendste Menschenrechtsorganisation Programa Venezolano de Educación-Acción en Derechos Hu­manos(PROVEA) berücksichtigt in besonderer Weise die La­ge der venezolanischen Gewerkschaften und die Rechte ver­folgter Gewerkschafter_innen. Auf der Demonstration zum 8. KONTAKT Friedrich-Ebert-Stiftung| Referat Lateinamerika und Karibik| Hiroshimastraße 28| 10785 Berlin Verantwortlich: Ulrich Storck, Referent für Brasilien, Uruguay, Gewerkschaften und Handel ulrich.storck@fes.de Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert­Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. 2 https://www.fedecamaras.org.ve/wp-content/uploads/2020/07/ MANIFIESTO-BIPARTITO-29.05.2020-VFP.pdf Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. 6