1. Im ersten Kapitel geht es um die Frage: Was ist Geschlecht? Es werden Dimensionen von Geschlecht vorgestellt und traditionelle Geschlechterkonzepte mit alternativen Geschlechterkonzepten konfrontiert. 2. Im zweiten Kapitel wird am Beispiel der Familie und des Arbeitsmarktes deutlich gemacht, dass Gender nicht nur eine Kategorie zur Beschreibung von Personen ist, sondern dass Gender auch ein konstitutives Merkmal von gesellschaftlichen Strukturen ist und politische Strategien leitet. 3. Im dritten Kapitel werden geschlechterpolitische Zielsetzungen formuliert, die den alternativen Vorstellungen von Geschlecht entsprechen. 4. Im vierten Kapitel wird die Debatte um verschiedene geschlechterpolitische Strategien aufgenommen. Antidiskriminierungsstrategien, Gender Mainstreaming und Managing Diversity werden auf ihre Reichweite hin analysiert. 1. Was ist Geschlecht? Dekonstruktive Erläuterungen Vielfach wird Gender Mainstreaming als ein Verfahren angesehen, mit dem die Auswirkungen von bestimmten Vorhaben auf Männer und Frauen geprüft werden sollen. Für eine solche Prüfung werden dann Statistiken erstellt, die nach dem Merkmal„Frauen“ und„Männer“ aufbereitet sind. Ein solches Zählen(counting) nach dem biologischen Geschlecht(sex) ist jedoch nur die erste Stufe. In einem zweiten Schritt müssen die Befunde im Rahmen von Genderanalysen interpretiert werden, die bereits bei der Fragestellung das vorhandene Wissen aus der Frauen-, Männer- und Geschlechterforschung mit aufnehmen. Dazu gehören auch geschlechtertheoretische Erkenntnisse, denn sie bieten eine Hilfe, die eigenen Vorannahmen, die oft unausgesprochen hinter der Interpretation von Befunden stehen, deutlich und damit diskutierbar zu machen. So kann etwa das Ziel„Geschlechtergerechtigkeit“ so ausgelegt werden, dass jedem das Seine und jeder das Ihre zu geben sei: Dann ist es ein geschlechterpolitisches Ziel, dass sich Männer in ihrer Männlichkeit weiter entwickeln können und dass sich Frauen in ihrer Weiblichkeit verwirklichen können. Eine solche Zielsetzung setzt auf die Gerechtigkeit für zwei verschiedene Geschlechter, die in ihrer jeweiligen Eigenheit zu berücksichtigen sind. Viele Differenzen zwischen den Geschlechtern werden gerade deswegen aufrecht erhalten, viele Mechanismen deshalb nicht abgebaut, weil ihnen die dahinter liegenden Vorstellungen von den beiden Geschlechtern und Vorstellungen von der Differenz geradezu entsprechen. Allein schon die Frage, was ist eigentlich„Geschlecht”, wird viele befremden. Nichts erscheint sicherer als die Tatsache, dass jedes Individuum ein Geschlecht hat und dass es Männer und Frauen gibt. Das Alltagsverständnis über Geschlecht basiert jedoch auf Annahmen, die durch die neuere geschlechtertheoretische Debatte und durch viele empirische Befunde infrage gestellt werden(vgl. Stiegler 2002, S. 17 – 23). 1.1 Kritik am Biologismus: Geschlecht ist nur durch verschiedene Dimensionen zu erfassen Die Annahme, dass Geschlecht eine rein biologische Tatsache des Menschseins sei und die Geschlechter sich in zwei verschiedene Gruppen differenzieren, findet sich immer wieder und ist sehr verbreitet. Die katholische Kirche spricht in ihrem„Schreiben an die 6
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Geschlechter in Verhältnissen : Denkanstöße für die Arbeit in Gender Mainstreaming Prozessen
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