Heft 
2026
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FES BRIEFING mität außerhalb ihrer gewerkschaftlichen Netzwerke. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass sich die Agenda der tra­ditionellen Gewerkschaftsbewegung auf die spezifischen Forderungen der abhängig Beschäftigten, d. h. weniger als 35 Prozent der Bevölkerung, reduziert hat. Die jüngsten poli­tischen Entwicklungen zeigen, dass die Gewerkschaftsbewe­gung kaum in der Lage ist, Bündnisse innerhalb und außer­halb der Gewerkschaften zu schließen. In den letzten Jahren sind außerhalb der»traditionellen« Ge­werkschaftsdachverbände vereinzelte gewerkschaftliche Or­ganisationen entstanden, die für ihre Anerkennung als Bran­chengewerkschaft streiten. Hier sind UNTHA, ASTAC und die Beschäftigten der digitalen Plattformen(FrenApp) zu nennen, die de facto Branchengewerkschaften gegründet haben und nun für ihre rechtliche Anerkennung eintreten. Darüber hin­aus haben unter anderem Arbeiter_innen im Palmölanbau, der Fischerei, der Film- und audiovisuellen Technik sowie in­formelle Verkäufer_innen einen Prozess der Bildung und des Aufbaus von Gewerkschaftsorganisationen auf Branchene­bene eingeleitet. Gleichwohl stoßen diese Bestrebungen der Gewerkschaftsbildung auf heftigen Widerstand vonseiten der Wirtschaftsverbände und oftmals der Regierung. Parallel zum schwindenden nationalen Einfluss ist die interna­tionale Vernetzung der ecuadorianischen Gewerkschaftsbe­wegung in den letzten Jahrzehnten insgesamt deutlich rück­läufig. Auch treten die Gewerkschaftsdachverbände in den internationalen und regionalen Gremien kaum in Erschei­nung. Ausnahmen bilden einzelne Organisationen wie AST­AC, die über ein stabiles Netzwerk mit europäischen Gewerk­schaften, internationalen Nichtregierungsorganisationen in Europa und den USA sowie offiziellen Stellen der Europäi­schen Union verfügen. Ecuador steckt in einer multiplen Krise, bestehend aus gro­ßen Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit, Wirt­schaft und Soziales. Nicht nur angesichts dieser aktuellen Konjunktur steht die Gewerkschaftsbewegung in Ecuador vor großen Aufgaben. Auch auf den Bedeutungsverlust der letz­ten Jahrzehnte in Politik und Gesellschaft müssen die Ge­werkschaften Antworten finden. Trotz zahlreicher Wider­stände, auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, bedarf es einer Erneuerung der gewerkschaftlichen Agenda, Strate­gien und Aktionsformen, insbesondere zur Verteidigung und Stärkung der Arbeits- und Gewerkschaftsrechte oder zur Stärkung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit. Ebenso bedarf es einer Erneuerung von Führungspersönlichkeiten sowie konkreter Maßnahmen zur Stärkung der internen Demokra­tie, Debattenkultur, Geschlechtergleichstellung und nicht zu­letzt eine Überwindung der Partikularinteressen von zerstrit­tenen Einzelgewerkschaften und Dachverbänden für einen gemeinsamen und koordinierten Kampf für mehr Arbeits­und Gewerkschaftsrechte. Erst wenn zumindest einige dieser Reformen angegangen sowie Denk- und Handlungsmuster geändert werden, ist auf ein Wiedererstarken der Gewerk­schaftsbewegung in Ecuador zu hoffen. Tina Hennecken Andrade, Leiterin des Büros der Friedrich-­Ebert-Stiftung in Ecuador 8 KONTAKT Friedrich-Ebert-Stiftung| Referat Lateinamerika und Karibik| Hiroshimastraße 28| 10785 Berlin Verantwortlich: Ulrich Storck, Referent für Brasilien, Uruguay, Gewerkschaften und Handel ulrich.storck@fes.de Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert­Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden.