kostenfrei zuliefere(Fanta 2022; Seitler 2024). Parallel dazu wird kritisiert, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bislang selber keine eigenständigen Plattformen mit Interaktionsmöglichkeiten etabliert haben. Zwar exis tieren Mediatheken und Apps, doch sind diese primär als Distributionskanäle für audiovisuelle Inhalte konzipiert und weniger als dialogische Räume mit Funktionen für die In teraktion der Nutzer:innen miteinander(EPD Medien 2025). 6. Erfüllung des gesetzlichen Auftrags Um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, 19 bietet der ÖRR ein umfassendes Angebot unterschiedlicher Inhalte und Formate, wobei er bemüht ist, ein breites gesellschaftliches Spektrum abzubilden. Die föderale Struktur der ARD mit ihren Landesrundfunkanstalten stärkt dabei regionale Iden titäten und Themen. In den Redaktionen und der sonstigen Belegschaft wird verstärkt auf Diversität geachtet(ARD 2026b). Ihren Informations- und Bildungsauftrag erfüllen die ÖRR-Anstalten unter anderem durch dokumentarische und gesellschaftspolitische Formate, schulbezogene Initia tiven wie„ARD macht Schule“ und„ZDF macht Schule“ so wie Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz (ARD 2020; ZDF 2026b; ARD 2026c). Die Programme von ARD und ZDF bieten umfangreiche barrierefreie Angebote durch Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprachdolmetschung(ZDF o. J.a). Zunehmend werden Inhalte in einfa cher Sprache angeboten, etwa Nachrichten in leichter Spra che beim Deutschlandfunk(Deutschlandfunk o. J.). Um Partizipation zu ermöglichen und Rückmeldun gen systematisch in die Programmarbeit einfließen zu las sen, wurden in den vergangenen Jahren verstärkt Dialog formate mit dem Publikum und öffentliche Diskussionsveranstaltungen eingerichtet, wie etwa der Zukunftsdialog der ARD(ARD 2025c; 2024b). III. Fazit und Ausblick Der ÖRR in Deutschland steht vor der Aufgabe, seinen gesetzlichen Auftrag unter stark veränderten Bedingungen des digitalen Informationsökosystems zu erfüllen. Globale Plattformen, soziale Medien und Streamingdienste prägen zunehmend die Verbreitung und Wahrnehmung medialer Inhalte. Hinzu kommt mit KI-gestützten Informationssystemen eine neue Form der Konkurrenz: Chatbots und automatisierte Zusammenfassungen bündeln Inhalte und verschieben Aufmerksamkeit von originären journalisti schen Angeboten hin zu technologischen Intermediären (Schmalzried 2025). Für den ÖRR stellt sich damit insbe sondere die Herausforderung, Sichtbarkeit und Reichweite seiner Inhalte zu sichern. Die hohen Nutzungszahlen der Mediatheken von ARD und ZDF zeigen, dass öffentlich-rechtliche Angebote aktuell im digitalen Wettbewerb relevant bleiben. Eine Möglichkeit, um diese Position zu stärken, könnte die Weiterentwicklung eigener digitaler Infrastrukturen sein (Dobusch 2019). Erste Experimente, etwa die Teilnahme von ARD und ZDF am internationalen Projekt Public Spaces Incubator, zeigen, dass die Anstalten in interaktiven Angeboten ein potenzielles Innovationsfeld für den ÖRR sehen(ZDF 2024b, 2024c). Angesichts der Marktmacht globaler Plattformen könnten darüber hinaus Kooperatio nen mit anderen gemeinwohlorientierten Medien 20 bei Technologieentwicklung oder Infrastruktur strategische Vorteile schaffen. Ein Beispiel für solch eine Kooperation ist die Zusammenarbeit öffentlich-rechtlicher bzw. gemein wohlorientierter Medien im Rahmen der European Broadcasting Union(EBU) bei der Entwicklung gemeinsamer Standards und Plattformen für digitale Angebote. Eine hieraus hervorgegangene kooperative Infrastruktur ist die von der EBU betriebene Plattform Eurovision Sport, bei der öffentlich-rechtliche Medien gemeinsam Streaminginfrastrukturen und digitale Angebote für Sportinhalte entwickelt haben und bereitstellen(Eurovision Sport o. J.; Polywka 2024). Ein weiteres Beispiel stellt das oben bereits benannte Projekt Public Spaces Incubator dar, in dem meh rere öffentlich-rechtliche Medien gemeinsam offene Technologien für moderierte Onlinediskussionsräume entwi ckeln, um Alternativen zu kommerziellen Plattformen zu bieten( ZDF o. J.b; Public Media Alliance o. J.). Zugleich werfen mögliche finanzielle Einschränkun gen die Frage auf, inwieweit der ÖRR seinen umfassenden Auftrag – der neben Information auch Kultur, Bildung und Unterhaltung umfasst – künftig in gleicher Breite erfüllen kann und soll. Gerade in einer von kommerziellen Aufmerk samkeitslogiken geprägten digitalen Öffentlichkeit könnte eine Schwächung des ÖRR allerdings den Verlust eines am Gemeinwohl orientierten medialen Gegengewichts bedeuten, mit potenziell signifikanten Konsequenzen für die Ge sellschaft. Neben der finanziellen Grundlage stellt sich zudem auch die Frage der zukünftigen Legitimation des ÖRR. Hier könnten digitale Beteiligungsformate und erweiterte partizipative Angebote eine Möglichkeit darstellen, Steuerungs- und Aufsichtsstrukturen zu öffnen und die ge sellschaftliche Verankerung des ÖRR langfristig zu stärken (Rössler 2018: 65). 19 Siehe§ 26 MStV. 20 Unter gemeinwohlorientierten Medien werden dabei insbesondere solche Medienorganisationen verstanden, die nicht primär gewinnorientiert arbeiten, sondern sich einem öffentlichen Auftrag, journalistischen Qualitätsstandards und der Bereitstellung von Informationsangeboten im Interesse der Allgemeinheit verpflichtet sehen. Im internationalen medienpolitischen Diskurs wird hierfür häufig auch der Begriff„Public Service Media“ verwendet, der vielfach als Bezeichnung für öffentlich-rechtliche Rundfunksysteme in anderen Ländern dient, weil nicht immer eine öffentlich-rechtliche Rechtsnatur der jeweiligen Organisationen vorliegt. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Deutschland 6
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Herausforderungen und Chancen: Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI
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