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Die Qaul der Wahl : bedroht Wählerapathie Botswanas Demokratie?
Entstehung
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Merkmale Geschlecht, Wohnort(Stadt/ Land), Alter und Bildungsgrad. Geschlecht In den meisten Ländern der Welt ist Politik weiterhin eine Männerdomäne. Dies be­trifft nicht nur das Tragen politischer Äm­ter, sondern auch die vielfältigen Formen politischer Partizipation. Einzig Wahlen haben sich mittlerweile zu einem poli­tischen Prozess entwickelt, an dem Frau­en mindestens in gleichem Maße, wenn nicht sogar stärker teilnehmen. Botswana bildet hier keine Ausnahme. Während Frauen in den politischen Institutionen und Gruppierungen des Landes weiterhin un­terrepräsentiert sind, bilden sie sowohl absolut als auch relativ das größere Wäh­lersegment. In den Jahren 1999 und 2004 war die Wahlbeteiligung unter den Frauen um 4% bzw. 3,5% höher als unter den Männern. Da dieser Unterschied jedoch nicht wesentlich ist, kann beim Nicht­wählen kaum von einem geschlechts­spezifischen Phänomen gesprochen wer­den. Stadt/Land Hinsichtlich der räumlichen Wählervertei­lung weisen viele Entwicklungsländer ein bedeutendes Stadt-Land-Gefälle auf. Zum einen erschweren große Entfernungen und infrastrukturelle Defizite die Stimm­abgabe der ländlichen Bevölkerung. Zum anderen sind Städter durchschnittlich ge­bildeter, was sich positiv auf die Wahlbe­teiligung auswirkt. Diese Beobachtung lässt sich jedoch nicht auf Botswana über­tragen: Im Jahr 2004 war die Partizipa­tionsrate der Landbevölkerung um 6,5% höher als die der Stadtbewohner. Dieses Ergebnis ist nur auf den ersten Blick über­raschend. Es kann nämlich durch ein weiteres Merkmal der ländlich wohnenden Batswana erklärt werden: das Alter. Im Zuge der Land-Stadt-Migration sind es vor allem jüngere Menschen, die sich in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Le­ben in den Städten niederlassen. In den Dörfern bleibt dadurch eine überpropor­tional alte Gesellschaft zurück, die zumin­dest relativ die dortige Wahlbeteiligung hebt. Alter Das Alter ist das bedeutendste Merkmal der Gruppe der Nichtwähler. Jüngere Wähler erscheinen bedeutend seltener zur Stimmabgabe als ihre älteren Mitbürger. So auch in Botswana. Im Jahr 1999 gingen lediglich 27% der 18- bis 29­Jährigen Batswana zur Wahl. Demgegen­über gaben ganze 67% der 30- bis 64­Jährigen und gar 84% der noch Älteren ihre Stimme ab. Fünf Jahre später ver­kleinerte sich dieser Unterschied nur mar­ginal. Niedrige Wahlbeteiligung ist in Bots­wana also vornehmlich ein Problem der Jugend. Da die Gesellschaft jedoch insge­samt sehr jung ist in 2002 betrug des Durchschnittsalter 25 Jahre, wird daraus ein gesamtgesellschaftliches Problem. Bildung Wie bei den Unterschieden zwischen Stadt und Land, bildet Botswana auch beim Einfluss des Bildungsgrades eine Ausnahme. Während in den meisten Ländern die Bildung eines Wählers positiv mit dessen Wahlbereitschaft zusammen­hängt, fällt in Botswana zunächst die schwache Partizipation unter den Universi­tätsabsolventen auf. Auch wenn es sich hierbei(noch) um eine relativ kleine Bevöl­kerungsgruppe handelt, weist die Wahlbe­teiligung unter den Batswana mit Sekun­darabschluss in die gleiche Richtung. Mit einer 16% höheren Partizipationsrate als ihre formal gebildeteren Mitbürger, waren die Batswana, die lediglich einen Primar­abschluss besaßen, die aktivsten Wähler im Jahr 2004. Ein Bildungsexperte vertritt die These, dass je besser das politische System verstanden und seine Mängel erkannt werden, desto mehr führen die fehlenden Beteiligungsmöglichkeiten zu Resignation und Passivität. Auswirkungen des Nichtwählens Wer Demokratie hauptsächlich als Herr­schaft der Mehrheit definiert und als Legiti­3