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Loya Jirga in Afghanistan : Frieden mit alten Gesellen?
Entstehung
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lassen, akzeptieren das Bonner Abkommen nicht und stören den politischen Prozess, wo es ihnen möglich ist. Die Konfliktbewältigung wird zudem nicht einfacher dadurch, dass eine Bürgerkriegsfraktion für ihren (maßgeblich der internationalen Anti-Terror-Allianz geschuldeten) Sieg belohnt wurde und nun zusätzlich zu der militärischen auch noch die politische Macht erhält. Die ehemaligen Widerstandskämpfer verfügen weiter über Waffen und ihre alten Klientelsysteme. Worüber sie nicht verfügen ist die Expertise, wie ein Land politisch geführt werden sollte. Das Ergebnis ist, dass in einigen Ministerien Personen arbeiten, die sich schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben und in die die Bevölkerung kein Vertrauen hat. Außerdem ist es wenig ermutigend, wenn zum Bei­spiel in einem Ministerium Dutzende Anfang 20­jähriger derselben ethnischen Gruppe wie der Minister Schlüsselpositionen innehaben, ohne einen Computer bedienen zu können. Viel wichtiger wäre es jedoch, dass auf der Arbeitse­bene Leute säßen, die über Politikkenntnisse und Verwaltungserfahrung verfügen. Insbesondere die Exilafghanen mit ihren im Ausland erworbenen Erfah­rungen könnten auf diesen Positionen in der zweiten und dritten Reihe eine wichtige Rolle spielen, bisher jedoch sind sie in einer verschwindend geringen Zahl anzutreffen. Viel systematischer müsste der afghani­schen Regierung diese Expertise zugeführt werden, was auch als entwicklungspolitische Aufgabe der gastgebenden Staaten des Exils begriffen werden sollte. Schwierig in diesem Prozess ist zudem das auch alt­bekannteBäumchen-wechsle-dich" Spiel vieler örtli­cher Kommandanten, die ihre Loyalitäten wechseln wie andere ihre Hemden. Heute noch mit einer islami­stischen Partei verbündet, entpuppen sie sich am nächsten Tag als Königsanhänger. Oder andersher­um, je nach dem, welches Fähnchen gerade beson­ders attraktiv flattert. Ein anderes Spiel heißt:Wer nicht mein Freund ist, arbeitet für den feindlichen Ge­heimdienst." Gerüchte fliegen durch die Luft. Der Nicht-Freund wird verdächtigt, entweder mit dem CIA, dem pakistanischen, iranischen oder afghanischen Geheimdienst, oder auch der Drogenmafia, den Isla­misten, den Kommunisten oder anderen Gegnern zu arbeiten. Hierbei handelt es sich um im Kern destruk­tive Verdächtigungen, schwere Stolpersteine, die die so dringend nötigen vertrauensbildenden Maßnahmen für den Prozess eines Staatsaufbaus behindern. Und die demokratischen Kräfte? Inzwischen ist deutlich, dass zwei der vier bei der Bonner Konferenz vertretenen Gruppen eine von den VN und den USA zusammengewürfelte Truppe, die nicht tatsächliche Einflusssphären innerhalb Afghani­stans widerspiegeln, waren. Sie befriedigten lediglich die Interessen der Nachbarstaaten, namentlich für Pakistan die Peshawar-Gruppe und für Iran die Zy­pern-Gruppe. Gefehlt hat hingegen eine offizielle Vertretung der demokratischen Gruppierungen, die weiterhin sehr aktiv versuchen, sich in das politische Geschehen zu integrieren. Im Gegensatz zu den anderen Fraktionen haben sie jedoch wenig Unterstützung von außen. Positiv zu bewerten ist ihr breites Spektrum. Von Ver­tretern der Verfassungsbewegung( mashrutiyyat), die es seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt, über ehemalige Kommunisten bis hin zu den demo­kratischen Flügeln der Nordallianz und der Königsan­hänger treten sie nun miteinander in Dialog. Als Hoff­nungsträger können sich auch die Vertreter der unab­hängigen lokalen Ratsversammlungen aus dem gan­zen Land fühlen, die sich in der shura-ye qaumi melli (Nationaler Stammesrat) zusammengeschlossen ha­ben. Vier dieser Gruppen, die seit Jahren zwangsläufig nur im Untergrund agieren konnten, haben sich vor kur­zem mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit gewagt. In den 80er und 90er Jahren mussten einige der Anführer dieser Bewegung ihr politisches Enga­gement mit dem Tod bezahlen. Teile dieser Gruppen haben jedoch auch Vorbehalte gegeneinander, so dass sie erst einmal eine gemeinsame Plattform erar­beiten müssen. In Ansätzen gibt es solche Arbeitser­gebnisse schon. Obwohl sie nicht an der Macht in Kabul beteiligt sind, unterstützen sie das Bonner Ab­kommen. Jahrelang haben sie für die Demokratisie­rung ihres Landes gekämpft und zahlreiche Konzepte analog dem"Fahrplan zur Demokratie" entwickelt. Zu hoffen ist, dass in Zukunft die demokratischen Grup­pen von der internationalen Gemeinschaft als Frie­denskapazitäten stärker entdeckt und gefördert wer­den. Kabul Mekka der Hilfsorganisationen Ein anderes Problem ist, dass sich in Kabul Hunderte von Hilfsorganisationen aus aller Herren Länder tum­meln. Zum Teil gibt es sogar Konkurrenzen bei der Unterstützung bestimmter afghanischer Nichtregie­rungsorganisationen(NGOs), die sich einen Zugang zu der internationalen Hilfscommunity verschaffen konnten. Dieser funktioniert vor allem über englische Sprachkenntnisse und die Präsenz in den Vierteln Kabuls, in denen auch die Ausländer verkehren. In anderen Vierteln der Stadt, die als für Ausländer unsi­cher gelten, herrscht dieselbe Armut und humanitäre - 4-