FES-Analyse: USA 5 Die Demokraten im Zwiespalt Die vor allem im Nordwesten der USA verbreitete, massive Anti-Kriegs-Stimmung bringt die Demokraten in die Bredouille. Lassen sie sich zu sehr auf den Kurs der linken Anti-Kriegs-Aktivisten ein, riskieren sie die Stimmen der Wähler in der Mitte und öffnen die Flanke für die Kampagne der Republikaner, die ihnen Unzuverlässigkeit in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik vorwirft. Und selbst wenn sie dank der Anti-Kriegs-Stimmung im November gewinnen könnten, würde sich dies, im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2008, als Phyrrussieg erweisen. Denn nur wenn die Demokraten Härte und Standfestigkeit im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik beweisen, können sie die Wähler der Mitte dauerhaft auf ihre Seite ziehen. Die taktische Herausforderung für die Demokraten besteht daher darin, beides zu tun- die linken Wähler bei der Stange zu halten und die moderaten Anhänger nicht zu verprellen. Auf keinen Fall dürfen sie die Flanke für die Republikaner öffnen. Deren taktisches Ziel besteht nämlich darin, die Demokraten mit dem linken Anti-Kriegs-Kurs zu identifizieren, sie als die Partei des verantwortungslosen schnellen Abzugs(„cut and run”) darzustellen. Tatsächlich sind sich die Demokraten in Bezug auf die Irak-Politik keineswegs einig, wie die Konkurrenz zwischen zwei Demokraten um die Senatskandidatur in Connecticut sehr deutlich gezeigt hat. Im Kongress haben viele Demokraten oft mit den Republikanern gestimmt, wenn es um die Fortführung des Irak-Engagements ging. Für beide Strömungen stehen politische Schwergewichte der Partei. John Kerry repräsentiert die Minderheit der Demokraten im Kongress, die sich eindeutig auf die Seite der Anti-Kriegs-Bewegung gestellt hat und von den linken Aktivisten entsprechend dafür gefeiert wird. Weil Kerry jedoch selbst im Kongress für die Entscheidung für den Irak-Krieg votiert hat, und auch in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2004 daran festhielt, macht er sich mit seiner Wende zur bevorzugten Zielscheibe republikanischer Angriffe. Hillary Clinton hingegen bemüht sich darum wohl auch mit Blick auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur für 2008-, ihren Ruf als außenpolitischer Falke zu festigen, als standfest und zuverlässig in der Außen- und Sicherheitspolitik zu erscheinen. Die argumentative Linie, die sie eingeschlagen hat, ist die Linie, die das Partei-Establishment mehrheitlich vertritt: Das Problem ist nicht der IrakKrieg an sich, sondern die inkompetente und fehlerhafte Ausführung. Insbesondere der für die Schwierigkeiten vor allem verantwortlich gemachte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld steht im Fokus der demokratischen Attacken. Für die Vordenker der gemäßigten Demokraten liegt die Hauptgefahr für die Partei in der Nachgiebigkeit gegenüber dem linken Lager.„Die Anti-KriegsReflexe, die zu Ned Lamonts Sieg in Connecticut führten, werden sich auf lange Sicht als desaströs für die Demokraten erweisen”, warnt Will Marshall, Präsident des Bill und Hillary Clintons nahestehenden Progressive Policy Institute(PPI). Er hofft jedoch, dass die Kandidaten„wissen, dass sie keine Beschwichtigungspolitik gegenüber Anti-KriegsAktivisten betreiben dürfen, wenn sie nationale Wahlen gewinnen wollen”. Marshall und sein Institut arbeiten daran, eine alternative Strategie für die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik zu entwickeln- eine Alternative sowohl zu den Republikanern als auch zur AntiKriegs-Stimmung der Linken. Nur wenn die Demokraten einen„neuen und besseren Plan für den Sieg” präsentierten, statt den Rückzugsimpulsen nachzugeben, hätten sie Chancen, die Präsidentschaftswahl von 2008 zu gewinnen. Marshalls Motto lautet:„fighting smarter”. Drei Punkte stehen dabei im Vordergrund. Erstens gehe es darum, Amerikas von Abu Ghraib und Guantanamo beschädigten Ruf wiederherzustellen. Zweitens müsse man das Thema Verbreitung der Demokratie wieder für die Demokraten reklamieren und ihm wieder Glaubwürdigkeit verleihen. Drittens seien die Beziehungen zu Freunden und Verbündeten grundlegend zu reparieren. Auch für den politischen Analysten Jacob Weisberg werden die Chancen der Demokraten, wieder an die Macht zu kommen, vor allem durch die AntiKriegs-Bewegung im eigenen Lager gefährdet. Das Ergebnis in Connecticut lasse befürchten,„dass die Demokraten, statt vom klaren Versagen der BushRegierung zu profitieren, das Drama der VietnamJahre wieder aufführen werden- ein Drama, das dazu
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