4 unterlag dabei einem zuvor völlig unbekannten demokratischen Herausforderer namens Ned Lamont. FES-Analyse: USA Die Niederlage Liebermans hatte eine einzige Ursache: seine unerschütterliche Unterstützung der IrakPolitik der Bush-Regierung. Menetekel in Connecticut: Lamont schlägt Lieberman Am 8. August triumphierte der erfolgreiche Geschäftsmann Ned Lamont in den Vorwahlen für die demokratische Senatskandidatur in Connecticut über Joseph Lieberman. Lieberman, seit 1988 im Senat, ist ein politisches Schwergewicht der Demokraten; im Jahre 2000 war er der demokratische Kandidat für die Vizepräsidentschaft. Ein halbes Jahr zuvor war Lamont noch völlig unbekannt; niemand räumte ihm eine Chance ein, den prominenten Joseph Lieberman zu schlagen. Trotz der in Connecticut verbreiteten Ablehnung des IrakKriegs war Lieberman noch im März sehr populär. Lamont verfügte lediglich über zwei Trumpfkarten, über beträchtlichen Wohlstand aus seinem Kabelfernseh-Unternehmen, mit dem er seine Kampagne finanzieren konnte, und eine klare Botschaft: Der IrakKrieg war ein Fehler, und Liebermans Unterstützung für Bushs Irak-Politik hat den Senator diskreditiert. Lamonts Kampagne zog landesweite Aufmerksamkeit auf sich. Das lag auch daran, dass die so genannten„Netroots” den Kandidaten massiv unterstützten: Einflussreiche Blogger und Internet-Aktivisten (darunter MoveOn und DailyKos) machten die Kandidatur Lamonts zu ihrer Sache. Zum Emblem der Internet-Kampagne wurde ein Foto von Lieberman und Bush, auf dem der Präsident Lieberman auf die Wange küsste. Liebermans hilflose Replik-„Ich küsste ihn nicht zurück”- konnte der Suggestivkraft des Bildes nichts entgegensetzen. Tatsächlich hat sich Lieberman in seinen drei Amtszeiten im Senat eine Reputation als führender Hardliner, als„Falke” im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik erworben. Bereits im Dezember 2001 gehörte er zu denjenigen, die öffentlich die Entmachtung Saddam Husseins forderten. Und immer wieder hat er sich dafür eingesetzt, die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik aus dem Parteienstreit herauszuhalten. So erklärte er etwa im Dezember 2005, die Demokraten sollten sich zurückhalten mit Angriffen auf Bushs Außen- und Sicherheitspolitik, denn„in Angelegenheiten des Krieges unterminieren wir die Glaubwürdigkeit des Präsidenten und bringen dadurch unsere Nation in Gefahr”. Die fehlende Bereitschaft, sich vom Irak-Kurs des Präsidenten zu distanzieren, brachte Lieberman in den demokratischen Vorwahlen zu Fall. Lamont attackierte Lieberman wegen seiner Unterstützung von Bushs Außen- und Sicherheitspolitik, und verkündete, er werde sich als Senator massiv dafür einsetzen, „George Bushs verfehlte Außenpolitik zu korrigieren”. Der erste Schritt dabei sei der Rückzug Amerikas aus dem Irak:„Es ist höchste Zeit, die amerikanischen Soldaten nach Hause zu bringen und sie als Helden zu begrüßen.” Nach seiner Niederlage Anfang August gegen Lamont- mit 48 gegen 52 Prozent- entschloss sich Lieberman dazu, für die Novemberwahlen als unabhängiger Kandidat anzutreten. Damit stellte er sich gegen das Establishment seiner eigenen Partei. Unter anderem entzog ihm Hillary Clinton, die zum engen Kreis der Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur 2008 gezählt wird, die Unterstützung. Dennoch hat Lieberman gute Chancen, Lamont im November zu schlagen: Umfragen zufolge kann er auf drei Viertel der Stimmen republikanischer und auf ein Drittel der Stimmen demokratischer Wähler zählen. Die Niederlage Liebermans war eine Sensation, es kommt äußerst selten vor, dass ein Senator im Amt von einem Herausforderer aus der eigenen Partei geschlagen wird. Was die Ereignisse in Connecticut deutlich machten, war, welch erhebliche Bedeutung der Irak-Krieg bei den Novemberwahlen spielen dürfte, zumindest bei der demokratischen Wählerschaft im Nordosten. Und sie zeigten zugleich, welche Sprengkraft das Thema Irak für die Demokraten besitzt.
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