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Parallelgesellschaft und Demokratie
Entstehung
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Thomas Meyer Parallelgesellschaft und Demokratie entstehen zu lassen, das der politischen Kultur der Demokratie als Energie, Grundorientie­rung und Bindekraft zugrunde liegt. Vertrauen und ein ausreichendes Maß an verbinden­dem sozialen Kapital sind das Fundament für die politische Kultur der Demokratie. In dem Maße wie sich daher tatsächlich ethno-kulturelle bzw. kulturell-religiöse Parallelgesell­schaften innerhalb von demokratisch verfassten Staatsnationen ausbilden, ist zu erwarten, dass sie als systematische Hindernisse sowohl für die Ausbildung einer verbindenden po­litischen Kultur wie auch für den Prozess der gesellschaftlichen und politischen Integration wirksam werden. Sie erzeugen, je vollständiger und geschlossener sie sind in um so stär­kerem Maße, eine für die demokratische Integration höchst problematische Form der aus­schließenden Gruppensolidarität, die die ethno-kulturellen oder kulturell-religiösen Grup­pen einander entfremdet. Parallelgesellschaften stellen in dieser theoretischen Perspektive Gelegenheitsstrukturen für die dauerhafte Entfremdung der kulturell verschiedenen Kollektive der Gesellschaft dar. Ihre Ausbildung ist nicht in jedem Falle an streng segregierte Wohnbezirke gebunden. Sie können sich ebenso gut durch ein dichtes und ausschließendes Netzwerk»eigen-ethni­scher« Gruppenbeziehungen aus verstreuten Wohnlagen heraus oder durch die aus­schließliche Nutzung»eigen-ethnischer« Kommunikationsmedien ausbilden. Zur Realität der Parallelgesellschaft In der Bundesrepublik Deutschland haben sich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte eth­nisch-verdichtete Siedlungsgebiete wie Köln-Eigelstein, Duisburg-Marxloh, Hamburg­Wilhelmsburg oder Berlin Kreuzberg und darüber hinaus auch intra-ethnische Kommuni­kationsgewohnheiten der türkischen Minderheit ausgebildet, die die Frage aufgeworfen haben, ob es sich bei ihnen bereits um Parallelgesellschaften im definierten Sinne handelt. Zunächst ist festzuhalten, dass zu den unbestrittenen Vorzügen des Lebens in»ethni­schen Kolonien« für ihre Angehörigen vor allem gezählt werden: die Selbststabilisierung der in der Fremde infrage gestellten Persönlichkeit durch das homogene soziale Umfeld sowie die Hilfs- und Orientierungsfunktionen, die es für neu Ankommende oder von der Mehrheitsgesellschaft isoliert Gebliebene leistet. Diese hilfreiche Schleusenfunktion, die Parallelgesellschaften für die neu ankommenden Angehörigen der entsprechenden Min­derheiten ausüben, werden in der Regel rasch und gründlich zur Integrations-Falle. Das Leben innerhalb der Parallelgesellschaften ist nämlich zahlreichen Prägungen und Konse­quenzen unterworfen, die ganz unabhängig von den eigentlichen Absichten der betroffe­nen Menschen wirksam werden. Das erhebliche, nicht selten vollständige Maß der Isola­tion von der Sprache, den erfolgversprechenden Verhaltenstechniken und den sozialen www.fes-online-akademie.de Seite 3 von 7