tenreaktion sein, die am meisten die Zivilbevölkerung treffen würde. Zivilgesellschaft und Perspektiven einer Konfliktlösung Einen Hoffnungsschimmer bietet in den letzten Wochen der zunehmende Druck aus der Zivilgesellschaft. Einige herausragende Persönlichkeiten wie Devendra Raj Pandey, Mathura Prasad Shrestha und Kanak Mani Dixit haben es verstanden, zumindest im städtischen Bereich des Kathmandutals eine Bewegung zu gründen, die die Problematik aus Sicht der betroffenen Zivilbevölkerung angeht. Bei der ersten großen Veranstaltung dieser “Citizen’s Movement for Democracy and Peace” am 25. Juli zeigte die königliche Regierung Härte und ließ zahlreiche führende Aktivisten verhaften. Doch schon bei der zweiten Großkundgebung am 5. August hielten sich die Sicherheitskräfte zurück. Auch die Führer der politischen Parteien hatten erkannt, dass sich hier eine wichtige neue Kraft etablierte und zeigten Präsenz. Anders als bei den von ihnen organisierten Massenveranstaltungen waren sie aber nur Beobachter am Rande; die Hauptredner waren andere. Diese sprachen auch nicht von einer Rückkehr zur Demokratie, die im Nepali gewöhnlich mit dem Wort„prajatantra“ übersetzt wird, sondern von „loktantra“, der Herrschaft des Volkes. Sie machten deutlich, dass sie sich für die Zukunft eine politische Ordnung wünschten, in der die Macht und Souveränität ein für alle Mal in den Händen des Volkes blieb und nicht vom jeweiligen König mal gewährt und dann wieder genommen werden könnte. Viele dieser Aktivisten teilen die Auffassung großer Teile der Studenten und der jüngeren, reformfreudigeren Kreise der Parteipolitiker, welche die Zeit reif sehen für die Einführung einer republikanischen Staatsordnung. Aber es gibt durchaus auch zivile Kreise, die der Monarchie noch eine Zukunft rein zeremonieller Art einräumen. Die Diskussion über die Abschaffung der Monarchie wurde durch die Machtergreifung Gyanendras vom 4. Oktober 2002 ausgelöst und durch seinen Putsch vom 1. Februar immer mehr zum Leitthema. Die Nation wurde geradezu gespalten; wer nicht diskussionslos die Schritte und Anordnungen des Königs akzeptierte, wurde vom Umfeld der Monarchie als antinationalistisch und staatsfeindlich abgetan. Diese Haltung hat dazu beigetragen, dass sich heute viele Menschen in Nepal durchaus eine Zukunft ohne Monarchie vorstellen können. Dies ist etwas, das am Ende der Demokratiebewegung von 1990 noch unvorstellbar war; nicht einmal die kommunistischen Parteien bestanden damals auf einer völligen Abschaffung der Monarchie, wenngleich viele linke Parteien bis heute die Republik als angestrebte Staatsform in ihren Parteistatuten stehen haben. Ursächlich für diesen gewaltigen Meinungsumschwung ist einzig und allein das Verhalten König Gyanendras seit seiner Thronbesteigung im Juni 2001. Dieser Meinungsumschwung hat kurzfristige und langfristige Auswirkungen. Kurzfristig ermöglicht er eine erneute Chance zum Dialog mit den Maoisten. Die in diesen Tagen erklärte Bereitschaft der politischen Parteien zum von den Maoisten angebotenen Dialog und einer möglichen gemeinsamen Bewegung gegen die Machtbestrebungen der Monarchie setzen letztere unter Druck. Während die königliche Regierung noch versucht, die Parteien von einer Kooperation mit den Maoisten abzubringen, hat Gyanendra offensichtlich den Ernst erkannt; zumindest schrieb die den Maoisten nahestehende Zeitung Janadesh am 25. August, dass Gyanendra nach seiner Rückkehr von der Vollversammlung der Verein11
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Nepal zwischen könglicher Machtpolitik und maoistischem Aufstand : Niedergang von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten
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