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Herausforderungen und Chancen: Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI
Entstehung
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gefolgt von Das Erste(12,3 Prozent), einem Programm der ARD und RTL(8,2 Prozent). 78 Prozent der Bevölkerung hörten in 2025 mindestens einmal wöchentlich Radio. Es blieb damit die wichtigste Nutzungsart im Audiobereich, wobei bei Jüngeren Musik über Streamingdienste wie ­Spotify die beliebteste Audiogattung darstellte. Auf dem Radiomarkt dominierte die ARD mit 50,5 Prozent Markt­anteil, vor Regiocast und Bertelsmann. Streaming gewinnt insgesamt weiter an Bedeutung, besonders bei Jüngeren. 2024 lag YouTube mit einer Nutzung durch 42 Prozent der Gesamtbevölkerung vor Netflix(35 Prozent) und Prime ­Video(25 Prozent). Die Mediatheken von ARD und ZDF ­erreichten ebenfalls hohe Nutzungswerte und lagen zu ­sammen betrachtet vor den Angeboten privater Streaming­anbieter(ARD-Mediathek: 23 Prozent, ZDF-Mediathek: 21 Prozent). Auch soziale Netzwerke und Suchmaschinen sind zentrale Wettbewerber. 2024 wurde Instagram durch 26,3 Prozent, Facebook durch 22,9 Prozent und TikTok durch 11,5 Prozent der Gesamtbevölkerung täglich genutzt; die Google-Suche wurde täglich von 58,3 Prozent genutzt. Insgesamt verfügt der ÖRR trotz des Wandels durch die Digitalisierung aktuell weiterhin über eine stabile Marktposition, wobei Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Menschen zu verzeichnen sind. Eine zentrale Di ­mension ist dabei das Vertrauen der Bevölkerung in die ­Informationsangebote des ÖRR. Nachrichtenformate von ARD und ZDF zählen seit Jahren zu den als besonders glaubwürdig eingeschätzten Informationsquellen in Deutschland(Behre et al. 2025: 53). 4. Digitalisierung Der deutsche ÖRR befindet sich seit den 2000er Jahren in einem tiefgreifenden digitalen Transformationsprozess. ­Dabei wurde nach und nach das Telemedienangebot er­weitert, wobei verstärkt auf Mediatheken gesetzt wurde, um Inhalte online und on-demand zugänglich zu machen. Die genutzten Algorithmen sollen dabei dem öffentlichen Auftrag Rechnung tragen(ZDF 2024a). Parallel dazu set ­zen die ÖRR-Anstalten auf crossmediale Konzepte und verbreiten Inhalte auch über Plattformen wie YouTube, ­Instagram oder TikTok, um insbesondere jüngere Zielgrup ­pen zu er­reichen und Interaktivität bzw. Partizipation zu stärken(ARD 2017). Ein zentrales Projekt istFunk, das 2016 als gemeinsames Onlinenetzwerk von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige gestartet wurde und aufgrund hoher Abruf­zah­len und großer Reichweite als sehr erfolgreich gilt(ZDF 2025b). Auch im Bereich der Produktion und Distribution von Inhalten hat die Digitalisierung zu technischen und or ­ganisatorischen Veränderungen beim ÖRR geführt(FKTG 2024; ARD 2022). Zunehmend gewinnt der Einsatz von künstlicher Intelligenz(KI) an Bedeutung, etwa bei auto ­matisierter Clip-Erstellung, Bilderkennung, Recherche oder Personalisierung(Menzel 2026; WDR 2024; dfki 2025; ARD 2026a, 2024b; Die Zeit 2026). Im Januar 2026 haben ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio einen gemein ­samen KI-Kodex verabschiedet(Deutschlandradio 2026b). Im Februar 2026 wurden allerdings zunächst im ZDF und kurze Zeit später bei der ARD mit KI generierte Falschinfor ­mationen verbreitet, was zu breiter öffentlicher Kritik führ ­te(ZDF 2026; Hanfeld 2026). 5. Gesellschaftliche und politische Diskurse Die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen über den deutschen ÖRR werden von mehreren Narrativen ge ­prägt. Ein positives Narrativ betont die Unabhängigkeit, Qualität und Vielfalt des Angebots. Der ÖRR wird hier als Garant für objektive Information, Bildung und kulturelle Teilhabe verstanden. Insbesondere in Zeiten zunehmender Medienfragmentierung und der Verbreitung von Desinfor­mation gilt der ÖRR vielen Bürger:innen zudem als Institu ­tion, die gesellschaftliche Verständigung und Zusammen ­halt fördert(Zusammenhaltsstudie 2025). Demgegenüber existieren kritische Narrative. Kriti ­ker:innen bemängeln hohe Gebühren, komplexe Verwal ­tungsstrukturen und politische Voreingenommenheit, wo­bei Studien zeigen, dass der ÖRR nicht tendenziöser be ­richtet als private Medien(Maurer et al. 2024). Negative Narrative werden verstärkt von Teilen der politischen Rech ­ten und privaten Plattformanbietern verbreitet, die den ÖRR häufig alsstaatlich gelenktes Medium diffamieren (Deutschlandfunk 2021). In diesem Zusammenhang sieht sich der ÖRR zunehmend Angriffen ausgesetzt, die häufig online über Social Media, Kommentare oder Blogs erfolgen ( MDR Sachsen-Anhalt 2025; Deutschlandfunk 2021; WDR 2025). Die ÖRR-Anstalten reagieren hierauf mit unter ­schiedlichen Strategien z. B. Fact-Checking, Kooperationen gegen Desinformation und der Stärkung der Resilienz der Mitarbeiter:innen(Deutschlandfunk 2024; ARD 2025b; Deutschlandfunk 2017; Gasteiger 2019). Eine weitere Debatte betrifft die Kritik von Presse ­verlegern an textlastigen Telemedienangeboten der ÖRR­Anstalten, wie etwa tagesschau.de. Private Medienhäuser sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung und fordern daher eine Begrenzung öffentlich-rechtlicher Onlineinhalte auf audio- und videobasierte Formate(beck-aktuell o. J.). Mit der jüngsten Reform des MStV wurde das sogenannteVer ­bot der Presseähnlichkeit dahingehend weiter präzisiert und faktisch verschärft. 18 Ein weiterer Diskussionspunkt ist schließlich die Prä ­senz öffentlich-rechtlicher Inhalte auf Plattformen wie You ­Tube, Instagram oder TikTok. Die Sender begründen dies mit ihrem Reichweitenauftrag, Kritiker:innen sehen jedoch eine Abhängigkeit von globalen Plattformunternehmen so­wie eine Schwächung der eigenen Markenbindung. Nut ­zungsdaten und Werbeerlöse flössen primär an die Platt ­formbetreiber, während der beitragsfinanzierte ÖRR Inhalte 18 Siehe§ 30 Absatz 7 MStV. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa Deutschland 5