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Kulturelle Begegnungen zwischen Konflikt und Synthese
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Karin Hunn Kulturelle Begegnungen zwischen Konflikt und Synthese Anmerkungen zur Geschichte der Einwanderung aus der Türkei Kulturelle Begegnungen zwischen Konflikt und Synthese Anmerkungen zur Geschichte der Einwanderung aus der Türkei Von Karin Hunn Als vor gut vierzig Jahren die Migration türkischerGastarbeiter und zunehmend auch Gastarbeiterinnen in die prosperierende Bundesrepublik einsetzte, machten sich Politiker und Arbeitgeber kaum Gedanken darüber, dass diese eine andere Religion und Kultur be­saßen. Ausschlaggebend für das Anwerbeabkommen, das die Bundesrepublik im Oktober 1961 mit der geographisch weitgehend außerhalb Europas liegenden Türkei schloss, wa­ren vielmehr der hohe Arbeitskräftebedarf in der westdeutschen Wirtschaft und die damals völlig unumstrittene politische Zugehörigkeit der Türkei zu Europa. Damals dachten weder die Arbeitskräfte suchenden Deutschen noch die angeworbenen Türken an einen langfris­tigen Aufenthalt in der Bundesrepublik- was auch für die anderenGastarbeiter, ob aus Italien, Griechenland, Spanien, Portugal oder Jugoslawien, galt. Die Zielsetzung lautete daher auch nicht, die vermeintlichenArbeitskräfte auf Zeit gesellschaftlich zu integrieren, sondern sie in dem Maße einzugliedern, dass sie sich am Arbeitsplatz und im Alltag zu­rechtfinden würden. Dass die herbeigerufenenGastarbeiter aber eben auch Menschen waren, wie der Schriftsteller Max Frisch in einem prominent gewordenen Zitat formulierte, kam dabei häufig zu kurz. Das galt insbesondere für die Türken, die sich kulturell und reli­giös am meisten von den Einheimischen unterschieden und von daher die größten Schwierigkeiten hatten, ihrer Kultur und Religion entsprechend in Deutschland zu leben. Die Probleme und Herausforderungen begannen in dem Maße zu wachsen wie die Ar­beitskräfte aus der Türkei ihre Familienangehörigen nachkommen ließen und trotz politi­scher und gesellschaftlicher Abwehrreaktionen allmählich zu Einwanderern wurden. Doch wie genau gestaltete sich die kulturelle Begegnung zwischen ihnen und der Mehrheitsge­sellschaft, wie entwickelte sie sich im Laufe der Zeit und wie veränderte sie die bundesre­publikanische Gesellschaft? Erste Erfahrungen in der Bundesrepublik die 1960 Jahre Wirft man einen Blick in die Zeitungen der 1960er Jahre, so erscheinen dieGastarbeiter meist als gesichtsloses Heer billiger und williger Arbeitskräfte. Hinter dieser oberflächli­chen Wahrnehmung standen jedoch Individuen, die sich nach ihrer Ankunft im Wirt­www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 17