Nepal zwischen königlicher Machtpolitik und maoistischem Aufstand: Niedergang von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten von Karl-Heinz Krämer, Südasien-Institut, Universität Heidelberg, 25. August 2005 Am 1. Februar 2005 hat König Gyanendra mit Unterstützung der Armee zum zweiten Mal innerhalb von 28 Monaten eine von Sher Bahadur Deuba geleitete Parteienregierung abgesetzt und selbst die exekutive Gewalt übernommen. Dieser Putsch wurde durch eine drastische Einschränkung der Grund- und Freiheitsrechte, die Verhaftung zahlreicher Politiker, Journalisten, Menschenrechtler, Studenten und Akademiker und die Wiederbelebung konservativer Strukturen und Elemente aus der längst tot geglaubten Panchayat-Zeit(1961-90) abgesichert. Trotz einer fast weltweiten Verurteilung seines Staatsstreichs ist König Gyanendra bisher von seinem autokratischen Weg nicht abgewichen. Er hat bei seiner Machtergreifung erklärt, es gehe ihm nur um die Beendigung des maoistischen Aufstands und die Wiederherstellung von Frieden und Demokratie. Doch seine Maßnahmen und Verhaltensweisen widersprechen dieser Aussage. Hinsichtlich der Friedensschaffung setzt er ausschließlich auf eine militärische Lösung, die nach Meinung der Experten jedoch schon lange nicht mehr möglich ist. So hat sich außerhalb der Hauptstadt Kathmandu auch nach der königlichen Machtergreifung nichts verändert; im Gegenteil, die Maoisten zeigen immer wieder, dass sie fast im gesamten ländlichen Raum Nepals in der Lage sind, der königlichen Armee die Stirn zu bieten. Nur im Umfeld der DistriktHauptorte gibt es insulare Welten staatlicher Kontrolle, die durch starke Militärpräsenz abgesichert werden. Aber auch letztere ist keine wirkliche Garantie, wie der verheerende maoistische Angriff auf ein Militärlager in Kalikot vom 8. August 2005 einmal mehr bewiesen hat. Die Maßnahmen des Königs seit dem 1. Februar zielen nicht auf eine Wiederherstellung von Demokratie und Menschenrechten ab, sondern vielmehr auf ihre Abschaffung oder Einschränkung. Offensichtlich will König Gyanendra die Fortdauer des maoistischen Aufstands nutzen, um seine eigenen Machtinteressen durchzusetzen. Die junge, noch schwächelnde nepalesische Demokratie wird heute sowohl durch den maoistischen Aufstand als auch durch die Machtbestrebungen des Königs gefährdet. Maoisten und Monarchie verfolgen ihre Ziele ohne Rücksichtnahme auf die zivile Bevölkerung. Es soll nachfolgend analysiert werden, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, welche direkten Auswirkungen der königliche Putsch hat und welche Perspektiven sich Nepal bieten. Historische Fehlentwicklungen Für ein Verständnis der heutigen Krise und ihrer Ursachen ist ein Blick in die Geschichte des Landes erforderlich. Der moderne Staat Nepal wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von der königlichen Shah-Familie von Gorkha durch Unterwerfung der zahlreichen Kleinstaaten und ethnischen Siedlungsgebiete geschaffen, die damals auf dem Territorium des heutigen Nepal existierten. Der anschließende Prozess der politischen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Einigung bedeutete keine Integration der gewaltsam
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Nepal zwischen könglicher Machtpolitik und maoistischem Aufstand : Niedergang von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten
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