Druckschrift 
Verbotene Hilfe : Rettung für Juden in Deutschland 1941 - 1945 ; Vortrag, gehalten auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Verbindung mit dem Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" am 28. September 2004 in Bonn
Entstehung
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15 wenngleich dies nicht in allen Fällen eindeutig feststellbar ist. Ich möchte im Folgenden drei Kategorien unterscheiden: Zivilcourage und solidarisches Handeln als konstantes Verhalten Ein kleinerer, aber prägnanter Teil der Helfer gehörte zu denen, die von Anfang an keine Zweifel am verbrecherischen Charakter des NS-Regimes hegten, die Anzeichen für das Schicksal der Ju­den zu deuten wussten und früh die Initiative zur Unterstützung der Verfolgten ergriffen. Sie waren oft diejenigen, die besonders effektiv, etwa aufgrund ihrer beruflichen Situation, nicht nur ei­nem, sondern mehreren Verfolgten Hilfe leisten konnten. Helene Jacobs, langjährige Kanzleiangestellte eines jüdischen Patentanwalts, gehörte seit 1934 der Bekennenden Kirche in Ber­lin-Dahlem an. 1940 schloss sie sich einer überwiegend aus Frauen bestehenden, theologisch ausgerichteten Gruppe an. In diesem Kreis organisierte Helene Jacobs einePaket-Aktion mit Le­bensmitteln und Kleidung für die bereits 1940 nach Lublin(Polen) deportierten Stettiner Juden, eine couragierte und solidarische Reaktion auf die nationalsozialistische Judenverfolgung und gleichsam eine Vorstufe zu späteren riskanteren Rettungsaktivitä­ten. Nachdem seit Ende Oktober 1941 auch Transporte mit Berliner Juden in den Osten abfuhren, bat Dr. Franz Kaufmann, evangeli­scher Christ undNichtarier, die Mitglieder des Arbeitskreises,