Heft 
2026
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FES BRIEFING Höchststände erreicht, die sich nur langsam wieder reduzie­ren. Während 2025 Erfolge bei der Armutsreduktion erzielt werden konnten laut INEC waren im Dezember 2025 21,4 Prozent von Armut betroffen im Vergleich zu fast 28 Prozent 2024), bestehen Unterschiede zwischen ländlichen und ur­banen Zonen sowie nach Geschlecht fort. Vor allem Frauen sowie im ländlichen Raum lebende Menschen sind von Armut und extremer Armut betroffen. Seit dem Jahr 2018 entwickeln sich die Einkommen ambiva­lent: positiv für den formellen Sektor, der mindestens den Mindestlohn verdient, und negativ für einen wachsenden Teil der informell oder unterbeschäftigten Bevölkerung. Dagegen stiegen die Kosten für den Grundwarenkorb ab dem Jahr 2018 auf das 1,6-fache des gesetzlichen Mindestlohns. Das Durchschnittseinkommen der gesamten erwerbstätigen Be­völkerung sank von 520 auf 464 US-Dollar(2022) monatlich. Zwar stieg das Familieneinkommen der formell Beschäftigten von 721 auf 840 US-Dollar(2022) an, gleichzeitig sank das Er­werbseinkommen der informell Beschäftigten jedoch im Durchschnitt von 367 auf 341 US-Dollar(2020) monatlich. Formell beschäftigte Männer verdienten 2024 mit durch­schnittlich 507 US-Dollar mehr als Frauen(423 US-Dollar). Ein ähnlicher Gender Pay Gap gilt für die informelle Beschäfti­gung. Zu den Gründen zählen neben der geringeren Bezah­lung auch die geringere Arbeitszeit von Frauen. So weisen Männer(37 Std.) eine längere bezahlte Arbeitszeit auf als Frauen(30 Std.), während Frauen ab einem Alter von zwölf Jahren durchschnittlich 31 Stunden pro Woche mit unbezahl­ter Care-Arbeit verbringen(Männer: 11,3 Std.). Effektive Poli­tiken, um diesen Geschlechterungerechtigkeiten zu begeg­nen, existieren bisher nicht. GEWERKSCHAFTSPOLITISCHER KONTEXT Die aktuelle Gewerkschaftsagenda konzentriert sich prinzipi­ell auf wirtschaftliche Forderungen wie höhere Löhne und Ta­rifverträge für einige Gewerkschaften des öffentlichen und privaten Sektors. Die Agenda der Gewerkschaften ist dabei kaum mit den Agenden anderer sozialer Bewegungen in Ecua­dor verknüpft. Insbesondere bestehen nur wenige Schnitt­punkte mit der feministischen Bewegung oder den anti-neoli­beralen und anti-extraktivistischen Positionen der gut organi­sierten indigenen Bewegung Ecuadors. In den massiven sozia­len Protesten im Jahr 2019 und 2022 war die Gewerkschafts­bewegung kein relevanter Akteur. 2024 und 2025 trat sie je­doch stärker in Erscheinung und konnte einige Erfolge bei der sozialen Mobilisierung gegen von der Regierung per wirt­schaftlicher Eilgesetze und Volksabstimmungen vorgeschlage­nen arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindliche Reformen er­zielen. Dennoch setzt der rückläufige Trend bei Streiks und Arbeits­kämpfe, seit den 1980er-Jahren fort. Dies zeigt sich auch in der Mobilisierungsfähigkeit, insbeson­dere mit Blick auf Streiks und Arbeitskämpfe, sowie der Ent­wicklung von eigenständigen politischen Positionierungen und Forderungen. Der rückläufige Trend im Bereich der Ar­beitskonflikte(mit und ohne Streiks) setzt sich seit den 1980er-Jahren fort. Eine der wenigen innovativen Initiativen im Bereich der Ge­werkschaftsbewegung ist der Kampf einzelner Arbeiter_in­nenvereinigungen für die Anerkennung der gewerkschaftli­chen Organisation nach Sektoren oder Branchen(Sindicaliza­ción por Rama de Actividad). Gegenwärtig klagen das Ar­beitsministerium, die Generalstaatsanwaltschaft und die Handels- und Produktionskammern vor dem Verfassungsge­richt auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit eines Urteils über die Rechtmäßigkeit der gewerkschaftlichen Organisati­on auf Branchenebene. Ihre Klage wurde bereits 2021 zuge­lassen und bezieht sich auf ein Urteil zugunsten der gewerk­schaftlichen Organisation der Bananenplantagenarbeiter_in­nen in einer Branchengewerkschaft, der Asociación Sindical de Trabajadores Bananeros Agrícolas y Campesinos(ASTAC) aus dem gleichen Jahr. ASTAC und mittlerweile auch andere Arbeitnehmer_innenorganisationen(Plattformarbeiter_innen, Filmtechniker_innen, Arbeiter_innen auf Palmenplantagen etc.) versuchen auf diesem Weg, die Anerkennung ihrer Ge­werkschaftsorganisation zu erstreiten. Allerdings lässt das fi­nale Urteil des Obersten Gerichtshofes weiter auf sich warten. GEWERKSCHAFTEN IN ECUADOR FAKTEN UND DATEN HISTORISCHE ASPEKTE Die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung in Ecuador gehen auf die Bildung der ersten Arbeiter_innenorganisationen und Streiks im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zurück, mit de­nen die liberal-radikal ausgerichtete Arbeiter_innenbewegung bis Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgreich gesetzliche Ver­besserungen der Arbeitsbedingungen erstreiten konnte. Zwi­schen Oktober und November 1922 erlebte Ecuador die wich­tigsten Arbeiter_innenproteste des 20. Jahrhunderts, die je­doch am 15. November 1922 mit einem Massaker an mehr als tausend Arbeiter_innen durch die ecuadorianische Armee be­endet wurden. Ab dem Jahr 1925, im Zuge der»Revolución Juliana«, führte die ecuadorianische Regierung Reformen in der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung durch, um die soziale Gerechtigkeit zu fördern. Dies verhalf vor allem den Industriegewerkschaften zu neuem Auftrieb. In der Folge gründeten sich die ersten Ge­werkschaftsdachverbände. 1938 wurde durch katholisch ge­prägte Intellektuelle, besorgt über die Ausbreitung des Mar­xismus, der erste(katholische) Gewerkschaftsdachverband gegründet, die Confederación Ecuatoriana de Obreros Católi­cos(CEDOC). Im Jahr 1944 folgte die Konföderation der ecuadorianischen Arbeiter_innen(Confederación de Traba­jadores del Ecuador, CTE), die von der Kommunistischen Par­tei Ecuadors(Partido Comunista del Ecuador, PCE) ins Leben gerufen wurde. In den 1960er-Jahren wurde schließlich der Bund Freier Gewerkschaftsorganisationen(Confederación de Organizaciones Sindicales Libres, CEOSL) gegründet, welcher der Sozialistischen Partei Ecuadors(Partido Socialista Frente 3