FES-Analyse: USA 3 Die Themen des Wahlkampfes Auch in diesem Wahlkampf geht es um eine Vielzahl von Themen. Dazu gehören lokale und regionale Belange und Schwerpunkte ebenso wie die Persönlichkeiten und politischen Bilanzen einzelner Amtsinhaber und Kandidaten. Anders als bei den regionalen Wahlen jedoch spielen die großen nationalen Themen eine erhebliche Rolle; die ökonomische Lage des Landes ebenso wie die aktuellen innen- und außenpolitischen Fragen. Dazu gehört auch das Thema der illegalen Immigration, das schon seit längerem auf der Agenda der Bush-Regierung und des Kongresses steht. Aus republikanischer Sicht eignet es sich jedoch nur bedingt zur Polarisierung im Wahlkampf. Denn die Republikaner sind in Bezug auf den Umgang mit den illegalen Immigranten, die insbesondere aus Mexiko kommen, selbst gespalten. Im republikanischen Lager steht eine nationalnationalistische Rechte gegen eine wirtschaftsliberalkosmopolitische Strömung. Während die einen fordern, die Grenzen dicht zu machen und hart gegen illegale Immigration vorzugehen, suchen die anderen nach neuen Wegen, Alternativen zur illegalen Immigration zu entwickeln und die illegal im Lande lebenden Migranten zu legalisieren. George W. Bush hat sich, insbesondere auch mit Blick auf die immer wichtiger werdenden Wählerstimmen der aus dem Süden stammenden Einwanderer, für einen liberalen Kurs eingesetzt. Im Vorfeld der Wahlen jedoch haben sich die Republikaner im Kongress zu einer harten Linie durchgerungen. Insbesondere wurde der Bau eines Zaunes an der mexikanischamerikanischen Grenze beschlossen, um die Einwanderung von illegalen Immigranten zu verhindern. Präsident Bush hat dem zugestimmt, aber zugleich erklärt, er sehe die Maßnahmen nur als einen Zwischenschritt hin zu einer umfassenden Regelung der Migrationsfragen. Dass die Republikaner im Kongress eine harte Haltung gegenüber illegaler Immigration eingenommen haben, liegt an ihrer Wahlkampfstrategie. Denn das übergreifende Thema, mit dem die Republikaner hoffen, die erwarteten Verluste einzudämmen, ist die Nationale Sicherheit. Dazu gehört auch die Sicherheit der Grenzen, wie republikanische Kongressabgeordnete immer wieder betont haben. Ein weiteres Mal, nach 2002 und 2004, versuchen die republikanischen Strategen, die Kongresswahlen mit dem Thema Nationale Sicherheit zu gewinnen. Eine Alternative dazu haben sie nicht: Die Verteidigung des Landes gegen Terrorismus ist das einzige wichtige Politikfeld, in dem die Republikaner in den Umfragen noch vorne liegen; in allen anderen Feldern gibt es eine Mehrheit für die Demokraten. Dementsprechend bemühen sich die Republikaner im Vorfeld der Novemberwahlen zum einen, alles zu tun, um das Image zu bestätigen, nur sie seien in der Lage, Amerikas Sicherheit zu gewährleisten. Zum anderen nutzen sie jede Gelegenheit, um die Demokraten als unverantwortlich in Fragen der Nationalen Sicherheit darzustellen. Nationale Sicherheit ist ein umfassender Begriff, er beinhaltet die Innere Sicherheit(Homeland Security) und weite Bereiche der Außen- und Sicherheitspolitik, darunter den global geführten„Krieg gegen den Terror”. Auch die Demokraten setzen in diesem Kongresswahlkampf auf ein außenpolitisches Thema, den Irak-Krieg. Angesichts des gesunkenen und offenbar weiter sinkenden Vertrauens der amerikanischen Öffentlichkeit in die Irak-Politik der BushRegierung versuchen die Demokraten, die Novemberwahlen zu einer Abstimmung über die Irak-Politik des Präsidenten zu machen. Die Kernbotschaft der Demokraten lautet, dass der Irak-Krieg Amerika nicht sicherer, sondern unsicherer gemacht habe. Es sind also die„harten” Sicherheitsfragen, die den Wahlkampf dominieren. Von den„weichen” Werte-Themen hingegen ist kaum etwas zu sehen. Weder das Thema Abtreibung noch das Thema Homosexuellen-Ehe spielt eine Rolle; sie sind auf der Agenda ganz weit nach unten gerutscht. Denn was die amerikanische Öffentlichkeit beunruhigt, sind existenziellere Fragen: Wie groß ist die Terror-Gefahr? Trägt der„Krieg gegen den Terror” tatsächlich dazu bei, Amerika sicherer zu machen? Welche Folgen hat der Irak-Krieg für amerikanische Sicherheit? Und bei welcher Partei ist die Sicherheit Amerikas in besseren Händen? Welche Rolle das Thema Irak bei den Kongresswahlen am 8. November spielen könnte, wurde erstmals deutlich bei den Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat Connecticut Anfang August. Der prominente demokratische Senator Joseph I. Lieberman
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