KI-unterstützte Produktionen und demokratietaugliche algorithmische Vorschlagssysteme sollten inkludiert und auf Verlinkung mit anderen europäischen Anbietern aus gelegt sein. Vielfalt ist vielfältig zu verstehen: Heute sieht der öffentlich-rechtliche Auftrag darin besonders Vielfalt der Regionen und der Bevölkerungsgruppen, Gleichstellung von Frauen, Männern und nichtbinären Personen und In klusion von Menschen mit Behinderungen. Regional ist der ORF gut aufgestellt, und an der Barrierefreiheit aller AVMedieninhalte wird kontinuierlich gearbeitet – seit Kurzem auf einer besseren rechtlichen Grundlage(Seethaler 2025a). Der Anspruch an Vielfalt gilt allerdings für die soziale Viel falt im Programm ebenso wie in den Redaktionen und im Management. Eine für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rund funks mindestens ebenso entscheidende, gesetzlich bislang nicht festgeschriebene Dimension von Vielfalt betrifft die unterschiedlichen Vorstellungen demokratischen Zusam menlebens. Sie müssten als übergeordnete programmlei tende Orientierung verstanden werden. Andernfalls lässt sich weder demokratisch funktionale Kommunikation noch gesellschaftlicher Zusammenhalt langfristig sichern – und gesellschaftlicher Spaltung nicht(mehr) angemessen be gegnen. Dies erfordert verstärkte Anstrengungen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die bestehende Medienordnung hinausführen: hin zu einem Journalismus, der jenseits des klassischen„Objektivitätsideals“ durch konse quente Kontextualisierung und Vernetzung neue Formen der Teilhabe ermöglicht und fördert – einschließlich einer intensiveren Einbindung des Publikums in Programmge staltung und Produktion. Notwendig ist weiterhin die Etablierung einer erwei terten Kommunikationsordnung im Sinne möglichst offe ner Arenen, die zugleich als Foren für Vernetzung, Interak tion und kontinuierlichen Austausch fungieren. Eine solche Ordnung erfordert die Ausschöpfung aller technisch, orga nisatorisch und redaktionell verfügbaren Möglichkeiten, um echte„Public Connection“ zu vielfältigen demokrati schen Öffentlichkeiten zu stärken – und damit ein zu kunftsorientiertes Denken in plattformisierten, über natio nale Grenzen hinausreichenden offenen Kommunikations räumen, die mit den bisherigen Strukturen kaum mehr vergleichbar sind. Über die Autorin Maren Beaufort forscht am Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung(CMC) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften(ÖAW) und der AAU sowie zuletzt als Research Associate am Europäischen Hochschulinstitut(EUI). Seit 2016 ist sie am„EU Media Pluralism Monitor“(MPM) beteiligt und wirkt seit 2023 an den EU-vergleichenden Projekten„Local Media for Democracy“ (LM4D) sowie dem Horizon-Europe-Projekt„Mapping Media for Future Democracies“(MeDeMAP) mit. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der politischen Kommunikation, den Veränderungen von Kommunika tionsräumen in digitalen und analogen Kontexten, der demokratischen Informationsleistung und Desinformation, dem Nutzungsverhalten und der Information Literacy sowie den daraus resultierenden Prozes sen öffentlicher Meinungsbildung und deren Konsequenzen für Han deln und Verantwortung in demokratischen Systemen. Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Zeitstrahl – öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Österreich Abbildung 2: ORF-Gremien Abbildung 3: TV-Marktanteile der Österreichsender 2024 Literaturverzeichnis Arbeitsgemeinschaft Teletest – AGTT(2025): Teletest: Fernsehnutzung und Marktanteile nach Zielgruppen(Februar 2025). Beaufort, Maren(2020): Medien in der Demokratie – Demokratie in den Medien[Media in democracy – Democracy in the media], Hamburg: University Press. 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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk im Wandel : Herausforderungen und Perspektiven : ein Blick nach Österreich
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