Desire wird nicht als lebenslange heterosexuelle Bindung eines Mannes an eine Frau verstanden, sondern vielfältiger gelebt. Die biologischen Funktionen des Zeugens und Gebärens sind zur Bildung einer Familie nicht konstitutiv. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften gibt es in jedem Alter und in allen sozialen Schichten. In den letzten Jahren werden sie gesetzlich abgesichert, wenn sie bisher auch nicht in materieller Hinsicht der Ehe gleichgestellt sind. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind alternativ sowohl im Bezug auf Sex: die körperlichen Funktionen des Zeugens und des Gebärens sind für diese Gemeinschaft nicht konstitutiv, als auch im Bezug auf Desire: eine homosexuelle Beziehung ist die Basis der Gemeinschaft. Regenbogenfamilien überschreiten am deutlichsten die traditionellen Familienvorstellungen: gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern. Die Kinder sind in der Regel aus einer früheren Beziehung eines Partners/einer Partnerin, sie können aber auch innerhalb der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft von Frauen bewusst gewollt und geboren worden sein. Die Paarbildung richtet sich nicht nach dem biologisch gekennzeichneten Geschlecht, die Arbeitsteilung wird ebenfalls nicht über die Geschlechtszugehörigkeit geregelt. Die Qualität der Beziehung steht im Vordergrund. Die Kinder in diesen Familien leben mit einer Vielfalt von Rollenvorbildern, die nicht durch das Geschlecht geprägt sind, sondern von den individuellen Stärken und Schwächen. Diese Familienform ist in Gender, Sex und Desire ein alternatives Muster zu der traditionellen Familie. 2.2 Beispiel: Strategien gegen die geschlechtliche Teilung des Arbeitsmarktes Auch geschlechterpolitische Strategien lassen sich anhand der in den Übersichten dargestellten Vorstellungen analysieren. Von besonderer Bedeutung ist hier, ob alle drei Faktoren der Geschlechterverhältnisse(Dualität, Polarität und Hierarchie) in gleichem Maße abgebaut werden. Strategien wie Frauenförderung und Quotierung wollen vor allem die Hierarchie zwischen den Geschlechtern verändern, während sie die Dualität oder Polarität unangefochten lassen. Um die Hierarchie aber wirklich und langfristig abbauen zu können, müssen Strategien auch die Dualität und die Polarisierungen infrage stellen und aufzulösen imstande sein. Nur wenn man mit geschlechterpolitischen Strategien • die starre Grenzziehung zwischen Männlichem und Weiblichem auflösen und damit die Dualität zu überwinden beginnt, • die Konturierung von Männlichem und Weiblichen als Opposition und Gegensätzliches verblassen lässt und damit die Polarisierung aufzulösen beginnt, kann der Versuch, die Hierarchie zwischen Männlichem und Weiblichem abzubauen, gelingen. Dualität und Polarität sind die tragenden Pfeiler der Hierarchie und stabilisieren sie. Zur Konkretisierung werden im Folgenden verschiedene Strategien gegen die geschlechtliche Segregation auf dem Arbeitsmarkt analysiert. Sie alle haben das Ziel der Gleichstellung von Männern und Frauen durch den Abbau der Segregation, also der Trennung der Erwerbsarbeitsmärkte in Sektoren und Berufe für Frauen und Männer. Es wird deutlich werden, dass nicht nur Hierarchien, sondern auch die Dualität und die Po20
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Geschlechter in Verhältnissen : Denkanstöße für die Arbeit in Gender Mainstreaming Prozessen
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